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Solingen
Superintendentin Werner: Menschen in Not helfen

Solingen. Kanzelabkündigung soll am Sonntag in den Gottesdiensten der evangelischen Gemeinden verlesen werden.

Gegen Schwarz-Weiß-Malerei in der aktuellen Diskussion um geflüchtete Menschen wendet sich Superintendentin Dr. Ilka Werner in ihrer aktuellen Kanzelabkündigung. Die Ankunft der vielen Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, habe eine "komplexe, völlig neue Situation" geschaffen. Die Debatte darüber habe sich seit den Übergriffen der Silvesternacht verschärft.

"Der Ton wird rauer und die Gegensätze verhärten sich", stellt die Theologin in dem Text fest, der am morgigen Sonntag in den Gottesdiensten der evangelischen Gemeinden verlesen werden soll. Auf der einen Seite würden Menschen, die sich auch weiterhin solidarisch zu den hier lebenden Flüchtlingen hielten, Naivität, Problemverleugnung und mangelnder Einsatz für die Würde der Frauen vorgeworfen. Auf der anderen Seite würden Kritiker, die eine Begrenzung des Zuzugs und harte Reaktionen auf die Übergriffe fordern, zu Rassisten gestempelt.

"Beide Seiten verlieren aus dem Blick, um was es eigentlich geht: Menschen in Not zu helfen", mahnt Ilka Werner. Diese Aufgabe sei nur zu lösen "wenn wir ehrlich miteinander umgehen, wenn wir unsere Grenzen benennen, wenn wir unsere Freiheit verteidigen und wenn wir den Mut aufbringen, etwas aufs Spiel zu setzen". Die Bibel fordere: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Guten!".

Wie das umsetzbar ist, solle im gemeinsamen Bemühen aller Seiten, Gewalt und Hass wirksam zu begegnen, herausgefunden werden. "Finden Sie heraus, wie das gehen kann: das Böse mit Gutem überwinden", so die Superintendentin.

Nicht immer, so Werner, müsse um Flüchtlinge zu versorgen, anderen dafür etwas weggenommen werden. Sie nennt das Beispiel eines Solinger Berufskollegs, in der in einer extra eingerichteten Schulklasse junge Flüchtlinge unterrichtet werden. Dieser Unterricht finde zusätzlich zu den bereits bestehenden Klassen statt. Der zuständige Berufsschulpfarrer sei von vielen der neuen Schüler beeindruckt, weil sie unbedingt etwas lernen wollten. Nach der Stunde kämen sie regelmäßig auf ihn zu, um sich bei ihm für den Unterricht persönlich zu bedanken.

Seit November nimmt die leitende Pfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen einmal im Monat in einer Kanzelabkündigung zu einem aktuellen Aspekt der gegenwärtigen Situation um die hohe Zahl zu uns geflüchteter Menschen Stellung. Der vollständige Text ist im Internet unter: www.evangelische-kirche-solingen.de nachlesbar.

(tws)
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