| 00.00 Uhr

Historisch
Kaiserschere wird in Schweden in Ehren gehalten

Historisch: Kaiserschere wird in Schweden in Ehren gehalten
FOTO: Heide David
Solingen. Dass eine alte Solinger Schere auch außerhalb der Klingenstadt als wertvoller Schatz gehütet wird, sogar über Generationen und die Katastrophen des 20. Jahrhunderts hinweg, erfuhr die Stadt Solingen jetzt aus einer Mail-Anfrage aus Mittelschweden. Heide David aus Hoga Kösten sandte das Foto einer alten, geschmiedeten Schere mit den Reliefporträts des deutschen Kaisers Wilhelm II. und seiner Gemahlin Auguste Viktoria an die Pressestelle. Ein Erbstück der lange verstorbenen Mutter.

Die Fragen nach Alter und Herkunft des Schneidewerkzeugs konnte Dr. Isabell Immel, Leiterin des Deutschen Klingenmuseums, schnell beantworten: Die Schere gehöre zum Typus der "Kaiserscheren", die um 1900 sehr beliebt waren und von verschiedenen Solinger Herstellern produziert wurden. Das Stück aus Schweden stammt nach der eingeschlagenen Marke, Pyramide mit Kreuz, aus der Produktion der Firma Gottlieb Hammesfahr.

Wie Heide David berichtet, hat die Schere ihre Besitzerinnen auf Odysseen begleitet. Aus Bremerhaven stammend hatte es die Mutter in der Nazizeit nach Bayern verschlagen, wo die Tochter zur Welt kam. Der Vater starb kurz nach Kriegsende an den Folgen erlittener KZ-Haft. Der Liebe wegen verzog Heide David, Anfang der 60er Jahre nach Schweden - die Schere im Gepäck. "Ich hab meine Großeltern nie kennengelernt. Da wurde die Schere das Einzige, was ich von ihnen hatte", sagt Heide David. Ihre Mutter habe ihr erzählt mir, dass die Schere nur fürs Papierschneiden benutzt wurde. "Alles andere war verboten. Und sie ist immer noch scharf."

(red)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Historisch: Kaiserschere wird in Schweden in Ehren gehalten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.