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Solingen
Tafel versorgt Rekordzahl an Bedürftigen

Solingen: Tafel versorgt Rekordzahl an Bedürftigen
Peter Henschel (l.) und Dieter Beckord gehören zu den fast 70 Ehrenamtlern, die für die Solinger Tafel arbeiten und mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass Bedürftige versorgt werden. Der Verein fährt täglich rund 40 Geschäfte an, um Lebensmittel einzusammeln. FOTO: Martin Kempner / Stephan Köhlen (Archiv)
Solingen. Rund 3500 Menschen sind inzwischen auf die Lebensmittel angewiesen, die die Solinger Tafel verteilt. Das sind etwa zehn Prozent mehr als noch 2015. Auch viele Kinder sind darunter. Dabei benötigen die Helfer selbst Unterstützung. Von Martin Oberpriller

Als Peter Henschel und Dieter Beckord gestern Mittag gegen 12.30 Uhr von ihrer Tour zu diversen Supermärkten zurückkehrten, war der weiße Transporter der beiden einmal mehr bis unter das Dach mit Lebensmitteln gefüllt. Kopfsalat, Paprika und jede Menge Bananen - für praktisch alles haben die Helfer eine Verwendung.

Denn trotz weiter gut laufender Konjunktur sowie positiver Nachrichten vom Arbeitsmarkt geht die soziale Schere offensichtlich auch in der Klingenstadt immer weiter auseinander. Inzwischen sind bei der Solinger Tafel, für die Henschel und Beckord ehrenamtlich arbeiten, rund 3500 Menschen registriert. Was im Klartext bedeutet, dass die Zahl der Solinger, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, allein in den zurückliegenden zwölf Monaten noch einmal um etwa zehn Prozent nach oben geschnellt ist. Darauf hat jetzt die Vorsitzende des Tafel-Vereins, Brigitte Funk, im Gespräch mit unserer Redaktion hingewiesen.

"Rund ein Drittel der Betroffenen sind Kinder", sagte Funk auf Nachfrage. Wobei viele der kleinen "Kunden" der Tafel aus Flüchtlingsfamilien stammen - was die Mitarbeiter der Organisation vor besondere Herausforderungen stellt. Immerhin stammen die meisten der Flüchtlingsfamilien aus orientalischen Ländern, in denen ganz andere Essgewohnheiten als hierzulande vorherrschen. "So müssen sich die Leute zum Beispiel erst einmal an die in Deutschland üblichen Brotsorten gewöhnen", berichtete Brigitte Funk aus ihrem Alltag im Tafelladen an der Ernst-Woltmann-Straße am Weyersberg.

Tatsächlich ist dies aber nur eines der Probleme, mit denen sich die Ehrenamtler der Tafel auseinanderzusetzen haben. Zwar ist der Verein, der immer wochentags zwischen 15.15 und 17.30 Uhr die zuvor gesammelten Lebensmittel verteilt, nicht gezwungen, einzelne Bedürftige abzuweisen. Doch seitdem im zurückliegenden Jahr der ohnehin bereits große Andrang spürbar zugenommen hat, dürfen Ein- sowie Zwei-Personen-Haushalte nur noch einmal pro Woche Lebensmittel abholen. Und zudem plagen die Solinger Tafel zunehmend "Nachwuchssorgen".

Brigitte Funk ist beispielsweise seit der Gründung der Einrichtung vor 16 Jahren mit dabei. "Inzwischen bin ich 66 Jahre alt. Und da muss man natürlich sehen, wie lange man die Aufgaben noch wahrnehmen kann", sagte die Vereinsvorsitzende, die überdies darauf hinwies, dass andere Helfer ebenfalls bereits das Rentenalter erreicht haben.

Aus diesem Grund ist die Solinger Tafel stets auf der Suche nach zusätzlichen Mitstreitern, die wie Peter Henschel und Dieter Beckord bereit sind, in ihrer Freizeit Lebensmittel aus den rund 40 helfenden Geschäften im Stadtgebiet abzuholen. Oder die sich vorstellen können, bei der täglichen Ausgabe der Waren im Tafelladen mit anzupacken. Im zurückliegenden Jahr schafften es die Verantwortlichen, den Stamm ihrer Helfer von 60 auf nunmehr beinahe 70 Personen zu erhöhen. Was aber auch notwendig erscheint, sind inzwischen in der Klingenstadt doch insgesamt 1500 Privathaushalte auf die Unterstützung der Tafel angewiesen - Tendenz weiter steigend.

Quelle: RP
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