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Solingen
Virtuose Blödelei mit Oberamtsrat Clausen

Solingen. Baumann und Clausen brachten mit "Alfred allein zuhaus" das Konzerthaus zum Kochen. Von Cyrill Stoletzky

Ordnung gibt's nur auf dem Amt - daheim regiert das Chaos, und schuld sind die Weiber. Dem Oberamtstrat Clausen ist die Ella auf und davon, beim Kollegen und Freund Hans-Werner Baumann sucht er Rat. Turbulenzen sind angesagt. Mit ihrem vierten Programm "Alfred allein zu Haus" lieferten sich Baumann und Clausen alias Jens Lehrich und Frank Bremser im ausverkauften Theater Solingen einen komödiantischen Schlagabtausch, der es in sich hatte.

Da wurde geblödelt, gewitzelt und gekalauert, dass es krachte. Situationskomik feierte einsame Triumphe. Ehe, Liebe und Treue wurden durch den Wolf gedreht, Worte brillant verballhornt, und im Spiegel, den sie sich vorhielten, blitzte chauvinistische Selbsterkenntnis auf. "Wir Männer jagen uns eine Ehefrau - und die sammelt unsere Wäsche auf." Welch eine Einsicht! War's da ein Wunder, dass es die Ella nicht mehr mit ihrem Amtmann aushielt, zumal er sie nicht nur als Lakai benutzte, sondern auch ihren Verführungsansinnen auswich und sie noch dazu als Pummelchen aufzog. "Um sie kann er eine halbe Stunde lang herumgehen", grient Alfred, und "der schönste Körper im Schlafzimmer ist der Heizkörper". Der Saal bebt. Deine Frau hat ein schönes Kinn, belehrt ihn Baumann, Alfred kontert: jaja, sogar zwei davon. Baumann vom Passamt ist die Karikatur der Gesundbetergeneration, und noch dazu paralysiert vom Dirigat seiner Ehefrau, die ihm mit Kontrollanrufen das Leben schwer macht. So versucht er die Flucht nach vorn. Denn er liebt sie doch. Oder nicht? Tapfer berichtet er, wie sich er und Gertrud bei Eisbergsalat und Wässerchen näherkamen. Und bei ihren Rendezvous stets Eisbergsalat genossen. Und wann, fragt Alfred, kam die Gurke dazu?

Schnell wird klar: Es gibt Wichtigeres als das Eherätsel an sich. Die Bürgermeisterwahl rückt näher, und ohne First Lady kann der Amtmann nicht gewinnen. Als auch Baumann von seinem Weib verlassen wird, gründen die Herren im Heim des Amtmanns die Männerwirtschaft: Clausens Kurzlehrgang über den richtigen Umgang mit Frauen lässt kein Auge trocken, und dann steht ein auf folgsames Weib programmierter Automat samt Perücke auf der Bühne - und der entpuppt sich aber dann doch als renitent und "zu lernfähig". Meckert sogar im Automatenton über Clausens Zahnpastatubenschlamperei. Wen wundert's da, dass die Edelchauvis dann doch lieber ihre echten Weiber zurückhaben wollen - und sie über Umwege auch bekommen.

Die Moral von der Geschicht' ist sehr einfach. Eine Klamotte ist nur dann gut, wenn sie Gas gibt, virtuos ist, Zunder hat. An diesen Grundsatz haben sich Baumann und Clausen gehalten: Ohne Atempause haben sie sich die Bälle zugeworfen, für Brüller gesorgt, aus Einwürfen Stories gezaubert, souverän mit dem Publikum gespielt. Brauchen Sie ein Sauerstoffzelt?, fragt Clausen in eine besonders herzhafte Lachsalve hinein und erntet noch mehr Lacher. Dieser direkte Draht zum Publikum war das Beste an diesem Abend. Zum Dank für Riesenapplaus musste man weitere 15 Minuten die Lachmuskeln strapazieren. Dafür hat man unter anderem die Wahrheit über Kondomautomaten auf dem Amtsklo erfahren - jene Säcke für Mäuse.

Quelle: RP
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