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Solingen
Thomas Beckmann spielt nicht nur Cello

Solingen: Thomas Beckmann spielt nicht nur Cello
Bewegendes Solo-Konzert: Thomas Beckmann will die Herzen der Menschen mit dem Cello für die Not der Ärmsten erweichen. FOTO: Jürgen Moll (Archiv)
Solingen. Ein munteres und bewegendes Konzert für die Obdachlosenhilfe gab es in St. Joseph Ohligs. Von Jan Crummenerl

Adventzeit ist die Zeit der Weihnachtsmärkte. Und so strömen wieder zig Tausende auf den Düsseldorfer Weihnachtsmarkt, wärmen sich dort mit Glühwein und stärken sich mit Würstchen. Nicht weit davon entfernt erfrieren zwei Obdachlose in der Altstadt. Das war 1993. Das war auch zu viel für den aus der Landeshauptstadt stammenden Cellisten Thomas Beckmann. Aus einer spontanen Hilfsaktion wurde 1996 der Verein "Gemeinsam gegen Kälte", der Obdachlose und Hilfsbedürftige unterstützt.

Und nun ist der 58-jährige Solist wieder mit rund 60 Konzerten in Deutschland unterwegs, um für den Verein Spenden zu sammeln. "Die Herzen der Menschen mit dem Cello für die Not der Ärmsten erweichen. Die Musik ist eine unbezwingbare Macht des Guten", so Thomas Beckmann.

Am Sonntag gab er ein bewegendes Solo-Konzert in St. Joseph in Ohligs. "Wir hören heute so viel von Flüchtlingen. Das ist auch gut so", sagte Stadtdechant Bernhard Dobelke zur Begrüßung. "Aber wir dürfen auch die nicht vergessen, die hier vor Ort Not leiden." Der besonders engagierten Projektgruppe in Solingen dankte Beckmann ebenso wie der Landesregierung, die die Arbeit des Vereins von Beginn an gefördert hat. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist Schirmherrin. Und so war auch ihre Stellvertreterin Sylvia Löhrmann Zuhörerin des über 90 Minuten langen Solo-Konzerts.

Schon die Erscheinung des sympathischen Virtuosen, den der große Pierre Fournier seinen Lieblingsschüler nannte, sagt vieles. Der schwarze Frack steht für das Gediegene und Vortreffliche seiner Kunst. Gelbe Weste und rote Fliege sind bunter Kontrast, mögen für den Bezug zum echten Leben stehen. So war Beckmann nicht nur wieder als Virtuose auf dem Podium, sondern auch als eigener Moderator, der sehr informativ, sehr charmant und auch witzig das Programm erläuterte.

So konnte man etwa erfahren, dass Charlie Chaplin nicht nur Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor war, sondern auch die Musiken zu seinen Filmen selber "schrieb". "Chaplin spielte sehr gut Cello", erklärte Beckmann. "Aber er konnte keine Noten lesen und schreiben." So spielte er einfach seinen Arrangeuren auf dem Cello vor, was ihm eingefallen war, und sie notierten das.

Die von Beckmann sehr bewegend gestaltete Musik zum Film "Limelight" erklang. Das Konzert "Beckmann spielt Cello" wurde aber mit einem anderen Klassiker eröffnet: "Der Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens. Mit weitem Bogen konnte der Solist hier die schwebende Melodie aussingen und in das Kirchenschiff senden. Ausdrücklich lobte der Cellist dabei die gute Akustik von St. Joseph. Das konnte er auch besonders im ersten Konzertteil in Szene setzen, in dem Barockmusik im Zentrum stand. In der viersätzigen Sonate Nr. 5 von Vivaldi wechselten munter genommene und fein tragende Sätze einander ab. Beckmann erwies sich hier als ein Meister des dezenten Rubato und präsentierte eine spannende Terrassendynamik. Das steigerte sich noch in den so ganz unterschiedlich gestalteten fünf Sätzen der Pièces en concert von Francois Couperin. Von der nuancenreichen Dramatik des Prelude bis zum tänzerischen Wirbel des Air de diable.

Mit der nötigen Portion Wiener Schmäh gab Beckmann zwei Werke von Fritz Kreisler zum Besten. Kunstgerecht durch die Lagen des Cellos getragen, erklang das bekannte "Liebesleid" ganz im Stil der alten Zeit - inklusive einem neckisch verspielten Abschluss. Anschließend ließ der Solist "Schön Rosmarin" witzig auf den Saiten tanzen. Den munteren und virtuos wirbelnden Kehraus machte der Cellist mit einen Rondo von Boccherini.

Ohne Zugaben - darunter auch ein wundervoller Satz aus der 3. Cello-Sonate von Bach - entließ das Publikum in St. Joseph den Künstler, der sich so für den guten Zweck engagiert, nicht.

Quelle: RP
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