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Lesung
Legenden und Anekdoten über Schatzsucher

Solingen. Eine ungewöhnliche Lesung bot der Schweizer Schriftsteller Alex Capus den Besuchern im Autohaus Schönauen. Ingo Klaus von der Ohligser Buchhandlung Schatzinsel hatte den Autor nach Solingen geholt. Sein Roman "Reisen im Licht der Sterne. Eine Vermutung" erzählt das Leben von Robert Louis Stevenson, dem Autor des Abenteuerromans "Die Schatzinsel".

Capus' Lesung war schon deshalb ungewöhnlich, da der Autor im Lauf des Abends nicht ein Mal sein Buch zur Hand nahm, um daraus vorzutragen. Stattdessen breitete der Schweizer bedächtig und unterhaltsam Fakten und Anekdoten zu Stevenson aus, dessen Leben sehr gut dokumentiert ist. Stevenson wurde 1850 in Edinburgh in eine Dynastie von Leuchtturmbauern geboren. Er sieht seine Bestimmung jedoch als Schriftsteller und reist 1876 nach Frankreich.

Dort lernt er Fanny Osborne kennen, eine verheiratete Amerikanerin aus San Francisco. Stevenson reist ihr dorthin später nach. Als er in San Francisco angekommen ist, läuft just in diesen Tagen ein Schatzsucherschiff ein. "Stevenson muss das mitbekommen haben", ist sich Capus sicher. Die Schatzsucher wollen zur "Mutter aller Schatzinseln", nach Cocos Island, gelegen vor Costa Rica. Sie vermuten dort den Kirchenschatz von Lima. Die Spanier hatten Anfang des 19. Jahrhunderts das Gold aus ihrem zusammenbrechenden Kolonialreich in Lima in Peru zusammengetragen. Ein Kapitän Thompson sollte den Schatz in Sicherheit bringen, indem er mit ihm westwärts hinter den Horizont segeln und später zurückkehren sollte. Thompson kehrte zwar zurück, aber ohne Schiff und Schatz. Die Mannschaft erklärte unter Folter, den Schatz auf Cocos Island versteckt zu haben. Als Thompson die Spanier zum Schatz führen soll, entkommt er ihnen.

"Von da an ist alles Legende", sagt Capus. Auf die Frage, warum auf Cocos Island nach 200 Jahren Suche niemand etwas gefunden hat, hat Capus erstaunliche Antworten: Könnte es nicht die falsche Insel sein? Müsste der Humboldtstrom Kapitän Thompsons Schiff nicht viel weiter in den Pazifik getragen haben?

Indes heiraten Fanny Osborne und Robert Louis Stevenson. Der Autor schreibt, wohl beeinflusst vom Zusammentreffen mit den Schatzsuchern in San Francisco, seinen Erfolgsroman "Die Schatzinsel". Nach dessen Veröffentlichung wandert Stevenson mit seiner Familie 1890 auf die Pazifikinsel Samoa aus. Vor der Hauptinsel Samoas liegt Tafahi, das die Niederländer "Cocos Eylandt" nannten. Capus war mehrmals auf Samoa, um nach Spuren Stevensons zu suchen. Der kleine Palast des Autors steht heute noch. Er verfügt über einen erstaunlich großen Tresor.

Nach dem Tod Stevensons 1894 zerstreut sich der Clan und lebt erstaunlich gut. 1950 ist nur noch Isobel übrig, die Stieftochter Stevensons, steinalt und schwerreich. "Ich will wirklich nichts gesagt haben...", schließt Alex Capus seine andeutungsreiche Vermutung.

Benjamin Dresen

Quelle: RP
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