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Solingen
Tickende Unikate aus der Klingenstadt

Solingen. René Kriegbaum entwarf eine Armbanduhr "im Luxuspreisbereich", die Kunden nach eigenen Wünschen gestalten lassen. Von Fred Lothar Melchior

A. Lange & Söhne, Czapek, IWC Schaffhausen, Junkers, Montblanc, Nomos, Panerai, René Kriegbaum... Kriegbaum? Wenn das Hotel Bayerischer Hof vom 27. bis 29. Oktober "die Welt der feinen Uhren" präsentiert, ist auch ein Solinger Aussteller dabei. In München zeigt René Kriegbaum seine exklusiven mechanischen Uhren "von einem Uhrenbegeisterten für Sammler gemacht, denen nicht der Name wichtig ist, sondern die Uhr und die traditionelle Handarbeit".

"Eigentlich ging es zuerst darum, eine Uhr für mich selbst zu gestalten", sagt der 59-Jährige, der als Biologisch-Technischer Assistent bei Bayer arbeitet. Dafür saß er viele Stunden lang am Computer und entwarf ein Gehäuse, das der Armbanduhr ein unverwechselbares Gesicht gibt. "Der Gehäusebauer meinte, es sei das komplizierteste, das er je gefertigt hat", erinnert sich Kriegbaum. Bei der Form ließ er sich von einem alten Hygrometer inspirieren; die Krone setzte er seiner Schöpfung durch "Designübertragung" vom Rad einer historischen Handrechenmaschine auf.

Das Ergebnis: eine Uhr, "die polarisiert", die sich aber beispielsweise wunderbar am Arm von Oldtimerfreunden macht. Nicht umsonst hat René Kriegbaum sie auch bei der Techno-Classica in Essen ausgestellt. Und so unterschiedlich, wie etwa ein Jaguar Mark VII aussehen kann, lässt sich auch Kriegbaums Uhr an die Wünsche ihres Besitzers anpassen. Rund 80 Kombinationen von unterschiedlich behandelten Gehäusen, Zifferblättern, Zeigern und Bändern sind möglich. Etwa vier Monate dauert es, bis eine Uhr fertig ist. Der Grundpreis (poliertes Edelstahl-Gehäuse, Lederband und Dornschließe) liegt bei 8780 Euro.

Allen Uhren gemein ist der Valjoux Schaltradchronograph, dessen Arbeit man durch den gläsernen Boden der Armbanduhr betrachten kann. Kriegbaum hat sich ungebrauchte Werke der Typen Valjoux 72 und 724 gesichert, die er in Süddeutschland zerlegen und verfeinern ließ. Das Uhrwerk wurde von 1938 bis 1974 gefertigt und unter anderem von Breitling sowie Patek Philippe verwendet. "Es zählt zur Spitzenklasse", betont René Kriegbaum. "Und es gab schon diverse Interessenten, die gerne die Werke gekauft hätten."

"Mich fasziniert diese winzige komplizierte Technik", kommentiert der Solinger, dem man die Freude an seiner Kreation ansieht. "Es hat mich aber viel Kraft, Zeit und Nerven gekostet." Rund sieben Jahre hat es gedauert, bis ein Rädchen ins andere griff und Kriegbaum seine Uhr anbieten konnte. Als Ein-Mann-Unternehmen fällt ihm die Vermarktung nicht leicht, obwohl in Fachmagazinen über seine feinen mechanischen Uhren berichtet wurde. "Es ist kein einfaches Geschäft, obwohl ich ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis biete", sagt der 59-Jährige. Zum Glück legten die Käufer seiner Uhren aber mehr Wert auf das Außergewöhnliche als auf einen bekannten Namen: "Sie waren an der Geschichte der Entstehung interessiert."

Die Geschichte geht weiter: Neu im Angebot ist beispielsweise ein mit Handgravuren versehenes Zifferblatt aus Sterlingsilber. "Alles wird extra nur für dieses eine Uhrenmodell hergestellt", unterstreicht Kriegbaum. Noch ist es nicht mehr als ein Kleingewerbe, im wahrsten Sinne des Wortes - ein Nebenerwerb neben dem Hauptberuf. Eigene Geschäftsräume hat René Kriegbaum nicht. Zuhause hebt er auch keine seiner Luxusuhren auf. Aber eines Tages, der Traum lebt weiter, wird er sich selbst eine Kriegbaum-Uhr leisten.

Informationen in Internet: www.renekriegbaum.de

Quelle: RP
 
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