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Ostern 2017
Versteckte Orte in der Großstadt

Solingen. Viele kennen sie von früher - doch heute verirrt sich kaum noch jemand hin. Eine österliche Spurensuche zu vergessenen Plätzen in Solingen. Von Martin Oberpriller

Das kleine Mäuerchen ist noch vorhanden. Und auch der Eschbach fließt wie eh und je an dem historischen Ensemble im Wald vorbei. Doch ansonsten erinnert nicht mehr viel an die Geschichte des irgendwie verwunschen wirkenden Ortes zwischen Burg und dem Remscheider Stadtteil Ehringhausen. Denn in dem unter Denkmalschutz stehenden Luhnshammer aus dem 17. Jahrhundert wird schon seit langer Zeit nicht mehr gearbeitet.

Vor mittlerweile neun Jahren, im Frühjahr 2008, hat der letzte Schmied das Holzgebäude mit dem steinernen Nebenhaus verlassen. Seitdem steht die alte Schmiede, ein Relikt aus der Frühzeit der bergischen Industriegeschichte, leer. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Denn der Stadt Solingen, die Eigentümerin des Luhnshammer ist, ist es bis zum heutigen Tag nicht gelungen, die Bauten zu verkaufen. Die wenigen Versuche, neues Leben ins Eschbachtal zu bringen, scheiterten vor allem an den Auflagen des Denkmalschutzes - obwohl unter dem schiefen Dach des alten Gemäuers durchaus so etwas wie ein touristisches Juwel schlummert.

Was einige Kilometer weiter westlich nicht der Fall ist. Und auch gar nicht der Fall sein muss, weil für das ehemalige Freibad Schellbergtal inzwischen ein neuer Nutzer gefunden wurde: die Natur. Im vergangenen Jahr wurde nämlich die Renaturierung des idyllisch gelegenen Bades aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgeschlossen.

Die alten Umkleidekabinen stehen noch. Aber dort, wo bis zum Jahr 2007 an heißen Sommertagen Generationen von Solingern ihre Bahnen zogen oder einfach nur planschten, schlängelt sich nun wieder der Schellberger Bach in seinem neu "profilierten" Bett. Entstanden ist ein echtes Biotop, eine Auen-Landschaft, die fortan zur Heimat für diverse Pflanzen- und Tierarten werden soll.

Eine Art Heimat hat derweil auch das Denkmal der Stadt Gouda gefunden. Nachdem das Geschenk aus der niederländischen Partnerstadt Solingens nach der Übergabe 1974 etliche Jahre auf dem Mühlenplatz gestanden hatte, wurde die aus mehreren Elementen bestehende sowie aus Waschbeton gefertigte Außenskulptur der Bildhauerin Josje Smit 1998 per Tieflader und mit Polizeieskorte zu ihrem neuen Standort an der Unnersberger Allee transportiert. Wo das Denkmal seitdem sein Dasein eher im Verborgenen zu fristen gezwungen ist.

Ein ähnliches Schicksal dürfte dem Stadion am Hermann-Löns-Weg in Ohligs indes erspart bleiben. Die einstige Heimstätte der Fußballer von Union Solingen ist bereits seit Jahren dem Verfall preisgegeben - wobei ein Ende in Sicht scheint. Noch in diesem Jahr soll mit dem Abriss der traditionsreichen Spielstätte am Rande der Ohligser Heide begonnen werden. An Stelle des Stadions will ein Investor bis 2020 über 100 neue Wohnungen schaffen.

Von einem Abriss spricht bei der Windfelner Brücke hingegen niemand. Dabei steht das 40 Meter hohe sowie 155 Meter lange Eisenbahnviadukt schon seit 120 Jahren im sprichwörtlichen Schatten seiner "größeren Schwester". Denn die 1893 eröffnete Brücke, die an der Remscheider Straße kurz vor dem Bahnhof Schaberg eine Schlucht überspannt, wurde lediglich gebaut, um danach die Gleise zur Müngstener Brücke verlegen zu können.

Diese war vier Jahre später fertig und erlangte im Lauf der Jahrzehnte Weltruf - während die Windfelner Brücke schnell in Vergessenheit geriet. Da passt es gut, dass das durchaus markante Bauwerk heutzutage nur mehr schwer zu erkennen ist, weil längst hohe Bäume den Blick auf die stählerne Konstruktion verstellen. Das macht allerdings nichts. Im Gegensatz zur Müngstener Brücke, die zuletzt aufwendig saniert werden musste, ist der bauliche Zustand der Windfelner Brücke nämlich nach wie vor sehr gut.

Quelle: RP
 
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