| 00.00 Uhr

Solingen
Tausende suchen Abkühlung im Freibad

Solingen: Tausende suchen Abkühlung im Freibad
Ob in der Ohligser Heide oder im Ittertal, so wie Denise Winter hier - die Freibäder bieten sogar die doppelte Abkühlung: nach dem erfrischenden Duschen den Sprung ins Schwimmbecken. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Während sich die Freibäder über tausende Besucher freuen konnten, verzeichnete die Notaufnahme des Städtischen Klinikums einen deutlich erhöhten Zulauf. Auch der Rettungsdienst der Feuerwehr musste etliche Male ausrücken. Von Maxine Herder

Abtauchen ins kühle Nass statt schwitzen in der glühenden Sonne: Am bisher heißesten Tag des Jahres mit Temperaturen von rund 37 Grad am Samstag konnten beide Freibäder in der Klingenstadt hohe Besucherzahlen verzeichnen. Mehr als 2300 Gäste kamen alleine am Samstag ins Ittertal, an normalen Sommertagen sind es 1200 bis 1500. Vor der Erfrischung stand dabei das Warten: rund eine halbe Stunde mussten die Besucher an der Kasse anstehen. Rekordverdächtig, sagt ein Schwimmmeister, der am Samstag mit vier Kollegen für die Sicherheit der Besucher sorgte, sei auch die Wassertemperatur gewesen: Sie lag am Samstagnachmittag bei 28,3 Grad.

( Eine willkommene Erfrischung für die neunjährigen Zwillinge Marvin (r.) und Marc ist der sprudelnde Brunnen auf dem Mühlenplatz der Clemens-Galerien. FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)

Gestern Nachmittag hatte sich das Wasser schon wieder auf 27,3 Grad abgekühlt, bei schwülen 30 Grad und Gewittern in der Wettervorhersage tummelten sich dennoch etliche Badegäste in den Becken. Wie Thomas Liebl: Der Solinger kommt regelmäßig ins Ittertal - und eigentlich, sagt er, gibt es bei solchen Temperaturen auch nichts besseres. "Seen haben natürlich auch was, aber die in der Umgebung sind meist überlaufen. Deshalb kommen wir eigentlich immer hier hin."

Zur gleichen Zeit ist auch wenige Kilometer weiter das Ohligser Heidebad gut besucht. Rund 350 Besucher sind trotz des instabilen Wetters ins Heidebad gekommen. Am Vortag, berichtet Schwimmmeister Stefan Pill, waren es zehn Mal so viele, nämlich 3500. "Die Leute standen maximal 30 Minuten in der Warteschlange, wir haben versucht, das zu beschleunigen und die Besucher schneller rein zu kriegen", sagt er. Insgesamt sechs Schwimmmeister waren hier im Einsatz.

FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)

Nicht nur für sie, auch für die Feuerwehr bedeuteten die Rekordtemperaturen jede Menge Arbeit. "Es ist momentan sehr viel zu tun", sagt Oliver Wilkes vom Lagedienst der Feuerwehr-Leitstelle. Zwar steige auch die Waldbrandgefahr, diesbezüglich habe es jedoch keine Einsätze gegeben. Stattdessen habe der Rettungsdienst etliche Male ausrücken müssen. "Temperaturen von 37 oder 38 Grad sind für den typischen bergischen Bürger eher ungewohnt. Wir hatten am Samstag und Sonntag mehrere Einsätze des Rettungsdienstes wegen Kreislaufproblemen", so Wilkes. Oftmals sacke der Kreislauf beispielsweise aufgrund der Temperaturen ab, in anderen Fällen hätten Menschen nicht genug getrunken.

Auch in der Notaufnahme des Städtischen Klinikums verzeichnete der ärztliche Leiter Dr. Patric Tralls einen deutlich erhöhten Zulauf. "Sonst sind es an einem Wochenend-Tag etwa 100 Patienten, jetzt 120 bis 130." Vor allem ältere Menschen seien mit Austrocknungserscheinungen eingeliefert und stationär aufgenommen worden, hinzu kämen mehrere Hitzschlagopfer sowie etliche Insektenstiche. Das erwartete Chaos, betont er, sei jedoch ausgeblieben.

Dies sagt auch Cerstin Tschirner, Sprecherin der St. Lukas Klinik. Fünf Hitzeopfer, vorwiegend ältere Menschen, die zum Teil dehydriert in ihren Wohnungen gefunden worden seien, seien eingeliefert und aufgenommen worden. Auch Hitzestau im Auto sei ein Problem gewesen. "Grundsätzlich ist es jedoch ruhiger gewesen, als erwartet. Wir werten dies so, dass die Leute sich aufgrund des Wetters zurückgehalten haben", so Tschirner.

Zumindest die Ozon-Werte hatten sich am Wochenende gebessert: Nachdem am Freitagnachmittag der Ozon-Alarmwert von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter an der Messstation in Wald erreicht worden war, lag der Höchstwert am Wochenende bei 209 Mikrogramm am Sonntagmittag.

"Für uns war es ein ganz normales Wochenende", heißt es indes von der Polizei. "Eigentlich war es sogar relativ ruhig, viele Menschen haben sich aufgrund der Temperaturen wahrscheinlich nicht rausgetraut", so ein Mitarbeiter der Leitstelle gestern Nachmittag. Und auch bei der Bahn gab es keine besonderen Vorkommnisse. "Uns sind keine hitzebedingten Störungen bekannt", sagte ein Bahnsprecher am Samstagnachmittag. Gleichwohl war der Hauptbahnhof am Samstagnachmittag zeitweise komplett gesperrt. Berichten zufolge hatte die Lok eines einfahrenden Regionalzuges rund 150 Liter Transformatoren-Öl verloren. Die Feuerwehr war im Einsatz, um das Öl aufzunehmen. Sicherheitshalber wurde der Bahnverkehr ab 14 Uhr gestoppt. Um 14.45 Uhr konnten erste Züge wieder fahren; der Hauptbahnhof in Ohligs wurde jedoch erst nach 16 Uhr wieder vollständig freigegeben.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Tausende suchen Abkühlung im Freibad


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.