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Solingen
Stadt will mehr Sozialwohnungen

Solingen: Stadt will mehr Sozialwohnungen
Ein Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der 70er Jahre: Die Siedlung Hasseldelle. FOTO: Archiv
Solingen. Lange lag der Bau von günstigen Wohnungen brach. Doch nun steigt die Nachfrage wieder. Das Rathaus hat darum ein Programm entwickelt, das für Investoren passgenaue Lösungen bieten soll. Haus & Grund fordert weitere Schritte. Von Martin Oberpriller

Die Nachfrage steigt spürbar - und ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. In Solingen wird der Bedarf vor allem an günstigem Wohnraum nach Ansicht von Experten in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Aus diesem Grund reagiert nun auch die Stadt. Mit einem Programm planen die zuständigen Beamten im Rathaus, den Bau neuer Sozialwohnungen voranzutreiben.

"Wir werden zwar selbst keine Wohnungen errichten", stellte Stadtdirektor und Baudezernent Hartmut Hoferichter jetzt auf Nachfrage unserer Redaktion klar. Dennoch will die Verwaltung - parallel zu einer erst kürzlich aufgestockten Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen - die Rahmenbedingungen verbessern, um Investoren wieder vermehrt in die Stadt zu locken.

So legen die Mitarbeiter der Bauverwaltung im Rahmen des Wohnungsbauprogramms unter anderem eine Liste von städtischen Grundstücken an, die sich für sozialen Wohnungsbau anbieten. Die Idee, die dahinter steckt: Kommt es zum Kontakt mit möglichen Bauherren oder Wohnungsbaugesellschaften nach, kann die Stadt diesen Investoren passgenaue Angebote gemacht werden.

Tatsächlich erscheint eine Wende in der Wohnungsbaupolitik - auch in der Klingenstadt - dringend geboten. Denn zuletzt tat sich gerade im Bereich günstiger Wohnungen so gut wie nichts mehr - mit Folgen, die immer deutlicher zutage treten.

"Der Bestand an gefördertem Wohnraum war in den zurückliegenden Jahren in Solingen rückläufig", sagte Hartmut Hoferichter. Und zudem sei auch die Quote leerstehender Wohnungen von einstmals drei bis vier Prozent merklich gesunken - bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung.

So gehen Fachleute inzwischen davon aus, dass die Einwohnerzahl von heute knapp 161.000 Menschen bis 2025 auf fast 166.000 Bürger hochschnellt. Und das ist noch nicht alles. Auch die Wohnformen ändern sich. Vor allem die Anzahl der allein oder in kleinen Haushalten lebenden Einwohner dürfte in den nächsten Jahrzehnten anwachsen.

Laut einer unlängst vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Modellrechnung wird es bis 2040 zu einer Zunahme der Haushalte mit lediglich einem Bewohner oder zwei Personen um elf Prozent kommen. Das würde bedeuten, dass dann 63.000 Solinger in solch kleinen Gemeinschaften leben. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum dürfte die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Mitgliedern auf nur noch 19.000 Einheiten sinken.

Prognosen, die die Immobilienbesitzer-Vereinigung Haus & Grund Solingen ebenfalls kennt. Deren Geschäftsführer Andreas Herget begrüßte gestern die städtische Initiative für mehr Sozialwohnungen. Gleichwohl glaubt Herget nicht, dass das Wohnungsbauprogramm schnell hilft. "Die ersten Auswirkungen werden wir frühestens in ein bis zwei Jahren sehen", sagte Herget.

Zwar sei in letzter Zeit bei den Mitgliedern von Haus & Grund ein deutlich gewachsenes Interesse am Bau von Sozialwohnungen zu registrieren, berichtete der Geschäftsführer aus der Praxis. Aber das allein reiche nicht aus. Vielmehr sieht Haus & Grund das Land in der Pflicht, zusätzlich zu den attraktiveren Förderungen auch die Bürokratie abzubauen. Andreas Herget: "Die Gesetze müssen entwirrt werden."

Dies jedoch liegt wiederum nicht im Einflussbereich der Stadt, die sich deshalb darauf konzentriert, die in ihrer Macht stehenden Faktoren zu verbessern. Mit zunehmenden Erfolg, wie die Verantwortlichen im Rathaus betonen. "Es gibt mehr Anfragen von potenziellen Investoren als früher", sagte Baudezernent Hoferichter.

Quelle: RP
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