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Solingen
Stipendium für junge Dirigentin

Solingen. Corinna Niemeyer hat in der laufenden Saison das Nachwuchs-Stipendium der Orchesterakademie erhalten. Die Feuerprobe am Dirigentenpult hat die 29-Jährige beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit bereits bewältigt. Von Maxine Herder

Corinna Niemeyer ist viel auf Reisen: Ab Januar wird die junge Dirigentin an der Philarmonie in Paris mit einem Kinderorchester arbeiten, im Mai steht eine Tournee nach Japan mit Konzerten mit drei Orchestern an, regelmäßig ist die 29-Jährige in Straßburg, wo sie seit 2010 Dirigentin und Künstlerische Leiterin des Universitäts-Orchesters ist. Jetzt macht Niemeyer für elf Monate Station in der Klingenstadt.

In der laufenden Saison 2015/16 hat sie das begehrte Nachwuchs-Stipendium der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker im Fach Dirigieren erhalten. Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 bietet die Orchesterakademie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Nachwuchs-Musiker zu fördern, diesen bundesweit einzigartigen Ausbildungsplatz für junge Dirigentinnen an.

Für Corinna Niemeyer eine ganz besondere Chance: "Die Gelegenheit, häufiger mit einem Orchester zu arbeiten, gibt es für junge Dirigenten nur selten, auch weil es gerade im symphonischen Bereich nur ganz wenige Assistentenstellen gibt. Und Chef-Dirigent wird man in der Regel ab 40 aufwärts." Ihre Feuerprobe am Dirigentenpult hat die junge Frau, die in der Nähe von Münster geboren wurde, bereits absolviert.

Beim Festakt am 3. Oktober hat sie ein Haydn-Arrangement dirigiert. Bei der Remscheider Kulturnacht hat sie nicht nur dirigiert, sondern auch moderiert. "Sowohl beim Dirigieren als auch beim Moderieren hat man eine besondere Interaktion, die auch immer die Herausforderung darstellt. Das macht mir viel Freude", sagt Niemeyer. Es sei der Blick auf das Gesamte, der sie am Dirigieren interessiere, "außerdem entwickele ich wahnsinnig gerne mit Gruppen neue Sachen."

Der Berufswunsch Dirigentin, er kam ganz plötzlich: "Im Rahmen der Abschlussprüfung meines Schulmusik-Studiums habe ich ein Orchester mit 60 Leuten dirigiert. Das war so umwerfend, dass ich direkt gesagt habe: Das will ich machen." An etlichen Stationen hat die 29-Jährige bereits vielfältige Erfahrungen sammeln können: Sie studierte an der Hochschule der Künste Zürich sowie an den Musikhochschulen Karlsruhe, München und Shanghai Orchesterdirigieren, Violoncello und Schulmusik, arbeitete - bereits im Studium - mit etlichen Orchestern, unter anderem der Hofkapelle Meiningen, dem Konzerttheater Bern, dem Musikkollegium Winterthur oder der Südwestdeutschen Philharmonieee Konstanz, assistiert Francois-Xavier Roth beim SWR-Sinfonie-Orchester Baden-Baden und Freiburg bei verschiedenen Projekten. Jetzt steht für elf Monate das Bergische Land auf dem Programm: Fest steht bereits, dass Corinna Niemeyer ab Januar eine Reihe von Kinderkonzerten dirigieren und moderieren wird. Am 26. Dezember wird sie außerdem eine Ouvertüre im Weihnachtskonzert in Solingen und Remscheid dirigieren.

Diese bundesweit einzige Art der Nachwuchs-Förderung wäre dabei, betont Tilla Clüsserath, Geschäftsführerin der Orchesterakademie, ohne die Unterstützung der Mitglieder, von regionalen Unternehmen und Institutionen nicht möglich. Wie dem Soroptimist International Club Solingen, der die Orchesterakademie bereits seit Jahren finanziell unterstützt, auch in dieser Saison. "Unser Anliegen ist die Frauenförderung und Frauenhilfe. Zudem unterstützen wir gerne junge Leute und sind so zur Orchesterakademie gekommen", erläutert Präsidentin Dr. Beate Battenfeld.

Die Einführung des Stipendiums für Nachwuchsdirigentinnen ist dabei auch ein Verdienst der ehemaligen Generalmusikdirektorin Romely Pfund: "Sie hat noch viel stärker kämpfen müssen und hatte die Idee eines Dirigentinnenstipendiums", erinnert sich Almuth Wiesemann, Vorsitzende der Orchesterakademie.

Quelle: RP
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