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Auszeichnung
Das erste Fledermaus freundliche Haus in Solingen

Solingen. Es ist vier Jahre her, als Stefanie Maas zum ersten Mal seltsame Geräusche in ihrem Haus in Oberburg hörte. Ein Rascheln und Krascheln kam vom Dachboden. "Wir dachten erst, wir hätten Mäuse", erinnert sie sich. Vor allem, als dann die auf dem Dachboden gelagerten alten Bettlaken und die Stofftiere plötzlich voller Urin und ganz offensichtlich Nester darin gebaut worden waren.

Dass auf dem Dachboden tatsächlich Mäuse gehaust haben, hat Stefanie Maas dann auch erfahren. Es waren nur keine normalen Hausmäuse, sondern Fledermäuse. Diese Fledermäuse schafften es sogar bis in den Wandschrank - doch das ist wahrlich nicht der richtige Ort für so kleine Wildtiere. Deshalb wurde der Schrank abgedichtet, die Öffnungen am Haus jedoch belassen. "Sie bleiben jetzt im Dachstuhl", erklärt Stefanie Maas, die sich sehr über die tierischen Untermieter freut. "Vor allem abends können wir sie beobachten: Dann geht es in Oberburg zu wie an einer Start- und Landerampe", erzählt sie. Nun hat Stefanie Maas eine Bewerbung an den NABU geschrieben, der "Fledermaus freundliche Häuser" mit einer Plakette auszeichnet.

NABU-Projektleiterin Sarah Sherwin hat die Fledermaus-Botschafterin Eva Krumreihn mit der Prüfung der Bewerbung beauftragt. "Ich konnte die Hinterlassenschaften der Fledermäuse noch deutlich sehen", erzählt Krumreihn, die einen speziellen Lehrgang in Sachen Fledermäusen absolviert hat. "Es handelt sich vermutlich um die Zwergfledermaus." Inzwischen sind die rund 15 Tiere wieder ausgezogen aus dem Haus an der Talsperrenstraße 5 a, wo sie nur im Sommer leben. "Für den Winter brauchen sie ein großes Quartier mit gleichbleibenden Temperaturen", erklärt Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper.

Fledermäuse sind besonders schützenswert. Es gibt 13 verschiedene Arten im Bergischen Land. "Wir haben Schloss Burg im Zuge der Renovierung untersucht und dort sieben unterschiedliche Fledermausarten gefunden", berichtet Boomers. Die Tiere leben gerne in Dachstühlen, Kirchtürmen oder eben einem Schloss - aber es reicht oft schon ein fingerbreiter Spalt, der den Zwergfledermäusen als Ruheort dient. "Es gibt auch spezielle Fledermauskästen", verrät Jochen Klister vom NABU.

Vorteile bringen solche Mitbewohner im Übrigen auch mit sich. "Wir haben seitdem keine Insekten mehr im Schlafzimmer", freut sich Stefanie Maas. Und den Kot verwendet sie als Dünger für die Balkonblumen. Nun hat das Haus 5 a mit dem Schild "Fledermaus freundliches Haus" die allererste Auszeichnung dieses NABU-Projektes in Solingen bekommen. Und Stefanie Maas wünscht sich, dass ihre Fledermaus-Freunde auch im kommenden Sommer wieder einziehen.

(sue)
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