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Solingen
Stadt bereitet sich auf mehr Einwohner vor

Solingen: Stadt bereitet sich auf mehr Einwohner vor
Solingen von oben: Während Experten noch vor wenigen Jahren schätzten, die Bevölkerung werde schrumpfen, weisen die Prognosen nun in eine andere Richtung. FOTO: Solingen-von-oben-Kalender 2016
Solingen. Bis 2025 wird Solingen um knapp vier Prozent auf dann 166.000 Einwohner wachsen. Die Stadt plant darum bei Kitas, Schulen und Wohnungen um. Von Martin Oberpriller und Günter Tewes

Solingen wächst. In den kommenden Jahren wird die Einwohnerzahl in der Klingenstadt - entgegen bisheriger Annahmen - steigen. So gehen die Statistik-Experten im Rathaus nach jüngsten Berechnungen inzwischen davon aus, dass im Jahr 2025 rund 166.000 Menschen in Solingen leben werden.

Eine Entwicklung, die die Stadtplaner keineswegs überrascht. Denn nachdem die Bevölkerung lange Zeit geschrumpft ist, registrieren die Verantwortlichen bereits seit einigen Jahren eine Umkehr des Trends - was nicht allein mit den augenblicklich hohen Flüchtlingszahlen zu tun hat. "Wir haben schon seit 2012 einen Anstieg", bilanziert Stadtdirektor Hartmut Hoferichter.

Dabei sind es unter anderem Rheinländer aus der Metropole Düsseldorf und deren Vorstädten, die Solingen zuletzt als Wohnort für sich entdeckt haben - und die Stadtverwaltung vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Denn ob Kitas, Schulen, Sportplätze oder neue Wohngebiete: Die Stadt muss ihre Infrastruktur auf die neuen Bürger einstellen.

Beispielsweise verfügt Solingen augenblicklich über eine Fläche von rund 110 Hektar, die für Wohnbebauung zur Verfügung stehen. Darauf könnten, so die Schätzungen, etwa 4000 Wohneinheiten errichtet werden. Doch das Problem ist, dass die letzten Reserven bereits um 2020 aufgebraucht sein könnten, weswegen die Verwaltung im kommenden Jahr im Zuge des Regionalplans einen neuen Flächennutzungsplan erstellen wird.

Gleichwohl reicht das Ausweisen neuer Wohngebiete nicht aus. Da es sich bei den Zuzüglern in der Mehrheit um jüngere Menschen handelt, gilt es, eine familienfreundliche Struktur zu schaffen. Etwa, was die Zahl der Kita-Plätze angeht. "Wir werden unsere Bedarfszahl demnächst ein weiteres Mal nach oben anpassen", kündigt Hartmut Hoferichter darum nun an. Der Stadtdirektor rechnet bis 2017 mit mehr als 1400 unter Dreijährigen, die in die Kindergärten in gewisser Weise "nachwachsen". Und selbst dies muss noch nicht das Ende der Entwicklung sein, so dass man im Rathaus einen Neubau von Einrichtungen über die augenblicklich im Bau befindlichen oder geplanten Kitas nicht ausschließt.

Vergleichbares ist auch bei den Schulen der Fall. "Solingen ist als Bildungsstandort interessant für junge Familien", sagt Udo Depping, Leiter des Stadtdienstes Schulen. Er verweist unter anderem auf ein millionenschweres Investitionsprogramm, mit dem die Qualität des schulischen Angebots verbessert werden soll. So setzt die Klingenstadt konsequent auf das Ende der Hauptschule, die bei den meisten Eltern keine Lobby mehr hat, und konzentriert die Kräfte stattdessen auf die vierte Gesamtschule und die Sekundarschule, um mehr Kindern den Weg zum Abitur zu ebnen.

Die Zeiten, in denen die Schulkapazitäten verringert werden sollten, sind jedenfalls bis auf Weiteres vorbei. "Wir können auf den bestehenden Schulraum nicht verzichten", stellt Stadtdienstleiter Depping klar. Und auch Hartmut Hoferichter betont, von Reduzierungen könne keine Rede sein - im Gegenteil. Gegenüber unserer Redaktion kündigte der Stadtdirektor jetzt vielmehr eine neue Schulentwicklungsplanung an. Bereits in einigen Wochen würden die ersten Schritte dahin erfolgen, so Hoferichter.

Dennoch hüten sich die Verantwortlichen in der Solinger Verwaltung davor, allzu langfristige Bevölkerungsprognosen zur Grundlage ihrer Entscheidungen zu machen. Voraussagen seien über einen Zeitraum von zehn Jahren relativ realistisch, hieß es gestern aus dem Rathaus. Weitergehende Zahlen enthielten hingegen zu große Unsicherheiten.

"Vor fünf Jahren wurde uns zum Beispiel noch ein Einwohnerrückgang auf ungefähr 150.000 Menschen prophezeit", betont Stadtdirektor Hoferichter. Zwar sei die neue Entwicklung sehr erfreulich für die Stadt, so Hoferichter. Trotzdem gelte es, Planungen nicht zu langfristig anzulegen.

Quelle: RP
 
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