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Blickpunkt Wirtschaft
Jessica Andrzejuk ist Goldschmiedin mit Leib und Seele

Solingen. Bereits während ihrer Abi-Zeit an der August-Dicke-Schule hat Jessika Andrzejuk im Goldschmiedegeschäft von Berthold Hloschek gearbeitet. "Ich bin durch Herrn Hloscheks Enkel hierhergekommen", verrät sie. Doch ihr Weg führte sie zunächst einmal in eine ganz andere berufliche Richtung. "Ich habe nach dem Abi erstmal ein Architekturstudium absolviert", erzählt sie. Nach drei Jahren Studium in Wuppertal hat sie dann ihren Bachelor mit "sehr gut" gemacht.

"Aber ich habe schon während meines letzten Studienjahres gemerkt, dass mich das hier viel mehr interessiert", sagt sie und macht eine vielsagende Handbewegung in die Runde, wo in den Vitrinen die kunstvoll gearbeiteten Schmuckstücke liegen und an einem Werkplatz Berthold Hloschek an einem goldenen Ring arbeitet. Es war die handwerkliche Tätigkeit und der direkte Kontakt mit den Kunden, die Jessika schließlich dazu bewogen, sich zu "outen", wie Andrea Hloschek schmunzelnd erzählt: "Sie kam und erklärte, sie müsse sich outen. Sie wolle beim besten Goldschmiedemeister eine Ausbildung machen."

Ein Lob, das Berthold Hloschek bescheiden überhört. Stolz dagegen ist er auf seine Auszubildende, die ihre Ausbildung nicht nur von 3,5 Jahren um ein Jahr auf 2,5 Jahre verkürzt hat, sondern auch noch als Innungsbeste abschließen konnte. Mit ihrem Gesellenstück hat sie die Prüfer überzeugt. Dabei muss Berthold Hloschek zugeben: "Ich hab bei mir gedacht, da hat sie sich aber etwas Schwieriges ausgesucht, aber als Meister wollte ich sie nicht stoppen."

Das war eine weise Entscheidung. Denn zum Thema "Farbenspiel" hat Jessika eine Kette entworfen, deren Anhänger aus fünf Stäben besteht, die auf einer Seite silbern und auf der anderen Seite golden sind. Diese Stäbe lassen sich durch Gelenke wahlweise drehen und in der Höhe verstellen, so dass es eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten gibt. "Bei den Entwürfen kam mir das Architekturstudium zugute", sagt die 25-Jährige. Ihre Erfahrungen im Skizzieren und Zeichnen haben die Arbeit erleichtert. Was ihr am Goldschmiede-Beruf am meisten gefällt ist, dass er nie langweilig wird. "Man lernt die Grundtechniken, doch man setzt sie immer auf eine andere Art ein." Außerdem ist es ein kreativer Beruf, denn es werden immer wieder Entwürfe nach Kundenwünschen angefertigt. Und Kundenwünsche können auch eine Herausforderung sein. "Man muss manchmal eine Nacht drüber schlafen", gibt Jessika Andrzejuk zu. "Aber es findet sich immer eine Lösung", ergänzt Berthold Hloschek, der bestrebt ist, den Auszubildenden möglichst ein umfassendes Knowhow dieses vielfältigen Berufs mitzugeben.

17 Auszubildende hatte er schon unter seinen Fittichen, sieben davon wurden Jahrgangsbeste. "Es gibt nicht mehr viele Goldschmiede in Solingen", sagt Berthold Hloschek, der die Firma inzwischen an seine Tochter Andrea weitergegeben hat und "nur noch als Rentner hier arbeitet". Es ist ihm wichtig, dass die Gold & Platin Schmiede schmiede Hloschek am Breidbacher Tor der Stadt erhalten bleibt.

Und was macht Jessika Andrzejuk nach ihrem erfolgreichen Abschluss? "Ich bin jetzt erst einmal hier und lerne noch jeden Tag dazu, sauge so viel auf, wie ich kann", antwortet sie, bevor sie mit einem Lächeln hinzufügt: "Irgendwann werde ich dann vielleicht den Meister machen."

SANDRA GRÜNWALD

Quelle: RP
 
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