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Solingen
Stadt sucht Liebhaber für Luhnshammer

Solingen: Stadt sucht Liebhaber für Luhnshammer
Seit fast zehn Jahren verlassen: Der Luhnshammer am Eschbach oberhalb von Unterburg wartet auf einen neuen Eigentümer. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Früher war das Ensemble in Burg eine Schmiede. Diese Nutzung ist wegen des Hochwasserschutzes zukünftig ausgeschlossen. Ein Privatkäufer könnte die Rettung bringen. Von Martin Oberpriller

Die alte Mauer aus Naturstein steht noch genauso windschief wie ehedem, um das historische Anwesen vor dem nahen Eschbach zu schützen. Das grüne Moos an der Holzfassade des Haupthauses bedeckt wie einst die größten Teile des Giebels. Und würde sich vor der Eingangstür inzwischen nicht eine ziemlichen Leere ausbreiten, wo früher einmal diverse Fabrikate aus der Schmiede aufbewahrt wurden - man könnte glatt meinen, rund um den Luhnshammer am nördlichen Rand von Unterburg sei die Zeit stehengeblieben.

Ist sie natürlich nicht. Beinahe zehn Jahre sind vergangen, seitdem für den letzten Pächter des denkmalgeschützten Ensembles an der Eschbachstraße der sprichwörtliche Hammer gefallen ist. Ursprünglich war vorgesehen, die beiden Gebäude aus dem 17. Jahrhundert weiter gewerblich nutzen zu lassen. Doch alle Pläne, den Luhnshammer wiederzubeleben, verliefen bis zum heutigen Tage im Sand, so dass die Stadt Solingen nun einen ganz neuen Anlauf nimmt, diese geschichtlich wertvolle, aber gleichzeitig kostspielige Immobilie endlich loszuwerden.

Über Jahrhunderte diente der Komplex als Schmiede. Der letzte Schmied, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, verließ das Anwesen im März 2008. Bis zu seinem Auszug stellte der Handwerker seine Waren im Hof des Luhnshammers aus. FOTO: Kempner Martin

"Wir suchen mittlerweile einen privaten Käufer", sagte eine Rathaus-Sprecherin in dieser Woche auf Anfrage unserer Redaktion. So habe es innerhalb der Verwaltung in den zurückliegenden Wochen gleich mehrere Treffen zum Thema Luhnshammer gegeben. Und am Ende sei den zuständigen Beamten klar gewesen, dass es mit einer Schmiede wie früher einmal in dem alten Gemäuer wohl nichts mehr werde.

Die Gründe hierfür liegen dabei aber keineswegs am erwähnten Denkmalschutz, der Investoren an anderen Orten bisweilen einen Strich durch ihre Rechnungen macht. Vielmehr ist es der Eschbach, durch den der Luhnshammer zu einem Ladenhüter geworden ist. Denn während der Bach in den Anfangsjahren des Anwesens so etwas wie eine Art Lebensversicherung gewesen war, da das Wasser in der Schmiede zum Löschen möglicher Brände benötigt wurde, verhält es sich heutzutage geradewegs umgekehrt.

So sind die Restriktionen, die mit dem Hochwasserschutz am Eschbach einhergehen, längst derart umfangreich, dass selbst kleinste bauliche Veränderungen am Luhnshammer nahezu ausgeschlossen sind. "Tatsächlich gab es vor einigen Jahren einen Interessenten für das Gebäude", erinnerte die Stadtsprecherin jetzt noch einmal an frühere Bemühungen, die historische Stätte zu reanimieren.

Indes, es blieb bei Versuchen, die vor allem daran scheiterten, dass die Gegend am Luhnshammer ein Überflutungsgebiet des Eschbachs ist. Dieses dient bei einem hohen Pegelstand des Baches dazu, den Ort Unterburg vor den Fluten zu schützen.

Jedenfalls fanden seinerzeit weder die Stadt, noch der Investor einen Weg, rund um den Luhnshammer Hochwasserschutz sowie Renovierung unter einen Hut zu bringen - und die alte Schmiede im "Dornröschenschlaf" verfiel weiter vor sich hin.

Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass das Ensemble die Stadt Solingen kein Geld kosten würde. So schauen Mitarbeiter der Bauaufsicht immer noch in regelmäßigen Abständen in Unterburg vorbei, um den Zustand der beiden mehr als 300 Jahre alten Häuser zu untersuchen. "Schon aus diesem Grund haben wir als Stadt natürlich ein Interesse daran, einen Käufer für den Luhnshammer zu finden", betonte die Rathaus-Sprecherin, die eben nur einer Reaktivierung des Anwesens als Schmiede keinerlei Chance einräumt.

Stattdessen können sich die Verantwortlichen in der Verwaltung jetzt also vorstellen, den Luhnshammer an eine Privatperson zu veräußern. Wobei sich nicht-gewerbliche Nutzer genauso an strikten Vorgaben zu orientieren hätten wie andere. Beispielsweise sind durch den nach wie vor bestehenden Denkmalschutz Veränderungen baulicher Art ebenfalls klare Grenzen gesetzt - was in letzter Konsequenz dazu führen würde, dass auch private Eigentümer lediglich Modifikationen von allein "kosmetischer" Natur sowie in enger Absprache mit der Denkmalschutzbehörde als Aufsicht vornehmen dürften.

Die Hoffnung aufgeben will man deshalb im Solinger Rathaus aber nicht. "Vielleicht wäre es ja denkbar, dass der Luhnshammer demnächst von einem Liebhaber als Freizeitgrundstück für Treffen mit Freunden genutzt wird", umriss die Sprecherin der Stadt in diesem Zusammenhang schon einmal eine potenzielle Zukunft für den geschichtsträchtigen bergischen Gebäudekomplex.

Quelle: RP
 
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