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Gesellschaft
Amnesty zeigt Ausstellung gegen Folter

Solingen. Einer Umfrage zufolge haben in Brasilien die meisten Menschen Angst vor Folter. Es sind 80 Prozent der Befragten, die befürchten nach einer Festnahme gefoltert zu werden. Selbst in Deutschland geben 30 Prozent der Befragten an, ebenfalls Angst vor Folter haben. Dem Kampf dagegen und für die Menschenrechte hat sich Amnesty International verschrieben und eine Ausstellung zu diesem Thema entwickelt, die bereits in mehreren Städten Deutschlands gezeigt worden ist. Die Solinger Amnesty International-Gruppe hat diese Ausstellung nun in die Klingenstadt geholt. "Stop Folter" heißt sie und wurde gestern in der Hauptstelle der Solinger Stadt-Sparkasse eröffnet.

"Wir stellen unsere Kassenhalle gerne auch für Ausstellungen zu gesellschaftskritischen Themen zur Verfügung", erklärte Sparkassen-Vorstandsmitglied Manfred Kartenberg. Oberbürgermeister Tim Kurzbach bedankte sich für das Engagement der Amnesty International-Gruppe Solingen, die das Thema "Folter" immer ins Gespräch bringe und so die Erinnerung wachhalte. "Die Auswirkungen von Diktatur, Krieg, Folter und Gewalt sind inzwischen bis nach Solingen zu spüren", betonte Kurzbach im Hinblick auf die Flüchtlinge, die auch in die Klingenstadt kommen. "Die Flüchtlinge, mit denen ich Gespräche geführt habe, sind in mehrfacher Form vor Terror geflohen." Deshalb sei es wichtig, sich mit dem Thema "Folter" auseinanderzusetzen. "Wir müssen aufrütteln, das Thema wird zu oft banalisiert."

"In vielen Ländern ist Folter alltäglich", erklärte auch Daniela Tobias von der Solinger Amnesty-Gruppe. Oft sei die Folter ein verbreitetes Mittel der Polizei, oft geschieht Folter jedoch auch im Namen der nationalen Sicherheit. In den meisten Ländern gebe es zwar ein Gesetz gegen Folter. "Aber in der Praxis wird weiter gefoltert." Der immer stärker zunehmenden Akzeptanz von Folter auch in Demokratien will Amnesty International entgegentreten, und mit der Ausstellung "Stop Folter" wird auf Tatsachen aufmerksam gemacht, die zu denken geben.

Auf großen gelben Plakaten findet der Ausstellungsbesucher viele Informationen über weltweite Menschenrechtsverstöße, liest die Berichte von Betroffenen. Die Plakate sind keinesfalls sensationslüstern gestaltet. In ihrer minimalistisch gehaltenen Bebilderung wirken sie verstörend und aufrüttelnd. Wenn nur eine Kneifzange zu sehen ist, mit dem Vermerk "geeignet für Fingernägel" oder eine Bohrmaschine mit der Notiz "bohrt durch Holz und Knochen" braucht es nicht mehr, um den Betrachter schaudern zu lassen.

Die Ausstellung ist bis zum 24. März in der Kassenhalle der Sparkassen-Hauptstelle an der Kölner Straße zu sehen.

(sue)
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