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Solingen
Tiere gehören für sie nicht in Käfige

Solingen: Tiere gehören für sie nicht in Käfige
Die 30-jährige Christina Farke ist die neue Leiterin im Tierpark Fauna. FOTO: Martin kempner
Solingen. Die Biologin Christina Farke hat die Nachfolge der langjährigen Fauna-Tierpark-Leiterin Lore Köhler angetreten. Von Maxine Herder

Mit den Schildkröten fing alles an -wie so oft im Leben von Christina Farke: Über die gepanzerten Tiere, die sie bereits ihr ganzes Leben begleiten, kam sie in Kontakt zur Gräfrather Fauna und war zur Stelle, als der Tierpark eine Nachfolgerin für die langjährige Leiterin Lore Köhler suchte. Gestern hat die Biologin als neue Leiterin des Bereichs Tierpflege und der Tierparkschule ihren ersten Arbeitstag zwischen Lamas, Erdmännchen, Ziegen und natürlich Schildkröten absolviert.

"Ich finde, dass die Fauna ein kleiner, knuffiger Park ist, der gerade für die jüngeren Besucher, die noch nicht so lange Wege laufen können, attraktiv ist. Die Fauna ist klein, aber fein", sagt die 30-Jährige.

Sie ist mit Tieren aufgewachsen, "mit Sittichen, Hühnern, Enten oder Meerschweinchen", mit unzähligen felligen und gefiederten Mitbewohnern, mit Fundtieren, die von ihr aufgepäppelt wurden, vor allem aber mit den Schildkröten: Seit mehr als 100 Jahren hält ihre Familie Landschildkröten, die Allererste brachte ihr Urgroßvater aus dem Ersten Weltkrieg mit. "Die Faszination ist einfach von Generation zu Generation weitergegeben worden", sagt Farke.

Auch an sie: Nach der Ausbildung zur Zootierpflegerin im Dortmunder Zoo studiert sie Biologie in Bochum, in ihrer Abschlussarbeit untersucht sie Panzeranomalien bei Europäischen Landschildkröten. Zuhause betreibt sie eine Pflegestelle für Schildkröten, in der derzeit mehrere hundert Tiere leben. "Das ist schon ein bisschen mein Steckenpferd", sagt die junge Frau und schmunzelt.

Dennoch: An ihrer neuen Wirkungsstätte hat Christina Farke den Blick auf das Ganze, auf die ganze Fauna, auf all ihre tierischen Bewohner und auf die Zukunft des mehr als 80 Jahre alten Tierparks. "Nach dem Studium habe ich zwei Tierheime geleitet, jedoch schnell gemerkt, dass ich zurück zur Arbeit im Zoo möchte. Das war immer mein Ziel." Gemeinsam mit Wolfgang Ackermann, Vorsitzender des Trägervereins der Fauna und Betriebsleiter, hat sie bereits erste Pläne für die kommenden Monate erarbeitet. So soll die Tierparkschule, in der bisher Lore Köhler Schulklassen spezielle Führungen und Lerninhalte geboten hat, neu strukturiert werden. "Wir wollen aktiver auf Schulen zugehen und die Zielgruppe erweitern, so dass es Angebote für Kindergartenkinder genauso wie für Senioren gibt", erläutert Ackermann. Geplant sind auch Themenveranstaltungen zur artgerechten Haltung von Heimtieren, Bastelnachmittage für Kinder oder Informationsveranstaltungen zu heimischen Tierarten.

"Zu den Aufgaben eines Tierparks gehört es eben nicht nur, Tiere auszustellen, sondern auch artgeschützte Tiere zu vermehren, Wissen zu vermitteln, Menschen für Tiere zu begeistern und sie zu sensibilisieren", erklärt Farke.

Für das Frühjahr geplant ist außerdem eine Schildkrötenvermittlungsaktion, nachdem sich die Bestände im Tierpark vor allem durch ausgesetzte Tiere drastisch vergrößert haben. "Wir werden schauen, dass wir passende Leute für die Tiere finden. Wer Interesse hat, kann sich schon jetzt melden und wird dann vorgemerkt", sagt Christina Farke.

Sie stehe, sagt sie, vor einer umfangreichen Aufgabe. Und vor grundlegenden Fragen: "Wir überlegen jetzt natürlich, welche Tiere langfristig gehalten werden sollen und auch nicht mehr gehalten werden können, welche Gehege noch zeitgemäß sind und wo neu gebaut werden müsste. Es geht heute weg von der Käfighaltung und hin zu einer naturnahen Haltung."

Sie stehen, ergänzt Manfred Ackermann, nun an einer Weichenstellung: "Die Ansprüche an die Tierhaltung - und auch unsere Vorstellungen von Tierhaltung - haben sich mit den Jahren geändert. Es ist unsere Aufgabe, die Fauna jetzt in die Zukunft zu bringen."

Quelle: RP
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