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Rundgang
Solingen als Vorbild für chinesische Stadtplaner?

Solingen. Manch ein Passant blickte ein wenig irritiert, als er auf dem Alten Markt die rund 15-köpfige, mit Fotoapparaten ausgestattete, chinesische Delegation erblickte. Sollte sich die Solinger Innenstadt zum internationalen Touristenmagneten gewandelt haben und in Konkurrenz zu Schloss Neuschwanstein oder der Loreley getreten sein? Die Antwort ist einfach: Nein. Und dennoch hielten die Gäste aus Fernost durchaus eifrig Impressionen auf ihren Kameras fest und nahmen Inspirationen mit in die Heimat.

"Solingen ist eine schöne Stadt mit Tradition", lobte Ben-Hong Wu. Er leitete die Abordnung von Stadtentwicklern aus dem Reich der Mitte, genauer gesagt: aus Chengdu. Die Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Sichuan ist vielleicht vielen Europäern auf Anhieb nicht unbedingt ein Begriff - und doch gilt die 16 Millionen-Einwohner-Metropole als bedeutendes wirtschaftliches Zentrum, Verkehrsknotenpunkt und zugleich als eine der Großstädte mit der höchsten Lebensqualität in China.

Die Gäste der "Chengdu Urban and Rural Construction Commission" hatten sich auf ihrer Bildungsreise durch Deutschland, die der chinesisch-deutsche Verein organisiert hatte, bereits unter anderem Köln und das Ruhrgebiet angeschaut. In der Heimat erarbeiten sie Konzepte zur Entwicklung und Modernisierung von kleineren und mittleren Städten. Was denn "mittel" in China bedeute, wollte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter beim Austausch auf dem Alten Markt dann auch gleich wissen. "Das sind für uns Städte mit 300.000 bis 500.000 Einwohnern", erklärte Man-ni Heser-Yang, die als Dolmetscherin für die Gäste auftrat. Denen gefiel an Solingen laut eigener Aussage die Strategie, ältere Bauwerke einer neuen Funktion zuzuführen. Während ihres Rundganges lernten sie den Südpark und die Güterhallen kennen, besichtigten die Musikschule an der Flurstraße und informierten sich im Zuge dessen auch über die Pläne, das übrige Omega-Gelände umzugestalten.

"Wir können aber auch viele Dinge von China lernen", stellte Hartmut Hoferichter klar - und erhielt von Ben-Hong Wu nicht nur die herzliche Einladung zum Gegenbesuch, sondern auch umfangreiches Anschauungsmaterial: Mitgebracht hatte der Leiter der Delegation einen auf deutsch verfassten Investitionsleitfaden der Stadt Chengdu und eine Broschüre über die Stadt Dujiangyan im Verwaltungsgebiet der Metropole, die auch ein UNESCO-Weltkulturerbe zu bieten hat. Dann, nach drei Stunden Aufenthalt, ging es für die chinesischen Stadtentwickler schon wieder weiter: Den Tag ließen sie entspannt auf der Düsseldorfer Königsallee ausklingen.

(rdl)
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