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Solingen
Streichquartette mit spannungsreichen Interpretationen

Solingen. Durch die Komödie "Ladykillers" wurde es berühmt, das Menuetto Boccherinis. Doch das Opus, dem es entstammt, wird nur selten aufgeführt. Das Solinger Streichquartett präsentierte nun das vollständige Quintetto des Italieners - und wagte sich an eines der bedeutendsten Streichquintette Schuberts. Mit Erfolg: In der ausverkauften Schmiede boten Heiko Schmitz (Violine), Almuth Wiesemann (Violine), Ursula Rinne (Viola) und Peter Lamprecht (Cello) mit Thomas Grote am zweiten Cello Kammermusik vom Feinsten. Von Cyrill Stoletzky

Es war eine weitere Ausgabe der Klassik in der Schmiede-Reihe, die auch deshalb so erfolgreich ist, weil Musik und Rahmen eine so organische Einheit bilden. Dr. Jan Reichow bettete die Programmpunkte stilvoll ein in die Geschichte ihrer Zeit, zur Pause gab's Wein und Häppchen.

Locker floss es dahin, Boccherinis Quintett E-Dur op. 11 Nr. 5. Das Solinger Streichquartett arbeitete das zwischen den Streichern hin und her huschende Wechselspiel des Amorosos klar heraus, beschenkte sein Publikum mit einem starken Allegro, dessen virtuos hohe Tonlagen vor allem die Celli herausforderte. Das Menuetto war leicht und beschwingt. Mit seinem delikaten, von gedämpften und gezupften Streichersaiten getragenen Sound schmeichelte es sich in die Ohren des Publikums, bevor dieses Werk dann mit einem fließenden Schlussrondo seinen Abschluss fand. Es war eine schöne Darbietung. Satt, sauber, transparent, nicht immer perfekt, aber mit Herzblut intoniert.

Schuberts 1828, zwei Monate vor seinem Tod komponiertes Streichquintett C-Dur op. posth. 163 D 956 war beseelt von der Inspiration eines Komponisten, der die visionäre Energie des romantischen Zeitalters in sich trug - und diese sich ins Symphonische steigernde Kraft klang in allen Sätzen wie ein Leitprogramm durch. Alle Musiker ließen sich tragen von Schuberts Genius, spielten noch klarer, ausdrucksstärker, geschlossener als beim Boccherini und zeigten auch, wie intensiv sich die Spieltechnik bei Schubert revolutionierte. Der erste Satz war sehr dynamisch, gut konturiert in den Wechseln von Celli und Violinen. Das intensive Adagio wurde vom stürmischen Mittelteil perfekt kontrastiert. Auch das Scherzo mit seinen spannungsreich inszenierten Crescendi und Tremoli überzeugte und ließ durch kraftvolle Darbietung kleine Intonationsschwächen in den Hintergrund treten. Wenngleich das gigantische Schlussrondo von wehmütigen Momenten durchzogen war, dominierte die Kraft der Inspiration, der Melodik, der Gestaltung. Als Dankeschön für Riesenapplaus gab´s noch einmal Boccherinis Ohrwurm-Menuett.

Das 1988 gegründete Solinger Streichquartett hat sich durch Konzerte im In- und Ausland und viele CD-Produktionen einen Namen gemacht. "Bei uns darf der Musiker Individualist sein", sagt Peter Lamprecht. "Und die Schmiede ist längst unser Zuhause geworden."

Quelle: RP
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