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Analyse
Viele Baustellen im Städtischen Klinikum

Solingen. Heute soll im Beteiligungsausschuss der neue Geschäftsführer des Klinikums gewählt werden. Favoritin ist die kommissarische Chefin Barbara Matthies. Sollte sie siegen, weiß sie, was auf sie wartet: Die 45-Jährige hatte schon mit machen Widerständen zu kämpfen. Von Martin Oberpriller

Eigentlich waren die Nachrichten, die in den vergangenen Wochen aus dem Städtischen Klinikum Solingen an die Öffentlichkeit drangen, durchaus positiver Natur. So gelang es den Verantwortlichen des größten Solinger Krankenhauses in der zurückliegenden Zeit, das beängstigende Defizit des Jahres 2015 so weit in den Griff zu bekommen, dass Optimisten für das laufende Geschäftsjahr bereits wieder mit einer sprichwörtlichen Schwarzen Null rechnen.

Tatsächlich kann das aber nur ein erster Anfang sein. Wenn der Solinger Beteiligungsausschuss am heutigen Abend in nicht öffentlicher Sitzung einen neuen Geschäftsführer oder eine neue Geschäftsführerin wählt, dann liegen vor dem zukünftigen Chef weitere harte Entscheidungen, um das Klinikum für die nächsten Jahre im immer härter werdenden Wettbewerb der Krankenhäuser sozusagen wetterfest zu machen.

Nach allgemeiner Einschätzung dürfte die bisherige kommissarische Geschäftsführerin Barbara Matthies bei der Abstimmung im Beteiligungsausschuss das Rennen machen. Denn immerhin stehen sowohl SPD und Grüne, als auch die FDP hinter der 45-jährigen Sozialdemokratin aus Oberhausen, die erst seit drei Jahren im Klinikum beschäftigt ist.

Allerdings, das dürfte Barbara Matthies inzwischen klar geworden sein, warten auf sie, sollte sie denn gewählt werden, nicht allein Sanierungsarbeiten im kaufmännischen Bereich des Krankenhauses. Einen Vorgeschmack darauf bekam die designierte Leiterin des Städtischen Klinikums jedenfalls schon einmal in den hinter ihr liegenden Monaten.

Wobei die parteipolitischen Streitigkeiten um ihre Person während der letzten Tage noch das geringste Problem sind. Nachdem die Positionierung der Parteien im nicht öffentlichen Teil der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses durchgedrungen war, fühlte sich beispielsweise die Solinger CDU bemüßigt, dies mit harschen Worten zu kritisieren - um danach, praktisch im gleichen Atemzug, das eigene Abstimmungsverhalten hinaus zu posauen.

Die Union hat also Zweifel an der Befähigung von Barbara Matthies, enthielt sich deshalb im Sozialausschuss - und dürfte bei der entscheidenden Abstimmung heute trotzdem ganz gewiss nicht gegen die 45-Jährige stimmen. Denn schließlich wird die CDU bei anderer Gelegenheit sicherlich auch mal wieder einen ihr genehmen Kandidaten durchbringen wollen. Was bei einem Nein zu Matthies gewiss eher schwierig würde.

Nein, die Solinger Politik ist wirklich nicht die größte Baustelle, wenn es um die Zukunft des Klinikums geht. Um die Probleme des Krankenhauses zu erkennen, bedarf es schon eines Blickes hinter die Kulissen. Und dabei wird schnell klar, dass der beziehungsweise die Neue es mit Beharrungskräften zu tun bekommen - und mit anhaltendem Widerstand.

Das beste Beispiel ist in diesem Zusammenhang das Belegungsproblem des vergangenen Sommers. Um Geld zu sparen sowie Überstunden abzubauen, wurden einige Abteilungen des Klinikums geschlossen. Was eingedenk der Erfahrung der Vorjahre eine richtige Entscheidung war - und doch zuletzt zu einem Fiasko geriet, da plötzlich nicht mehr genug Betten vorhanden waren. Der Grund hierfür ist ebenso einfach wie inakzeptabel: In einigen Abteilungen des Klinikums wurden weiter munter Privatpatienten aufgenommen, so dass - angesichts dieser Nicht-Notfälle - am Ende die Kapazitäten nicht länger ausreichten.

Nun wäre es sicherlich zu weit gegriffen, den Verantwortlichen für diese Schwierigkeit Absicht zu unterstellen. Gleichwohl zeigt die Episode eines: Das Klinikum braucht eine harte Hand, damit es auf Dauer wieder in ruhigere Fahrwasser gelangt. Dem Vernehmen nach verfügt Barbara Matthies über diese Durchsetzungskraft - was nicht zuletzt der Umstand zeigt, dass sie nun zusammen mit anderen Verantwortlichen das Zentrale Belegungsmanagement stärkt. Fortan soll an einer Stelle entschieden werden, wann wie viele Privatpatienten und privat Zusatzversicherte aufgenommen werden.

Das passt nicht jedem im Krankenhaus. Doch genau das ist der richtige Schritt in die Zukunft. Schließlich bringen solche Patienten das dringend benötigte Geld. Und da ist ein Belegungssystem, dass den Privatpatienten den Ärger des Sommers 2016 erspart, allemal wichtiger als teure Erweiterungsbauten, die das Klinikum auf Jahrzehnte finanziell belastet hätten. Diese Pläne sind mit Barbara Matthies zusammen zunächst einmal gestoppt. Sollte sie gewählt werden, sollten auch die versteckten Attacken auf sie enden. Die 45-Jährige hat auf der Baustelle Klinikum eine ehrliche Chance verdient.

Quelle: RP
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