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Solingen
Stadt lehnt Trennung von Flüchtlingen ab

Solingen: Stadt lehnt Trennung von Flüchtlingen ab
FOTO: Köhlen (Archiv)
Solingen. Eine Unterscheidung der Asylsuchenden nach der Religion oder dem Geschlecht ist in Solingen nicht geplant. Von Martin Oberpriller

Ein Vorstoß der beiden in Deutschland existierenden Polizeigewerkschaften, Flüchtlinge in Zukunft nach Geschlecht oder nach Religion zu trennen, stößt in Solingen auf wenig Gegenliebe. Entsprechende Überlegungen gebe es bei den Verantwortlichen im Rathaus nicht, sagte gestern ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion.

Der Hintergrund: Nach einigen Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften, zum Beispiel in Nordhessen am zurückliegenden Wochenende, hatten sowohl die Deutsche Polizeigewerkschaft als auch die Gewerkschaft der Polizei zu Wochenbeginn gefordert, Asylsuchende innerhalb der Unterkünfte in unterschiedlichen Bereichen unterzubringen. Vorschläge, die jedoch nach Auffassung der Stadt Solingen an der Realität vor Ort vorbeigehen.

Fotos: Polizeieinsatz wegen Prügelei in Flüchtlingsheim FOTO: Patrick Schüller

"Wir haben genug damit zu tun, den Menschen, die zu uns kommen, eine Bleibe zu geben", sagte der Stadtsprecher, nachdem zuvor der im Rathaus angesiedelte Krisenstab der Stadt unter der kommissarischen Leitung von Kämmerer Ralf Weeke ein weiteres Mal getagt hatte. Die menschenwürdige Unterbringung der Asylsuchenden besitze erste Priorität, betonte der Rathaussprecher.

Tatsächlich erscheint eine separate Einquartierung der Flüchtlinge - etwa nach konfessionellen Unterscheidungen - in Solingen schon aus Gründen der zur Verfügung stehenden Kapazitäten kaum leistbar. Denn zum einen steht lediglich eine begrenzte Anzahl an Einrichtungen im Stadtgebiet zur Verfügung. Und zum anderen bieten die räumlichen Gegebenheiten in den Unterkünften in Solingen selbst kaum Spielraum für eine Trennung der Asylsuchenden. Gleichwohl erfolgt die Belegung weder in den städtischen Einrichtungen noch in den für das Land betriebenen Notaufnahmestellen willkürlich. "Wir bringen Familien selbstverständlich gemeinsam unter", sagte der Stadtsprecher. Indes sei darüber hinaus eine zusätzliche Differenzierung schlicht unmöglich, heißt es von der Stadt Solingen.

Flüchtlingskinder: "Ich muss nach Deutschland, um zu leben" FOTO: afp, ak-iw

Der Grund hierfür: Die Solinger Verwaltung hat weder genug Mitarbeiter, um eine Aufteilung der Asylsuchenden zu organisieren. Noch verfügen diese städtischen Mitarbeiter über die notwendigen Kenntnisse zum Beispiel bei Unterscheidungen nach der Religionszugehörigkeit.

Und auch eine Trennung nach Geschlechtern kommt nicht infrage, was unter anderem damit zusammenhängt, dass sich unter den Flüchtlingen neben ganzen Familien vor allem alleinstehende Männer befinden. "Frauen, die alleine nach Deutschland fliehen, sind sehr selten", stellte der Sprecher der Stadt angesichts der bis jetzt gemachten Erfahrungen klar.

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase
Quelle: RP
 
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