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Solingen
Unterburg: Stillstand und Aufbruch

Die Bauarbeiten in Unterburg laufen weiter
Die Bauarbeiten in Unterburg laufen weiter FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der kleinste Solinger Stadtteil verändert sein Aussehen. Seit vergangener Woche laufen in Unterburg die Bauarbeiten für einen verbesserten Hochwasserschutz wieder auf Hochtouren. Von Martin Oberpriller

Bis zum Jahr 2019 soll der Eschbach so gebändigt werden, dass vollgelaufene Keller beziehungsweise überflutete Straßen im Ort dann der Vergangenheit angehören.

Und auch an anderen Stellen in Unterburg haben momentan die Bauarbeiter das Sagen. Beispielsweise wird sich ein altes Hotel in unmittelbarer Nähe zur Wupperbrücke noch in diesem Jahr in ein modernisiertes Domizil mit Mietwohnungen sowie einer Tagespflege der Caritas Wermelskirchen verwandeln. Das bestätigte gestern Investorin Helga Schindler auf Anfrage, die zusammen mit ihrem Mann Frank vor einigen Jahren bereits die Burgresidenz ein paar Meter weiter geschaffen hatte.

Gleichwohl bilden solche Bautätigkeiten nur einen Teil der Unterburger Wirklichkeit in diesen Tagen ab. Denn noch immer kämpfen etliche gastronomische Betriebe um ihre Existenz - und das Angebot an Restaurants nimmt weiter ab. So schloss zuletzt - wenn auch aus privaten Gründen - das Eiscafé Michelangelo, derweil im Gasthaus Drei Linden schon der nächste Leerstand droht. "Der Pächter hat offiziell gekündigt", sagte Gebäudebesitzer Herwath Kunde vom gleichnamigen Getränkehandel am Dienstag gegenüber unserer Redaktion.

Zwar liefen augenblicklich Verhandlungen mit einem potenziellen Nachfolger, unterstrich der Geschäftsmann. Gleichzeitig glaubt Kunde die tieferen Gründe für die Sorgen vieler Gastronomen, nicht nur in Drei Linden, zu kennen. "Durch die Baustelle kommen weniger Menschen nach Unterburg", gab der Solinger zu bedenken, der betonte, die Lage sei für Gastwirte "sehr schwer".

Tyrone Haarer, Pächter im Drei Linden, bestätigte gestern die bevorstehende Schließung. "Ende Oktober ist Schluss", sagte der Wirt, der dann insgesamt 20 Jahre das Traditionshaus geleitet hat. Wobei auch er die momentane Großbaustelle als einen der Auslöser für seine Entscheidung benennt. So sei der Umsatz zuletzt zurückgegangen, berichtete Haarer, der dies vor allem darauf zurückführt, dass viele Autofahrer einen Bogen um Burg machten.

Ein Problem, das Holger Piwowar, Geschäftsführer des Vereins Bergisches Land Tourismus Marketing, nicht in Abrede stellt. Allerdings sieht der Tourismus-Fachmann überdies noch andere Ursachen für die Schwierigkeiten und richtete darum jetzt einmal mehr einen Weckruf in Richtung der Gastronomen und Hausbesitzer in Unter- wie in Oberburg.

Es sei notwendig, die bestehenden Chancen - etwa im Zuge der Sanierung von Schloss Burg - zu nutzen, forderte Piwowar. Denn immerhin verbinden er und seine Kollegen mit der rund 32 Millionen Euro schweren Instandsetzung des bergischen Wahrzeichens nicht allein die Hoffnung, das Schloss zu erhalten. Vielmehr, so Holger Piwowar am Dienstag, müsse es darum gehen, mit Hilfe der Investitionen einen Schub für ganz Burg zu initiieren. Piwowar: "Ansonsten wird es schwer, Schloss Burg gemeinsam mit dem Ort touristisch weiterzuentwickeln."

Tatsächlich bringt der Stadtteil - abseits eines bisweilen noch leicht angestaubten Ambientes in manchen Lokalen - aus Sicht zahlreicher Burger schon heute alle Voraussetzungen für eine Renaissance mit. "In den vergangenen Jahren hat sich vieles zu einem Guten entwickelt", betonte etwa Carsten Voigt. Der Solinger Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtrat lebt selbst in Burg und verwies im Zusammenhang mit seinem Heimatort unter anderem auf das alte Rathaus sowie die ehemalige Burger Grundschule. "Die dortigen Wohnungen sind toll", sagte Carsten Voigt, der überzeugt ist, dass gerade der bald verbesserte Hochwasserschutz Zukunftsperspektiven eröffnet. Voigt: "Wenn die Baustelle beendet ist, gibt es einen weiteren Aufschwung."

Das sieht Heiko Kahlenberg vom Weinkeller Alte Kunst im Prinzip ebenso. Für Samstag lädt er zum "Sommer-Weinfest" mit Winzern, Musik und Spezialitäten der Region ein. "Trotzdem ist die Baustelle eine Belastung", stellte der Weinhändler auf Anfrage klar. Er monierte beispielsweise die Beschilderung der Umleitung. Lieferanten, so Kahlenberg, dürften eigentlich gar nicht bis an sein Geschäft fahren.

Die Stadt kennt die Problematik und kündigte Nachbesserungen an. "Schilder, die irreleiten, werden ausgetauscht", sagte eine Rathaussprecherin. Denn selbstverständlich, so die Stadt gestern, sei Burg während der Bauphase mit Sperrungen bis 2018 auch für Lieferanten zu erreichen.

Quelle: RP
 
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