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Solingen
Virtuose Spezialisten der Kammermusik

Solingen. Vielleicht war der Termin für das Konzert unglücklich gewählt, denn am zweiten Adventssonntag war das Angebot an Musikveranstaltungen in Solingen sehr reichhaltig - das Publikum hatte die Qual der Wahl. So kamen zum benachbarten Weihnachtsmarkt in Ohligs zwar viele Besucher, den Weg in die Evangelische Stadtkirche zu dem gut einstündigen Konzert fanden aber nur rund 40 Musikliebhaber.

Dabei gestalteten drei Solisten von hohem Rang ein interessantes Programm mit zeitgenössischer Musik, umrahmt von Werken aus dem Barock. Die Organistin Birgit Rhode wirkt als Chorleiterin und Kantorin an der Ohligser Stadtkirche. Weitere Ausführende waren der Geiger Peter Bruns, gefragter Gastmusiker bei diversen Orchestern, sowie die Violistin Uta Nießner, bekannt durch ihre Mitwirkung in vielen Ensembles der Kammermusik.

Im Mittelpunkt des Abends stand aber die Uraufführung eines neuen Werkes von Harald Rummler, dem Vorsitzenden der Werner-Trenkner-Gesellschaft. Mehrere Werke von ihm sind in diesem Jahr im Druck erschienen. Nach der Uraufführung kann man seinem neuen Musikwerk "Erwartung" auch eine gute Zukunft voraussagen. Es ist für Violine, Viola und Orgel verfasst und trägt den Untertitel "Erinnerungen an die Adventszeit 1944". Rummler war zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt, Berlin wurde durch Fliegerbomben immer mehr in Schutt und Asche gelegt. Seine Erinnerungen an diese Erlebnisse hat er jetzt auf Notenlinien festgehalten.

"Erwartung" ist Musik zwischen absurdem Todestanz, Zerstörung und falschen Hoffnungen, basierend auf dem Choral "Nun komm, der Heiden Heiland". In Momenten meint der Zuhörer statt drei Solisten ein ganzes Orchester zu hören, derart zieht die Musik sie in ihren Bann. Langgezogene Melodienbögen weichen schroffen Dissonanzen, gehetzte Synkopen scheinen die Flucht vor der Vernichtung zu symbolisieren. Gleich darauf spielten die drei Solisten eine idyllische Hirtenmusik in der "Pastorale" des sächsischen Kantors Gerhard Günther. Schärfer hätte der musikalische Kontrast nicht sein können.

Am Ende erklang mit einer beschwingt und mitreißend gespielten Triosonate von Johann Sebastian Bach noch einmal Musik aus dem Barock. Erst dann setzte auch der dankbare Beifall der Zuhörer ein. Hier waren virtuose Spezialisten der Kammermusik am Werk. Das Trio begeisterte in allen Belangen und hat eine neue Chance vor größerem Publikum deutlich verdient.

(wgü)
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