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Solingen
Stadion statt Symphoniker?
Solingen: Stadion statt Symphoniker?
Im Mai sprach sich Marc Westkämper für den Erhalt des Stadions am Hermann-Löns-Weg aus. Sein Argument: Die Verwaltung hatte die Erlöse eines Verkaufs zu hoch angesetzt. Die CDU widersprach ihrem Bezirksbürgermeister. Nun hat Westkämper die Musiker der Symphoniker im Visier. FOTO: Eisenhuth, Kempner (Archiv)
Solingen. Der Bezirksbürgermeister von Ohligs, Marc Westkämper (CDU), durchbricht erstmals eine von seiner Partei klar gezogene Linie und stellt Solingens Finanzierung der Bergischen Symphoniker infrage. Von Martin Oberpriller

Die Solinger CDU kommt weiterhin nicht zur Ruhe. Nachdem in der vergangenen Woche der halbe Vorstand der Frauen-Union wegen einer schwarzen Kasse zurückgetreten ist, legte gestern der Ohligser CDU-Bezirksbürgermeister Marc Westkämper in Sachen Stadion-Abriss nach. In einem Rundumschlag forderte Westkämper, der bereits im vergangenen Monat den Erhalt des alten Union-Stadions verlangt hatte, mehr Sparbemühungen im Bereich der Kultur – und stellte so als erster Solinger Politiker die Zukunft der Bergischen Symphoniker infrage.

Im Jahr 2011 seien beispielsweise mehr als 300 000 Euro für Aushilfsmusiker bei den Symphonikern ausgegeben worden, sagte Westkämper in einer auf Briefpapier des CDU-Kreisverbandes Solingen verfassten Pressemitteilung. "Allein mit diesem Geld könnte man das Union-Stadion erhalten oder das Heidebad attraktivieren. Von den 1,9 Millionen Euro, welche Solingen jedes Jahr in die Symphoniker pumpt, ganz zu schweigen", so Westkämper gestern.

Gleichzeitig kritisierte der Christdemokrat sowohl die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, BfS und DSW als auch die Stadtverwaltung scharf. Die Mehrheit wolle "im Wesentlichen den Haushalt durch Steuererhöhungen sanieren", sagte Westkämper. Und die Vorschläge aus der Verwaltung gingen oftmals zu Lasten von Ohligs, so der CDU-Mann. Beispielsweise werde durch den Umzug des Jobcenters der Stadtbezirk Mitte auf Kosten von Ohligs gestärkt.

Westkämper sieht in diversen Sparmaßnahmen eine Schwächung der Ohligser Infrastruktur. Darum hatte er schon im Mai einen Erhalt des Union-Stadions in der Ohligser Heide ins Spiel gebracht. Später sah sich der stellvertretende Vorsitzende des Sportausschusses, Frank Schütz (CDU), deshalb dazu veranlasst, die Position der Partei klarzustellen. DIe CDU stehe weiter zum Abriss des Stadions sowie zur Vermarktung des Geländes, sagte Schütz in der Morgenpost.

Doch trotz dieser Zurechtweisung lässt Marc Westkämper nicht locker. "Es steht wohl zu vermuten, dass die Spitzen von Verwaltung und Politik lieber bei Sekt der Uraufführung eines Opernstücks frönen, als mit einer Bratwurst einem Fußballspiel beizuwohnen", sagte Westkämper gestern.

Damit stellte sich Westkämper nun nicht mehr nur in Sachen Stadion, sondern auch in der Orchester-Fage gegen Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU). Dieser hatte sich stets für einen Erhalt der Symphoniker ausgesprochen. Erst am vergangenen Freitag waren Feith und seine Remscheider Amtskollegin Beate Wilding (SPD) nach einem rund dreistündigen Gespräch übereingekommen, die Debatte über die Zukunft der Musiker künftig auf der Fachebene fortzuführen. Die Remscheider als Mitgesellschafter der Symphoniker hatten als erste den Fortbestand des Orchesters infrage gestellt.

Quelle: RP
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