| 00.00 Uhr

Solingen
"Tag der Begegnung" - ein Fest der Vielfalt

Solingen: "Tag der Begegnung" - ein Fest der Vielfalt
Proppenvoll war es im Walder Stadtsaal beim "Tag der Begegnung", der vom Zuwanderer- und Integrationsrat initiiert und vom Kommunalen Integrationszentrum organisiert wurde. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Hunderte Besucher kamen in den Walder Stadtsaal. 38 Institutionen und Vereine stellten ihre Arbeit vor. Es war aber auch ein Tag der Geschichten und des Zuhörens. Von Maxine Herder

Es war ein großes, buntes, vielfältiges Fest. Schon zum Auftakt des ersten "Tag der Begegnung" waren hunderte Gäste in den Walder Stadtsaal gekommen, informierten sich an den Ständen von insgesamt 38 Initiativen und Institutionen der Flüchtlingshilfe und applaudierten der Trommelgruppe von Fabakary Jobateh, der mit jungen Flüchtlingen für diesen großen Auftritt geübt hatte und - wie auch die folgenden Tanz-, Theater- oder Musikaufführungen - für große Begeisterung sorgte.

Es war aber auch ein Tag der leisen Geschichten, des Austausches, des Nachfragens und Zuhörens, an dem Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten sollten, von ihrer Heimat, der Flucht und ihrem Leben hier zu erzählen. Wie Ferial: Mit den beiden Töchtern Sham und Fatima, sieben und zehn Jahre alt, ist sie vor zweieinhalb Monaten in Solingen angekommen. Hinter ihnen liegt eine dramatische Flucht aus Syrien über das Meer und der Verlust des Ehemanns und Vaters, der vor zwei Jahren in ihrer Heimat umgebracht wurde. Hinter ihnen liegen Aufenthalte in den Turnhallen Schwertstraße und Schützenstraße sowie in der Unterkunft am Monhofer Feld. Das Leben in diesen Unterkünften, sagt Ferial, sei sehr anstrengend, die Menschen sehr nah beieinander, Männer, Frauen und Kinder gemischt. Oft habe sie deshalb in den Umkleidekabinen gesessen, um nur ein kleines bisschen Ruhe zu bekommen.

Und doch will die 45-Jährige nicht klagen: "Uns wird viel geholfen, ich bin hier sehr zufrieden und hoffe, dass es irgendwie weitergeht", übersetzt Nadia Methfessel vom Mobilen Übersetzungsdienst der Stadt, die gemeinsam mit vielen weiteren Ehrenamtlern am "Tag der Begegnung" dafür sorgte, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen miteinander ins Gespräch kommen konnten. Der größte Wunsch von Ferial wäre eine eigene Wohnung für sie und die Töchter.

Ein Wunsch, den auch die schwangere Marwa und ihr Ehemann Mahmoud teilen. Mit zwei Kindern, fünf und drei Jahre alt, leben sie derzeit in einer Turnhalle. Die Situation ist schwierig, doch auch sie wollen nicht klagen: "Wir sind glücklich, dass uns hier geholfen wird", sagt Mahmoud. Und sie freuen sich über den "Tag der Begegnung": "Man trifft hier viele Leute. Ich habe auch den Oberbürgermeister auf unsere Situation angesprochen", erzählt Mahmoud. "Das größte Problem ist, dass die Familie keine Wohnung findet", sagt Maya Wiegand. Seit Anfang September begleitet sie als Ehrenamtlerin der Gemeinde Rupelrath Aufderhöhe Marwa, Mahmoud und ihre Kinder als Patin. Der Tag der Begegnung, sagt sie, sei eine gute Sache, "gerade für Menschen, die noch gar keinen Kontakt zu ihren neuen Nachbarn geknüpft haben - aber auch für die, die sich bereits engagieren".

Auch das sollte der "Tag der Begegnung" sein: Ein Tag für die Helfer, die im Rahmen eines "Marktes der Möglichkeiten" ihre Unterstützungsangebote vorstellen konnten. Kleine Initiativen aus den Stadtteilen präsentierten sich dabei genau so wie Kirchen, Vereine und Jugendeinrichtungen, wie große Verbände und kommunale Stellen. "Es ist toll, dass man hier sehen kann, wie viel für Flüchtlinge gemacht wird, an welchen Stellen man sich engagieren kann", sagte Heike Fröhlich vom Netzwerk "Krahenhöhe hilft". "Der Austausch untereinander funktioniert."

Ein positives Fazit zogen auch Anne Wehkamp, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, und Dominika Raczek vom Stadtdienst Integration, die die Veranstaltung gemeinsam mit Kollegin Aldona Gonzalez-Thimm federführend organisiert hatte. "Ich bin beeindruckt von der Vielfalt des ehrenamtlichen Engagements. Ohne die Ehrenamtler könnten wir im Hauptamt vieles nicht stemmen", so Raczek. Es sei, neben der Vernetzung der Aktiven, auch darum gegangen, Begegnungsanlässe für Solinger und Neu-Solinger zu schaffen, sagte Anne Wehkamp. "Es ist wichtig, die Menschen auf einer Beziehungsebene zu erreichen. Das hat hier gut funktioniert."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: "Tag der Begegnung" - ein Fest der Vielfalt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.