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Solingen
Stabwechsel beim Solinger Rettungsdienst

Solingen: Stabwechsel beim Solinger Rettungsdienst
Cornelia Weck-Stephan gehört zu den 20 Maltesern, die am morgigen Sonntag zum letzten Mal für den Rettungsdienst in Solingen im Einsatz sein werden. FOTO: Kempner
Solingen. Am Montag übernimmt der Arbeiter-Samariter-Bund Teile des Rettungsdienstes von den Maltesern. Bei Letztgenannten herrscht Trauer, beim ASB Aufbruchstimmung. Die neuen Retter ziehen zunächst in die Wachen Ohligs und Wald. Von Benjamin Dresen und Martin Oberpriller

Der Countdown läuft - und Cornelia Weck-Stephan von den Maltesern wird dabei sein, wenn in der Nacht von Sonntag auf Montag ein Stück Rettungsdienst-Geschichte in der Stadt wohl für immer enden wird. Denn nachdem die Malteser über Jahrzehnte in Sachen Notfallversorgung auf den Solinger Straßen unterwegs waren, wird dann der sprichwörtliche Staffelstab an den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) übergehen.

Pünktlich um 23 Uhr abends wird Rettungssanitäterin Weck-Stephan nach der ultimativen Schicht ein letztes Mal aus dem städtischen Rettungswagen steigen. Und bereits eine Stunde später, ab Montag, 1. August, 0 Uhr, sollen Mitarbeiter des ASB ihren Platz im Fahrzeug übernehmen. Eine Vorstellung, die Weck-Stephan nach wie vor zu schaffen macht. "Es lastet schwer auf den Kollegen", berichtete die Rettungssanitäterin gestern über die augenblickliche Stimmungslage bei den Maltesern - gut 48 Stunden vor dem endgültigen Abschied vom alten Job.

Ein Teil des neuen Rettungsdienstes wird vorübergehend in die Feuerwache Ohligs (Bild) ziehen, andere Kollegen kommen in Wald unter. FOTO: mak

An anderer Stelle überwiegt hingegen die Vorfreude auf eine neue Herausforderung. "Wir sind sehr gut vorbereitet", betonte die Geschäftsführerin des ASB Bergisch Land, Anne Paweldyk, am Freitag einmal mehr auf Anfrage unserer Redaktion. So seien inzwischen alle 21 Mitarbeiter, die fortan in Solingen beschäftigt sein werden, für die anstehenden Aufgaben fit gemacht worden. Beispielsweise hätten sich die ASBler in den zurückliegenden Tagen bei der Feuerwehr einer sogenannten Ortskundeprüfung unterzogen.

"Da wurde getestet, ob unsere Leute die wichtigsten Orte wie Krankenhäuser und Altenheime kennen", sagte Anne Paweldyk. Die Geschäftsführerin zeigte sich zudem optimistisch, bis 1. Februar einen eigenen, vertraglich vorgeschriebenen Standort in Solingen zu finden. "Wir führen diesbezüglich Gespräche", hieß es beim Arbeiter-Samariter-Bund, der zunächst einige Monate bei der Feuerwehr unterkommen wird.

Dabei musste der ASB nach eigenem Bekunden bei seiner vorläufigen Bleibe zuletzt noch einmal umdisponieren. So werden die Retter jetzt doch nicht in die Feuerwache 1 an der Katternberger Straße ziehen. Vielmehr richtet der Dienst sein Übergangsdomizil in den Wachen 2 und 3 in Ohligs sowie Wald ein - wobei die Mehrzahl der Mitarbeiter an der Brunnenstraße in Ohligs sitzen wird.

Eine Zwischenlösung, die aus Sicht des ASB durchaus Sinn macht. Denn wie Geschäftsführerin Paweldyk auf Nachfrage betonte, werden ihre Leute vor allem im Westen von Solingen unterwegs sein. Und dementsprechend soll auch der Rettungswagen des ASB bis auf Weiteres in Ohligs stationiert werden, während andere Fahrzeuge, die die Organisation laut Ausschreibung ebenfalls in der Klingenstadt vorhalten muss, vorübergehend in Gräfrath stehen.

Bei den Maltesern, die bislang von ihrer Wache an der Löhdorfer Straße bis zu zwölf Einsätze am Tag vor allem in Aufderhöhe und Ohligs fuhren, will man sich indes noch nicht endgültig mit dem Verlust von Teilen des Rettungsdienstes abfinden. So wechseln von den 20 hauptamtlichen Mitarbeitern die meisten Kollegen zunächst einmal zu anderen Malteser-Rettungsdiensten in der Umgebung.

Denn auf diese Weise halten sich die Verantwortlichen des Hilfsdienstes die Option offen, die Arbeit in Solingen umgehend wieder aufnehmen zu können - vorausgesetzt, ihre zurzeit beim Verwaltungsgericht Düsseldorf anhängige Klage gegen die Vergabeentscheidung der Stadt hätte am Ende doch noch Erfolg.

Darauf spekulieren jedenfalls Cornelia Weck-Stephan und ihre Kollegen. "Alle hoffen, dass es irgendwann hier weitergeht", sagte die Malteser-Rettungssanitäterin gestern, die im Fall eines endgültigen Aus vor allem die Kollegen der Berufsfeuerwehr vermissen würde, mit denen die Malteser lange Jahre zusammenarbeiteten.

Gleichwohl würde der Dienst auch bei einer Niederlage vor Gericht nicht in Gänze aus Solingen verschwinden. Der Standort in Aufderhöhe bleibt nämlich nach dem Abschied der hauptamtlichen Rettungsdienstmitarbeiter vorerst erhalten. Dort sind Katastrophenschutzeinheit, die sozialen Dienste, die Jugendabteilung, die Ausbildungsabteilung sowie die Hundegruppe der Malteser mit 140 Ehrenamtlern stationiert.

Allerdings ist einstweilen noch vollkommen unklar, wie sich ein Abwandern des Rettungsdienstes langfristig auswirken würde. Schließlich bestanden bislang "große personelle Synergien" zwischen Hauptamtlichen und Freiwilligen, hieß es am Freitag bei den Maltesern. Und inwieweit diese - beispielsweise im Bereich des Katastrophenschutzes - aufrecht zu erhalten seien, müsse zunächst abgewartet werden.

Quelle: RP
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