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Fernsehen
Tätowiererin beeindruckt Jury

Solingen. Edles Parkett, eine elegante Ledercouch mit Mahagoni-Füßen und ein mit Barockmustern verzierter Wandspiegel - mit dem veralteten Klischee verruchter Hinterhofläden hat das in der ersten Etage gelegene Studio "Tattookunstwerk" an der Hauptstraße 88 rein gar nichts gemein. Bis heute sei Tätowierer kein anerkannter Ausbildungsberuf, erklärt Angelina Mengel, die das Studio gemeinsam mit ihrem Freund Markus Hahn betreibt. Der betont: "Wir wollen zeigen, dass Tätowieren eine echte Kunst ist, die hohes Fachwissen erfordert."

Und das demonstrieren die beiden derzeit eindrucksvoll im Fernsehen: In der Show "Pain & Fame", die jeden Mittwoch vom Privatsender "sixx" ausgestrahlt wird, sucht eine dreiköpfige Jury den besten Tätowierer Deutschlands - und nach drei von sechs Folgen liegen die Solinger sehr aussichtsreich im Rennen und holten sich manch ein dickes Lob der Experten ab. Zu einem bestimmten Thema muss Mengel wie ihre sieben Konkurrenten innerhalb einer vorgegebenen Zeit ein Kunstwerk erschaffen. Markus Hahn begleitet sie dabei als "lebende Leinwand." Dass jedes der neuen Tattoos zum dauerhaften Begleiter wird, habe ihn anfangs schon beschäftigt, gesteht er. "Allerdings ist es uns trotzdem gelungen, im Rahmen des Themas mein Wunschmotiv zu verwirklichen", wiegelt er ab. "Alles, was er auf seinem Bein hat, gehört zu seiner Geschichte", ergänzt Mengel.

Die 30-Jährige hat einen wahrhaft steilen Aufstieg in der Szene hingelegt: Begonnen hatte sie als Nageldesignerin. Auch in dieser Tätigkeit gewann sie bereits Meisterschaften. "Dann habe ich aber eine neue Herausforderung gesucht", verrät die Solingerin. Ein Bekannter habe ihr Basiswissen zum Tätowieren vermittelt. Geübt wird in der Anfangsphase übrigens noch nicht am lebenden Objekt: Neueinsteiger können auf Schweinehaut, Bananen, Orangen oder spezielle, künstliche Arme zurückgreifen. Bei Angelina Mengel ließ das Meisterstück nicht lange auf sich warten: "Ich habe damals im Februar zum ersten Mal geübt und im September schon einen Preis auf einer Convention gewonnen", erinnert sie sich. Das Studio "Tattookunstwerk", das sie vor zweieinhalb Jahren eröffnete, erfreut sich einer riesigen Nachfrage: Bis Juni sind alle Tattoo-Termine ausgebucht. Zu deren Vergabe hatte sich schon Stunden vor der Öffnung eine lange Schlange vor dem Studio gebildet. Folgerichtig ist auch die bald anstehende Erweiterung des Betriebs: Das aktuell sechsköpfige Team, das auch Piercings anbietet, wird bald einige hundert Meter weiterziehen: In einem Ladenlokal an der Hauptstraße 5 stehen dann für das begehrte Handwerk 400 Quadratmeter - und damit mehr als doppelt so viel Fläche wie bisher - zur Verfügung.

"Realistic" bezeichnet Angelina Mengel als ihren maßgeblichen Stil - wie der Name schon sagt, soll das, was die Kunden sich in die Haut stechen lassen, so echt und lebensnah wie möglich aussehen. Neben Porträts kreiert Mengel auch Tiermotive - ihre Hündin, die die Kunden stets mit einem freundlichen Bellen begrüßt, prangt inzwischen auf dem Arm ihres Freundes. Der hebt hervor, dass die Tattoos stets Unikate sind: "Wir haben keinen Katalog", sagt Hahn. Alles entwickele sich aus dem Gespräch mit den Kunden. "Einmal", erzählt Mengel, "kam ein Familienvater und wollte in einem Tattoo ausdrücken, dass er seine beiden Kinder ein Leben lang beschützen wird." Daraufhin fotografierte die Künstlerin seine Hände, die im fertigen Motiv schützend die Silhouette zweier Kinder auf einem langen Weg einfassten.

Über das erste Tattoo auf ihrer eigenen Haut spricht Mengel mit einem Lächeln auf den Lippen: "Das waren damals, im Alter von 16 oder 17 Jahren, drei chinesische Schriftzeichen auf der Wirbelsäule" - ein Klassiker gewissermaßen. "Dasselbe Motiv habe ich gerade bei einem guten Freund entfernt", berichtet Hahn schmunzelnd.

Im Laufe der Zeit wandte sich Mengel anspruchsvolleren Motiven zu. Eines davon schuf Randy Engelhard, der zu den Juroren bei "Pain & Fame" gehört. "Wir haben erst kurz vor dem ersten Dreh erfahren, dass er dabei ist", erzählte Hahn. Bewerben musste man sich für die Show übrigens nicht. "Ich wurde von denen angerufen", berichtet Mengel, die sich auch ohne TV-Präsenz längst einen Namen gemacht hat. Die Perspektive, den Titel als beste Tätowiererin Deutschlands zu gewinnen, sei bei der Teilnahme letztlich nicht unbedingt entscheidend gewesen. "Es gibt so viele großartige Künstler, dass es kaum möglich ist, den Besten zu küren." Vor allem wolle sie sich beim Bewältigen der verschiedenen Herausforderungen selbst übertreffen, sagt Mengel - und betont: "Wir haben bei den Dreharbeiten mit dem Kamerateam einfach unglaublich viel Spaß gehabt." ALEXANDER RIEDEL

Quelle: RP
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