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Literaturbörse
"Es gibt viele Schubladen mit Kurzgeschichten"

Solingen. In der Geschichte, die Ingrid Grommé am Freitagmittag in der Stadtbibliothek vorliest, geht es um einen alten Mann. Jedenfalls ist der Protagonist genauso alt, wie sie selbst: 78 Jahre nämlich. Und das hat Ingrid Grommé vor einiger Zeit noch als ziemlich alt empfunden, sagt sie. Heute sagt sie selbst, das müsse sie in ihrer Geschichte wohl mal korrigieren. Die Solinger Autorin liest ihren Text trotzdem so, als sei sie mit ihm verwachsen. Jede Zeile hat einen Klang, jeder Ausdruck eine Geste. Schade nur, dass nicht viele Zuhörer gekommen sind.

"Es ist ein Versuch, den wir heute starten", sagt Bibliothekarin Petra Pastore bei der Begrüßung. In der Stadtbibliothek findet auch heute noch die erste "Bergische Literaturbörse" statt. Eine Veranstaltung, für alle, die gerne schreiben und zuhören. Aber auch für die, die gerne schreiben lernen wollen. "Schreiben kann man lernen" lautet dann auch das Credo der Schreibwerkstatt der Volkshochschule, " damit reich werden leider nicht", so der Nachsatz. "Schreiben ist ein Hobby, davon kann man nicht leben", sagt Sybille Wegner-Höhren, die mit einer kleinen Autorengruppe der Schreibwerkstatt bereits ein Buch veröffentlichen konnte, "es sei denn man schreibt den Harry Potter". Doch das ist die Kür. Die meisten Autoren bekämen ihre Texte nicht in Druckerschwärze zu riechen. "Es gibt viele Schubladen mit Kurzgeschichten", sagt Kirsten Marter-Dumsch. Da wollte sie selbst die Initiative ergreifen und ist nun seit wenigen Wochen auch mit ihren Texten online. Als Bloggerin veröffentlicht sie ihre Geschichten auf einer eigenen Internetseite - jeden Monat eine Geschichte. Auch Ingrid Grommés Texte mussten sich erst jahrelang in Stille ansammeln, bis ihre Tochter sie überzeugen konnte, ihre Geschichten auch zu veröffentlichen. Da lag das Angebot eines Verlages schon eine Weile bei der Solinger Autorin auf dem Tisch. Doch wirklich berühmt werden wollte Ingrid Grommé dann doch lieber nicht und zögerte. Um richtig groß rauszukommen, brauche ein Autor oder eine Autorin aber ohnehin Verbindungen in die großen Verlagshäuser, sagt Sybille Wegner-Höhren. "Doch die meisten, die die Schreibwerksatt der Volkshochschule besuchen, wollen das auch gar nicht", erzählt sie. Viele würden auch einfach gerne ihre Lebensgeschichte hinterlassen und lernen, wie man sie richtig aufschreibt, oder dazu den ersten Anstoß finden. "Nicht zu viele Adjektive verwenden", weiß Kirsten Marter-Dumsch. Dies sei eine Regel, die man in der Schreibwerkstatt mit auf den Weg bekomme. Oder auch "in Worten Bewegung auszudrücken", ergänzt Ingrid Grommé. Viele Anfängertexte erkenne man auch daran, dass die Autoren die indirekte Rede meiden, sagt Marter-Dumsch. Heute gibt es in der Stadtbibliothek noch einmal die Gelegenheit, die vielen Geschichten der Solinger zu hören. Und in der ein oder anderen werden sich die Zuhörer sicher auch wieder finden. LISA KREUZMANN

Quelle: RP
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