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Solingen
Ungewohnte Klangwelten beim Orgelkonzert

Solingen. Es waren selten zu hörende Klangwelten, die der Leipziger Kirchenmusikdirektor Stephan Paul Audersch auf der Orgel der Lutherkirche zu Gehör brachte. Die Einführung durch den Kantor der Lutherkirche und Bruder des Konzertorganisten, Ludwig Audersch, war ein sinnvolles Mittel, den Zuhörern den Weg in diese ungewohnte Musik zu erleichtern. Die Zuhörer folgten zunächst den Erläuterungen und dann der Musik selber mit großer Aufmerksamkeit und Ergriffenheit.

In den Mittelpunkt hatte Stephan Audersch die erste der drei Orgelsonaten von Paul Hindemith aus dem Jahr 1937 gestellt. Es ist die umfangreichste und schwierigste, für Interpret und Zuhörer. Wer sich auf Hindemiths Tonsprache einließ, erlebte ein breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten auf der Orgel in großen Dimensionen. Wenn auf viele dissonante Passagen dann unerwartet immer wieder glasklare harmonische Akkorde aufblitzen, so hatten die eine Wirkung, wie man sie im Rahmen der älteren klassischen Musik nicht erlebt. Sie waren wie die großen tonalen Stützpfeiler in Hindemiths großartigem Gebäude, das hochvirtuose Teile neben ruhigen, meditativen enthielt.

Auch bei Jean Langlais durfte man sich nicht von ungewohnten Harmonien schrecken lassen. In den von Audersch ausgewählten drei Werken kam gemeinsam der Bezug zur Liturgie zum Tragen. Während sich das erste auf einfache alte Tonscalen bezog, war das "Kyrie" ähnlich einer improvisierten Fantasie, wie sie in Frankreich so hoch geschätzt werden. Dazwischen hatte Audersch Werke von Johann Sebastian Bach gestellt - zwei Choralvorspiele sowie vier Stücke aus der Kunst der Fuge. Waren die Kontrapunkte noch gut zu verstehen, so erklang mit dem Kanon 1 ein Stück, das durch seine konsequente Polyphonie auf die Werke des 20. Jahrhunderts zu weisen schien.

Dieses Programm war anspruchsvoll für alle Beteiligen, Interpret und Zuhörer. Audersch wurde diesen Anforderungen souverän gerecht, die Zuhörer gingen diesen rauhen Weg aufmerksam mit, und das Instrument, die Orgel der Lutherkirche, war in der Lage, alte und neuere Musik klangschön und abwechslungsreich wiederzugeben.

(hpa)
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