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Solingen
Stadt prüft alle Gebäude auf Giftstoffe

Solingen. Weil die Turnhalle Neuenhofer Straße wegen erhöhter PCB-Werte geschlossen wurde, untersucht das Rathaus sämtliche städtische Gebäude. Bis Ende des Jahres sollen 95 Bauten - von Turnhallen über Schulen bis zur Cobra - getestet werden. Von Martin Oberpriller

Es ist eine der größten logistischen Herausforderungen der zurückliegenden Zeit. Aber nachdem im vergangenen Herbst in der Turnhalle an der Neuenhofer Straße eine zu hohe Belastung mit dem Gift PCB festgestellt wurde und der Bau aus dem Jahr 1969 gesperrt werden musste, will die Stadt auf Nummer sicher gehen. Bis Ende des Jahres werden die Verantwortlichen der Verwaltung sämtliche städtische Gebäude auf Schadstoffe untersuchen lassen.

Insgesamt sind 95 Bauten mit ihren Räumlichkeiten betroffen. Von Schulturnhallen und Grundschulen über das Verwaltungsgebäude Bonner Straße bis hin zu kulturellen Einrichtungen wie etwa dem Theater und Konzerthaus sowie der Cobra - im Rathaus wird eine General-inventur vorgenommen, um möglichen Umweltgiften auf die Spur zu kommen.

Unter anderem ist vorgesehen, die Luft in den Räumen auf Schadstoffe wie PCB, Holzschutzmittel oder Asbest zu testen. Dabei reicht es jedoch nicht aus, allein jene Gebäude unter die Lupe zu nehmen, die - wie die Halle Neuenhofer Straße - in den 60er- und 70er Jahren errichtet wurden. Vielmehr ist es notwendig, auch solche Bauten zu überprüfen, die aus früheren Jahrzehnten stammen. "Denn immerhin ist es ja möglich, dass bei späteren Umbauten bedenkliche Stoffe verbaut worden sind", sagte jetzt ein Stadtsprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

Tatsächlich stammen allein bei den städtischen Turnhallen, die einen Schwerpunkt der Messungen ausmachen, fünf Gebäude aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Und drei Hallen (Katternberger Straße, Eintrachtstraße, Fürkerfeldstraße) wurden sogar noch zu Kaisers Zeiten vor 1914 gebaut. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk der Stadt auf Liegenschaften, die nach 1945 errichtet wurden - zu einer Zeit also, als vermehrt moderne Materialien auf den Baustellen zum Einsatz kamen.

Inzwischen wurde ein Ingenieurbüro, das auf Schadstoff-Untersuchungen spezialisiert ist, mit der Überprüfung der ersten drei Gebäude beauftragt. "In den Räumen werden spezielle Geräte aufgestellt, die die Messungen vornehmen", sagte der Rathaussprecher, der gleichzeitig betonte, Ergebnisse lägen noch nicht vor.

In der Zeit der Untersuchungen bleiben sämtliche betroffene Gebäude in Betrieb - wobei die Verantwortlichen bei der Stadt hoffen, dass dies auch nach Bekanntwerden der Messergebnisse so bleiben kann. Denn sollten in einigen Bauten giftige Stoffe gefunden werden, könnte dies zusätzliche Löcher in die ohnehin leere Stadtkasse reißen. So schlägt allein die nun anstehende Generalsanierung der Turnhalle Neuenhofer Straße mit rund 1,9 Millionen Euro zu Buche. Nach dem Ende der Arbeiten im Sommer 2017 wird von dem eigentlichen Gebäude lediglich noch der Rohbau erhalten sein, weil sämtliche Innenteile der Halle ausgetauscht werden müssen. Dennoch kommt die Sanierung immer noch günstiger als ein Neubau.

Quelle: RP
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