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Wandern auf dem Klingenpfad
Unbekannte Ecken entdecken

Klingenpfad rund um Solingen
Klingenpfad rund um Solingen FOTO: Radtke, Guido (gra)
Solingen. Das umkreiste weiße "S" auf schwarzem Grund ist das Symbol des 76 Kilometer langen Klingenpfades rund um Solingen. Der Weg führt nicht immer dort entlang, wie der Wanderer es vermutet.

Wer als Kind Schnitzeljagden geliebt hat, wird sich auf dem Klingenpfad wohlfühlen. Auf den rund 76 Kilometern rund um Solingen wird das weiße "S" als Symbol des Wanderweges zwar nie in die Irre führen, dafür aber des Öfteren eine Richtung weisen, die der Ortskundige niemals einschlagen würde. Es geht so gut wie nie auf direktem Weg von A nach B - vielmehr locken vermeintliche Umwege, die vielerorten ungewöhnliche Blicke auf die Klingenstadt preisgeben.

60 Kilometer war der Klingenpfad anfangs lang, als er in den 1930er-Jahren errichtet wurde. Seine heutige Länge hat er erst erlangt, als die Gemeinde Burg im Jahr 1975 eingemeindet wurde und eine 15 Kilometer lange Erweiterung um den Stadtteil herum ergänzt wurde. So ist hier zwischen Oberburg und Höhrath eine der schönsten Etappen entstanden, obwohl Schloss Burg als Attraktion des Bergischen Landes gar nicht angesteuert wird. Der Wanderweg macht sowohl einen großen Bogen um den kleinen Ortskern als auch die Sehenswürdigkeit, die jedoch immer wieder aus ungewohnten Perspektiven ins Auge fällt. Landschaftlich besonders reizvoll ist auch das Teilstück zuvor mit Start in Kohlfurth, bei dem sich immer neue Ausblicke auf die Müngstener Brücke eröffnen.

Es ist kaum möglich, den weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Rundwanderweg an einem Tag zu bewältigen. Zumindest nicht im gemütlichen Spaziergänger-Tempo. Einmal im Jahr machen sich Ultraläufer beim Klingenpfadlauf in aller Herrgottsfrühe am Gräfrather Marktplatz auf, um mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von sechs bis sieben Kilometern pro Stunde nach rund zwölf Stunden dorthin wieder zurückzukehren - einige Verschnaufpausen inklusive. Der Großteil der Teilnehmer beschränkt sich jedoch darauf, nur einzelne Etappen der anspruchsvollen, aber attraktiven und abwechslungsreichen Gesamtstrecke zu absolvieren. Von den körperlichen Anstrengungen lenkt ab, dass es überall unbekannte Ecken zu entdecken gibt.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah ? Aus diesem Grund gibt es viele Solinger, die ihren Wanderurlaub auf den Klingenpfad verlegen und ihn in mehreren Etappen erkunden. In sämtlichen Reiseführern oder Broschüren wird eine Unterteilung in neun Abschnitte empfohlen, die vom Gräfrather Marktplatz aus im Uhrzeigersinn zu absolvieren sind. Genauso gut ist Solingen auch in der umgekehrten Richtung mit jedem anderen beliebigen Start- und Zielpunkt zu wählen.

Ein touristischer Magnet ist der Klingenpfad nicht. Wer hier wandert, wird auf den oftmals entlegenen Wegen höchstens bei schönem Wetter an Wochenenden oder Feiertagen eine größere Anzahl Gleichgesinnter treffen. Natur pur lautet das Prinzip auf den vom Charakter her ganz unterschiedlichen Etappen durch die Wupperberge, entlang von Bachläufen, vorbei an alten Kotten oder durch Hofschaften hindurch - von und bis Gräfrath über Burg, Höhrath, Glüder, Widdert, Aufderhöhe und die Ohligser Heide.

Wohl dem, der auf dem Klingenpfad reichlich flüssigen Proviant mit sich führt. Einmal die Solinger Zivilisation verlassen, sucht der Wanderer vor dem Erreichen des nächsten Etappenziels eine Einkehrmöglichkeit meist vergebens. Die zum Teil steilen Anstiege sind nicht zu unterschätzen.

Quelle: RP
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