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Solingen
Stadtrat bewilligt 21.000 Euro für ein Taubenhaus

Stadtrat bewilligt 21.000 Euro für ein Taubenhaus
Allein am Graf-Wilhelm-Platz wird die Zahl der dort ansässigen Tauben auf rund 50 geschätzt. FOTO: Knappe Joerg
Solingen. Kann ein Taubenhaus die Taubenplage eindämmen? Zumindest einen Versuch sollte es wert sein, findet der Stadtrat und hat jetzt 10.000 Euro für die Anschaffung und weitere 11.000 Euro für den Unterhalt in den Haushalt aufgenommen. Von Uli Preuss

Das Taubenhaus soll ein Jahr lang betrieben werden. Der Standort ist noch unklar, die bewilligte Summe könnte laut Experten sogar für mehrere Taubenhäuser reichen.

Gerade Stadttauben machen Dreck, fühlen sich im Unrat wohl, verbreiten Krankheiten und vermehren sich schnell. Sie zu verscheuchen, reiche nicht aus, weiß Schädlingsbekämpfer Thomas Nachtigall. Wichtig wäre neben einer Taubenvergrämung das Eindämmen des Vogelnachwuchses.

Als Taubenvergrämung bezeichnet man das Vertreiben der Vögel, ohne ihnen ein Leid zuzufügen. Dazu zählen das Setzen von Drähten oder Netzen an Hausvorsprüngen, um die Tiere aus ihren gewohnten Nist- und Schlafbereichen zu vertreiben. Doch die Tauben suchen sich neue Plätze, und das Problem beginnt an anderer Stelle neu.

Nachtigall findet, dass das Problem unterschätzt wird. "Taubenkot ist ätzend und greift sogar Glasflächen an", sagt der 51-Jährige: "Ihre Nester bauen die Vögel aus Futter und Exkrementen, es gibt keine Brutstätte, die nicht von Zecken und Milben befallen ist." Ungeziefer, das hartnäckig ist. Denn selbst in vermauerten Baulücken findet Nachtigall noch nach 15 Jahren Ungeziefer, das Tauben dort einst hinterlassen haben.

Hilfreich im Kampf gegen die Plage sei durchaus ein schlichtes Taubenhaus, sagt Nachtigall. Eine simple Idee, die gemeinsam mit Aufklärungsarbeit in Großstädten wie Augsburg oder Basel zu Erfolgen geführt hat. Denn Tauben brüten ganzjährig. Bei einer Lebenserwartung von 15 Jahren kommen eine Menge Nachkommen zur Welt. Legen sie ihre Eier im Taubenhaus, werden diese durch Gipsattrappen ersetzt. So wird auf Sicht die Population eingedämmt. Aber Taubenhäuser müssen gewartet werden, und das kostet Geld. Einmal wöchentlich müssen Nachtigall oder seine Kollegen die Eier entfernen, das Innere säubern, Futter einstreuen. Geld, das der Finanzausschuss nach langem Zögern und mit den Anträgen von CDU, FDP, BfS und Bündnis 90/Die Grünen bewilligt hat.

Die Diskussion um ein Taubenhaus gibt es seit fast drei Jahren. Schon 2016 gab es ein Haus in den Clemens-Galerien, das nicht weiterbetrieben wurde. Auch ist es mit dem Austausch der Eier alleine nicht getan. In der Innenstadt wurden an allen bevorzugten Taubenplätzen Metallstifte angebracht.

Wer zudem Tauben aus falsch verstandener Tierliebe füttert, riskiert ein Ordnungsgeld. Nachtigall beobachtet oft vermeintliche Tierfreunde, die Brotkrümel ausstreuen. Die Tauben kommen bei diesem verlockenden Futterangebot in Scharen. Auch deshalb seien die Nistbereiche bald viel zu eng für die Tiere. "Das führt zur Verkrüppelung der Krallen", weiß Nachtigall. Den Anteil der verkrüppelten oder durch falsches Futter krank gemachten Tiere schätzt er auf 80 Prozent des Gesamtaufkommens in der Stadt.

Besonders am Haltepunkt Mitte sind die Tiere eine Plage. Erst sollte hier ein Taubenhaus entstehen. Diese Planung wurde aber zunächst aus Kostengründen verworfen.

Quelle: RP
 
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