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Solingen
Stadt präsentiert Masterplan zu Integration

Solingen: Stadt präsentiert Masterplan zu Integration
Flüchtlingskoordinator Dirk Wagner (v.l.), Beigeordnete Dagmar Becker, Kämmerer Ralf Weeke, Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Beigeordneter Jan Welzel und Lutz Peters, Pressesprecher der Stadt, stellten das Integrationskonzept gestern im Rathaus vor. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Solingen will mit einem umfassenden Konzept das Einleben der länger bleibenden Flüchtlinge in der neuen Heimat beschleunigen. Von Martin Oberpriller

Für Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist es eine "Generationenaufgabe". Und tatsächlich erscheinen die Herausforderungen durch den Zuzug von Flüchtlingen gewaltig. Zurzeit leben über 2800 Männer, Frauen und Kinder in Solingen, die meist vor Krieg, Unterdrückung, Terror flohen. Deshalb hat Solingen als eine der ersten Städte ein "Integrationskonzept für geflüchtete Menschen" erarbeitet. Die Stadt will mit diesem Masterplan die Aufgaben stemmen, ohne dabei die angestammte Bevölkerung aus den Augen zu lassen. Dabei wird Integration keineswegs als Einbahnstraße verstanden. "Bei uns gibt klare Regeln", sagte der OB bei der gestrigen Vorstellung des Konzeptes - und betonte gleichzeitig die Chancen der Integration für Solingen.

Wohnen Ziel ist es, die Menschen aus Massenunterkünften zu bekommen. Aus diesem Grund setzt die Stadt auf kleinere Einheiten wie etwa Holzhäuser. Dabei können diese Bauten aber nur Zwischenstationen sein. Die Menschen sollen in Wohnungen ziehen, wenn sie länger bleiben. 720 Flüchtlinge leben bereits in Wohnungen - Tendenz steigend. Darum sucht die Stadt weiter privaten Wohnraum. Gleichzeitig soll aber auch der allgemeine Wohnungsmarkt "für alle Bevölkerungsgruppen" wachsen, wie Stadtdirektor Hartmut Hoferichter betont. Allein die Stadt verfügt über 100 Hektar, auf der Investoren bis zu 4000 Wohneinheiten errichten können. Das Interesse ist laut Stadt vorhanden - auch dank verbesserter Förderungen für Sozialwohnungen.

Jugend Zurzeit sind über 600 der Flüchtlinge Kinder unter 15 Jahren. Eine riesige Chance in Sachen Integration, findet die zuständige Beigeordnete Dagmar Becker, die auf gemeinsames Lernen von Beginn an setzt. In Kitas, deren Zahl erhöht wird, sollen die Flüchtlingskinder in regulären Gruppen betreut werden. Gleiches gilt für die Schulen. "Gemeinsamer Unterricht hat Vorrang", sagt Becker. Um die Schüler fit zu machen, gibt es im Sekundarbereich momentan 19, in den Grundschulen fünf Auffang- sowie Förderklassen.

Sport Ein weiterer Hebel zur Integration. So bieten Vereine Einstiegs- und Schnupperkurse für Flüchtlinge an. Die Stadt stellt Sportstätten zur Verfügung. Zudem läuft das Programm "Integration durch Sport" der AG Sport. Und der Fußballverband will Flüchtlingen vereinfachte Spielgenehmigungen erteilen, während Spitzenclubs wie der Bergische HC die Menschen zu Spielen einladen.

Weiterbildung Die VHS hat zurzeit 14 Integrationskurse für Menschen mit "geklärtem Asylstatus" im Angebot, die vom Bund finanziert werden. Ferner gibt das Land Geld für einen Sprachkursus für Flüchtlinge.

Gesundheit Am 1. April führt die Stadt die "Solinger Gesundheitskarte" für Flüchtlinge ein. Diese wurde unter anderem mit den Ärzten vor Ort konzipiert und soll Arztbesuche leichter machen. Gleichzeitig erarbeitet der Stadtdienst Gesundheit mit dem psychosozialen Trägerverein und der LVR-Klinik Langenfeld ein Konzept, um zum Beispiel traumatisierten Menschen zu helfen.

Arbeitsmarkt Ausbildung und Jobs sind ein weiterer wichtiger Punkt. Die Stadt will die Flüchtlinge, die länger in Solingen bleiben, über das Jobcenter möglichst eng betreuen. Darüber hinaus sind aber auch andere, zum Beispiel Firmen, gefragt. Die Stadt bietet Infoveranstaltungen an. Praktika können nach Ansicht des zuständigen Dezernenten Jan Welzel ein erster Schritt auf den Arbeitsmarkt sein.

Sozialarbeit Ein engmaschiges Netz soll sich um die Flüchtlinge kümmern. Es gibt eine dauerhafte Betreuung in Wohnungen und Unterkünften. Soziale Träger, Ehrenamtler, Kirchen, muslimische Gemeinden sowie Polizei werden eingebunden.

Bürgerinformation Ab Mitte März laufen an größeren Standorten für Flüchtlingsunterkünfte moderierte Veranstaltungen, die einen Dialog mit den Bürgern herstellen sollen.

Internet Seit gestern ist die Seite www.solingen-solidarisch.de freigeschaltet. Sie bietet Infos Helfer und Flüchtlinge, für letztere in unterschiedlichen Sprachen.

Quelle: RP
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