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Solingen
Über den Dächern von Wuppertal

Solingen: Über den Dächern von Wuppertal
Ein imposanter Fernblick bietet sich in Wuppertal-Barmen: Das "Kuhler Viadukt" ist die höchste (35 Meter) und längste (280 Meter) der vier Brücken entlang der Nordbahntrasse. FOTO: Radtke
Solingen. Nach dem Lückenschluss auf der Nordbahntrasse ist zwischen Solingen und Wuppertal eine attraktive Tour für Jedermann entstanden. Ohne nennenswerte Steigungen ist sie in beide Richtungen gut zu bewältigen. Von Guido Radtke

Die Kreuzung am Schlagbaum ist eine der größten in Solingen. Alles, was von der Autobahn 46 aus Haan-Ost oder von der L 74 aus Kohlfurth kommend in Richtung Innenstadt will oder die westlichen Stadtteile über die Viehbachtalstraße ansteuert, muss diesen stark frequentierten Bereich passieren. Von dem Verkehrstrubel bekommen Fahrradfahrer nichts mit, wenn sie auf der Korkenziehertrasse gen Norden unterwegs sind. Unterirdisch wird der Schlagbaum in einem Tunnel passiert und anschließend der Frankfurter Damm erreicht.

Auf den ersten Kilometern der mit Finanzmitteln der Regionale 2006 zum Rad- und Fußweg umgebauten Korkenziehertrasse herrscht in der Regel der meiste Betrieb. In großer Anzahl begegnen sich Jogger, Skater, Spaziergänger und Radfahrer zwischen dem Startpunkt unweit der Bahnhaltepunkte Solingen-Mitte und -Grünewald im Südpark sowie dem Botanischen Garten. Dabei folgt der schönste Abschnitt auf der seit 1995 komplett stillgelegten Bahnstrecke, die einst den Hauptbahnhof der Klingenstadt mit Wuppertal-Vohwinkel in einem Doppel-S verbunden hat, erst noch. Auf dem Teilstück zwischen Walder Bahnhof und dem Deutschen Klingenmuseum bietet sich Höhe der Siedlung Fuhr ein schöner Ausblick über das Ittertal.

Ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Wuppertal lohnt in Gräfrath. Nur wenige Meter von der Trasse entfernt befindet sich der historische Marktplatz mit seinen typischen bergischen Schieferhäusern und einer Vielzahl von Restaurants und Cafés sowie dem Klingenmuseum im ehemaligen Augustiner-Kloster - zu erreichen über den Zuweg am etwas verfallenen Bahnhofsgebäude.

Bis zum Prellbock, der an der Solinger Stadtgrenze das Ende der Korkenziehertrasse markiert, sind es von hier aus noch knapp zwei Kilometer. Provisorisch werden Radfahrer vom Westring weiter gelotst auf den Verbindungsweg, der einen nahezu autofreien Anschluss an die Nordbahntrasse garantiert. Die vielen laminierten Papierschilder in A3-Format sollen noch in diesem Sommer durch die üblichen roten Wegweiser ersetzt werden. Seit der Fertigstellung des asphaltierten Radweges parallel zur Bahnstrecke auf Vohwinkeler Gebiet führen nur noch wenige Meter über die Bundesstraße B 228. Die Anbindung zur Homannstraße erfolgt hinter dem Schwebebahnhof und weiter über den Akzenta-Parkplatz sowie die Park & Ride-Anlage des Vohwinkeler Bahnhofes. Nach etwa 15 zurückgelegten Kilometern lässt sich die Tour an dieser Stelle auch gut zweiteilen.

Jede alte Bahntrasse hat ihren eigenen Charme. Nach der eher beschaulichen Tour auf der schmal angelegten Korkenziehertrasse vermittelt die ehemalige Rheinische Strecke das Gefühl, das hier immer noch ein Zug vorbeikommen kann, obwohl der Betrieb 1999 eingestellt worden war. Die Bahnsteige und die Tafeln der alten Haltepunkte sind erhalten geblieben und zu Rastplätzen umfunktioniert worden. In Ottenbruch, Mirke und Loh hat sich in den Bahnhofsgebäuden Gastronomie angesiedelt.

Die Fahrt von West nach Ost quer durch das Wuppertaler Stadtgebiet ist eine entspannte, weil sie kreuzungsfrei und vollkommen flach verläuft. Zugleich erfordert sie aber auch Konzentration, weil die Wuppertaler die Nordbahntrasse zu ihrem Naherholungsgebiet Nummer Eins erkoren haben. In den frühen Abendstunden und an den Wochenenden herrscht ab Brill Hochbetrieb auf der alten Bahnstrecke, weswegen Radfahrer zwangsläufig ihr Tempo drosseln und in den Slalom-Modus wechseln müssen, um in der Masse mitzuschwimmen.

Im Juni 2010 war unter Regie der Wuppertalbewegung ein erstes 1,6 Kilometer langes Teilstück eröffnet worden, seit Dezember vorigen Jahres ist die Nordbahntrasse durchgängig befahrbar. Mit dem Lückenschluss ist die Strecke neben den sieben Tunnelabschnitten um einige Höhepunkte reicher geworden. Über den Dächern von Wuppertal lohnt ein Stopp auf einem der vier Viadukte - imposante Blicke auf die Stadt garantiert.

Das Gelände rund um den ehemaligen Rangierbahnhof Wichlinghausen hat sich zum Treffpunkt für Jugendliche und Familien entwickelt. Von hier aus geht es über die Langobardenstraße bergab nach Oberbarmen, wo direkter Anschluss nach Solingen mit der S-Bahn "S 7" oder dem Regionalexpress "RE 7" besteht. Wer aber noch nicht genug hat, radelt weiter bis zum 772 Meter langen Tunnel Schee.

Quelle: RP
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