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Ohligser Werbe- Und Interessengemeinschaft
Stromkästen holen die Natur in die Stadt

Ohligser Werbe- Und Interessengemeinschaft: Stromkästen holen die Natur in die Stadt
In Gemeinschaftsarbeit haben Sarah Buczynsky und Sima Kurun in Ohligs diesen Stromkasten gestaltet. FOTO: Kempner
Solingen. Hinter dem eisernen Jugendstilzaun blickt der Passant in einen idyllischen Garten, aus dem ein Kirschbaum emporragt. Motive wie dieses sind seit gestern überall im Herzen von Ohligs zu bewundern.

"Ich habe meinen Schülern erklärt, dass es im Stadtteil noch viele um 1900 erbaute Häuser gibt", sagte Kunstlehrerin Kirsten Schmitz. Das Mitglied der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) unterrichtet am Lise-Meitner-Gymnasium in Leverkusen. 24 Schüler aus ihrem Grundkurs im Abiturjahrgang rückten mit Farbe und Pinsel 14 Stromkästen im Umfeld der Düsseldorfer Straße zu Leibe - stets aufmerksam beobachtet von vielen interessierten Passanten. Aussagen wie "Wenn das so bleibt, ist es natürlich sehr schön" waren dabei immer wieder zu vernehmen.

Hintergrund der Aktion ist der verbreitete Wunsch, das Stadtbild durch künstlerische Gestaltung zu verschönern. Wie auch in anderen Kommunen wurden dabei die grauen, oftmals schmutzigen und mit Schmierereien versehenen Kästen zur Arbeitsfläche. "Vor vier Tagen haben wir die erst einmal gründlich gereinigt", berichtete Schmitz. Am Tag vor der Kunstaktion trug sie mit zwei ehrenamtlichen OWG-Unterstützern die Grundierung auf. Im Unterricht bereiteten sich die Schüler intensiv auf das Projekt vor: Sie befassten sich zunächst theoretisch mit dem Thema "Kunst im öffentlichen Raum", erarbeiteten die Entwürfe für die Stromkästen und malten die Motive im Großformat vor, um ein Gefühl für die Größe der späteren Kunstfläche zu bekommen. In vielen kleinen Gruppen setzten die angehenden Abiturienten das Vorhaben gestern Morgen um. Gemäß dem Motto "Die Natur erobert die Stadt zurück" zeigen die Kunstwerke mit Pflanzen berankte Backsteinwände und Blumenkästen auf Zierbalkonen. Auch ironische Anspielungen auf Ärgernisse der Stadtbewohner durften nicht fehlen: Ein Hund verrichtet auf einem Bild seine Notdurft an einer Hauswand.

Allein arbeiteten Anna Weyer (18) und Alexandra Kamneva (17). Sie nutzen die eigenen Motive für ihre Bewerbungsmappen. Beide streben ein Kunststudium an. Weyer ließ auf einem Verteilerkasten in der Kirchgasse einen tosenden Wasserfall entstehen. "Der Platz an dieser Stelle war dafür sehr gut geeignet", erklärte Schmitz im Hinblick auf ein Landschaftspanorama, das nebenan eine Wand ziert. "Wasser kann man einfach sehr schön malen", sagt Weyer, die ihren künstlerischen Schwerpunkt mehr im Zeichnen sieht. Alexandra Kamneva erschuf derweil am Bremsheyplatz die Villa mit dem Kirchschaum hinter dem Gartenzaun aus zwei verschiedenen Perspektiven.

"Es ist großartig, dass wir die Möglichkeit haben, an so einem Projekt zu arbeiten", schwärmte sie - und war damit nicht allein: Eigentlich sollten die Pinsel während der Mittagspause ruhen. Aber einige der Jugendlichen wollten lieber weiter malen und nahmen ihre Pizza mit an den kurzfristigen Arbeitsplatz.

(ied)
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