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Solingen
St. Clemens im Juli wieder ohne Baugerüst

Solingen. Die Sanierung der Türme der Kirche in der City ist nach über einem Jahr Bauzeit fast abgeschlossen. Von Günter Tewes

Die Clemenskirche wirkt noch immer wie ein Kunstwerk des Verpackungskünstlers Christo - wenngleich inzwischen lediglich der Helm des nördlichen Turms mit weißen Planen verhangen ist. Hier wird noch an der Sanierung der 51 Meter hohen Sichtbetonspitzen gearbeitet. Am südlichen Helm des Kirchturms ist dies bereits abgeschlossen. In Kürze wird das auch nebenan so sein. "Im Juli sind wir fertig, dann wird abgerüstet", sagt Architekt Markus Kenkmann über den Fortgang der Arbeiten. Diese stehen jetzt kurz vor dem Abschluss und die höchstgelegene Baustelle in der City, die so solange das Stadtbild prägte, ist abgeschlossen.

Seit April vergangenen Jahres steht das Baugerüst über dem Eingangsportal der katholischen Pfarrkirche an der Goerdelerstraße. Im Mai 2015 begann schließlich die Instandsetzung.

Die Sanierung der markanten Kirchturmspitzen aus Sichtbeton, die 1955 von dem bekannten Architekten Dominikus Böhm und seinem Sohn Gottfried neu errichtet wurden, hat sich sehr viel aufwändiger dargestellt als angenommen. Das hat Folgen für die Kosten. Die Instandsetzungsarbeiten an der Clemenskirche werden mit 1,1 Millionen Euro denn auch mit 300.000 Euro teurer als anfangs kalkuliert.

Außergewöhnlich ist es freilich nicht, dass bei einem Gebäude wie der Clemenskirche während der laufenden Arbeiten Überraschungen beziehungsweise weitere Schäden sichtbar werden. Risse im Mauerwerk wurden beispielsweise entdeckt. Bei der Gelegenheit sind zugleich brüchige Verfugungen zwischen den Steinen ausgeräumt und neu verfüllt worden.

"Die Mauerwerksarbeiten sind abgeschlossen", erklärt Architekt Kenkmann. Das ist ebenso bei den Schall-Luken der Fall. Zahlreiche Holzblenden des Gotteshauses waren so stark verwittert, dass sie erneuert werden mussten. Einige Dachdeckerarbeiten werden in den nächsten Wochen zudem noch erledigt.

Am umfänglichsten hat sich indes die Sanierung der Kirchturmhelme gestaltet. Zunächst wird die alte Beschichtung komplett abgestrahlt. Ein Statiker untersucht anschließend den Zustand des Betons, um - falls erforderlich - Schäden ausbessern zu können. Zum Abschluss wird die komplett neue Beschichtung aufgetragen. Vor 20 Jahren waren die Kirchtürme, die einer erheblichen Beanspruchung durch die Witterung ausgesetzt sind, zuletzt aufwändig saniert worden. In zwei Jahrzehnten dürfte dies erneut erforderlich werden.

Das hatte schon in den 90er Jahren zu kontroversen Diskussionen geführt, ob der Sichtbeton nicht verschiefert werden soll, um sich den originalen Turmhelmen wieder anzunähern, die im Herbst 1944 beim Bombenangriff auf Solingen zerstört wurden. Das Erzbistum Köln sprach sich allerdings für den Erhalt des Sichtbetons als architektonisches Zeitzeugnis der 50er Jahre aus - und verpflichtete sich zugleich, diesen regelmäßig zu sanieren und die Kosten dafür zu tragen.

Quelle: RP
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