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Solingen
"Villa Stöcken": eine smarte Wiedergeburt

Solingen: "Villa Stöcken": eine smarte Wiedergeburt
Heike und Thomas Kissling im Teil der Villa, der als "Loft" eingerichtet wurde. Die Galerie Spieckermann nutzt mehrere Räume für Wechselausstellungen. Die Skulpturen im Hintergrund entstanden aus alten Balken. FOTO: Stephan KÖhlen
Solingen. Thomas und Heike Kissling haben die alte Fabrikantenvilla mit hohem Aufwand als Tagungsort und für Ausstellungen umgebaut. Von Fred Lothar Melchior

Vom Feinsten. Und nicht in Düsseldorf oder Köln, sondern in Stöcken: Wenn die komplett renovierte frühere Fabrikantenvilla ein Indiz dafür ist, wie andere Rasspe-Gebäude einmal aussehen könnten, dann dürfen die Solinger auf das neue Gewerbegebiet stolz sein. Denn Thomas und Heike Kissling haben etwas vorgegeben, was wohl bundesweit einmalig ist.

"Wir haben viele Jahre keinen Urlaub gemacht", sagt das Ehepaar, das Ende 1999 zunächst die linke Haushälfte gekauft und saniert hatte. Im Sommer 2001 konnten sie die Villa beziehen, die auch Sitz ihres Maler- und Lackierbetriebs wurde. Zehn Jahre später erwarben Heike und Thomas Kissling dann die andere Hälfte. Als die Umbauarbeiten so gut wie beendet waren und auch eine erste Veranstaltung im September 2016 stattgefunden hatte, warf ein Wasserschaden die beiden rund ein Jahr zurück.

Das Signet der Villa Stöcken, hier in eine Fußmatte eingearbeitet, hat das Ehepaar Kissling selbst entwickelt. FOTO: Köhlen Stephan

Jetzt glänzt die "Villa Stöcken" auf allen Etagen. Der rechte Teil des Hauses wird nicht bewohnt, sondern bietet Ausstellungs- und Veranstaltungsräume mit modernster Technik - wie einem WLAN-Netz für Konferenzen. "Hier werden wir bereits in diesem Jahr unser erstes Investorengespräch fürs Rasspe-Areal führen", erläutert Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Den Besprechungsraum kann jeder buchen; für März haben sich wieder Architekten angesagt.

Ihnen können Thomas und Heike Kissling gleich eine Fülle von Anregungen präsentieren. Natürlich solche, für die man selbst verantwortlich zeichnet - wie unterschiedlichste Oberflächen, die vom täuschend echten "Beton" über "Echt-rost" bis zur "Tapete" aus Kuhfellen reichen. "Das Klebeverfahren habe ich in anderthalb Jahren selbst entwickelt", erklärt Thomas Kissling.

Blick in den Wohnbereich mit Deckenleuchten aus Gips, Eicheparkett und einer rustikalen Tisch-Bank-Kombination. FOTO: Köhlen Stephan

Was nicht sofort ins Auge springt, das ist dafür bestens zu hören: Im Haus wurden 29 Soundboards in Wände und Decken eingearbeitet. Von einigen, wie einem Subwoofer, ist ein Schlitz zu sehen, von den meisten gar nichts. Selbst aus der Brüstung der Terrasse erklingt auf Wunsch Musik. Auch die Heizung bleibt, wenn es nicht gerade der dekorative Gas-Kamin ist, dezent im Hintergrund: In mehreren Wänden sind extrem flache Strom-Heizmatten versteckt. "Hier merkt man, was Strahlungswärme heißt", sagt Heike Kissling. "Es ist eine unheimlich angenehme Wärme."

Alles wird per Smartphone oder Touchscreen geregelt: Das "Smart Home" ist komplett digitalisiert. "Villa Stöcken steht für die Zukunft des Wohnens mit Exklusivität, Innovation, modernster Raumgestaltung und Technik in High-end-Qualität", betonen die Inhaber. Da lässt sich dann auch beim WC die Wassertemperatur einstellen.

Das Ehepaar bündelt die Vielfalt in mehreren Themenwelten. Da gibt es einen Bereich, in dem die Farbe Weiß dominiert, ein "Loft" mit einem "innenliegenden Schaufenster" und ein Wohnzimmer, das unter anderem durch "gravierte" Wände besticht. Eine fasziniert durch ihr Erscheinungsbild wie verkokeltes Holz. Die Fußböden zeigen ebenfalls ein breites Spektrum: von den Original-Fliesen im Flur über gegossenen Zement bis zum Eicheparkett und zum Teppichboden.

In diesem Ambiente präsentieren Firmen gerne Teile ihrer hochwertigen Sortimente. "Es gibt viele Großunternehmen, die eine Chance darin sehen, ihre Produkte über die Villa zu vermarkten", erzählt Thomas Kissling. In der Küche (fürs Catering) finden sich selbstverständlich Solinger Bestecke und Schneidwaren. In die siebenstellige Summe, die bisher in die Villa investiert wurde, rechnet Kissling deshalb auch Artikel ein, die von Partnern gratis zu Werbezwecken überlassen wurden. Andere - wie Möbel - sind Leihgaben.

Auf der anderen Straßenseite, auf dem Firmenareal, geht es auch weiter. Beim Verwaltungstrakt wurde das abgebrannte Dach bereits denkmalgerecht erneuert. Grundzüge der übrigen Abriss- und Sanierungsarbeiten will Frank Balkenhol im kommenden Monat mit dem Altlastenverband (AAV) besprechen.

Quelle: RP
 
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