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Mein Verein
Tagesmütter gründen eigenen Verein

Mein Verein: Tagesmütter gründen eigenen Verein
Kerstin Haag (r.) kümmert sich als Tagesmutter um Lotta, Nila und Greta (v.l.). Als ihre eigenen Zwillinge eingeschult wurden, hat die 51-Jährige die Kinderbetreuung für sich entdeckt. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Die "Kindertagespflege Solingen" ist seit ihrer Gründung offizieller Ansprechpartner für Stadt und Tagesmütter. Die Vorsitzende Kerstin Haag arbeitet seit zwölf Jahren als Betreuerin, nachdem sie ihre Freude für diesen Beruf entdeckt hatte. Von Benjamin Dresen

Die Vereinsgründung soll dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Stadt und Tagesmüttern zu ordnen. Zwar gab es seit 2009 die "Interessengemeinschaft Tagesmütter", jedoch fehlte eine zentrale Anlaufstelle für die Stadt. Jugendhilfeausschuss und Jugendamt regten daher an, einen Verein zu gründen, wie die Vorsitzende Kerstin Haag berichtet. Dieser ist nun die Interessenvertretung der Tagesmütter gegenüber dem Stadtdienst Jugend, dem Jugendhilfeausschuss und dem Rat. Die Gremien haben im Gegenzug mit dem Verein als juristischer Person einen verbindlichen Partner für Vereinbarungen.

Der neue Verein setzt sich vor allem für die Arbeitsbedingungen von Tagesmüttern in der öffentlich finanzierten Kindertagespflege ein. Diese besteht neben der Betreuung in Kindertagesstätten als Angebot für Kinder unter drei Jahren. In der Regel findet die Kinderbetreuung zuhause bei den Tagesmüttern statt, selten auch in angemieteten Räumen. Welche Tagesmütter für sie arbeiten, entscheidet die Stadt. Die selbstständigen Tagesmütter erhalten von der Kommune ein Entgelt pro Kind und Stunde. Wie bei der Kita zahlen die Eltern an die Stadt einen Beitrag, der sich nach ihrem Einkommen richtet.

Auch die "alte" Interessengemeinschaft Tagesmütter konnte Erfolge vorweisen: So hob die Stadt den Bruttostundensatz pro Kind von 3,20 Euro auf die landesweit üblichen 4,10 Euro an. Auch die Eingewöhnungszeit eines Kindes am Beginn der Betreuung wird normal entlohnt, was zuvor nicht der Fall war. Zudem gelang es durchzusetzen, dass einer Tagesmutter 25 Tage bezahlter Urlaub im Jahr zustehen. Erreicht wurde außerdem, dass sich das Jugendamt zur Hälfte an Renten- und Krankenversicherungsbeiträgen beteiligt. "Ich möchte, dass soziale Gerechtigkeit besteht und wir ordentlich entlohnt werden", sagt Kerstin Haag. Mit einem höheren Verdienst könnte auch das öffentliche Ansehen des Berufs verbessert werden, glaubt sie.

Bislang ist "Kindertagespflegeperson", so die offizielle Bezeichnung, kein Lehrberuf. Die Qualifikation erwerben die Frauen und Männer bisher in einem 160 Stunden umfassenden Kurs. "Es wäre wünschenswert, wenn es ein richtiger Beruf werden würde", sagt Kerstin Haag.

Sie selbst arbeitet im zwölften Jahr als Tagesmutter. Die 51-Jährige hatte ursprünglich eine andere Laufbahn eingeschlagen. Nach dem Betriebswirtschafts-Studium hat sie Radiowerbung bei Radio RSG verkauft. Als ihre Zwillinge zur Welt kamen, kümmerte sich Kerstin Haag sieben Jahre zu Hause um die beiden. Dabei entdeckte sie die Freude an der Kinderbetreuung und machte sich schließlich selbstständig, als die eigenen Kinder in der Schule waren.

Quelle: RP
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