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Solingen
Vom Auszubildenden zum Sparkassen-Vorstand

Solingen: Vom Auszubildenden zum Sparkassen-Vorstand
Seine 49 Berufsjahre startete Manfred Kartenberg bei der Sparkasse. "Die war mir deutlich sympathischer als das Finanzamt." FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Manfred Kartenberg hat sein komplettes Berufsleben bei der Stadt-Sparkasse verbracht. Am 31. Dezember geht der 64-Jährige in Ruhestand. Von Uwe Vetter

Geldautomaten gab es damals noch keine. Und auch die Umsätze der Stadt-Sparkasse Solingen wurden am 1. August 1968 noch von fleißigen Mitarbeitern auf Lochkarten erfasst. An jenem Tag startete der damals 15-jährige Manfred Kartenberg seine Lehre zum Bankkaufmann beim Solinger Kreditinstitut. Und eröffnete dort gleich am ersten Tag sein Girokonto, schließlich brauchte es für die Überweisung der Ausbildungsvergütung in Höhe von 180 D-Mark am Monatsende ein entsprechendes Konto. Das erste kleine Gehalt wurde indes nicht auf die hohe Kante gelegt, vielmehr komplett "in ein Tonbandgerät von Telefunken" investiert.

Beim Eignungstest im Arbeitsamt hatte man Manfred Kartenberg geraten, zur Sparkasse oder zum Finanzamt zu gehen. Der Schüler der Theodor-Heuss-Realschule entschied sich für das Geldinstitut. Ein Unternehmen, das er seit seiner Lehre nie verlassen sollte. Nach diversen Lehrgängen arbeitete sich der einstige Auszubildende sogar bis in den Vorstand hoch. Eine berufliche Karriere, die so nicht jedem vergönnt ist. "Die Sparkasse war mir deutlich sympathischer als das Finanzamt", sagt Kartenberg. Gleichwohl war er in der Sparkasse viele Jahre für Bilanzen und Steuern zuständig.

Seit 20 Jahren ist der jetzt 64-jährige Solinger im Vorstand des Unternehmens - Ende Dezember, nach 49 Dienstjahren, gibt er im Haus an der Kölner Straße seinen Ausstand und tritt in den Ruhestand. Für Kartenberg startet dann ein neuer Lebensabschnitt, wenn man so will ein neues Leben.

"Ich werde aber weiter als ehrenamtlicher Finanzrichter tätig sein und meine Dozenten-Tätigkeit bei der Sparkassen-Akademie ausüben", sagt der Solinger. Er will mit seiner Frau künftig öfter und länger als bisher verreisen. "Spanien ist unser Lieblingsland, wir wollen deshalb auch unsere Spanisch-Kenntnisse ausbauen", betont der (Noch) Sparkassen-Direktor.

Online versteht sich, die neuen Techniken nutzend, denen er sich allein schon beruflich nie verschlossen hat. Aber auch an die alten technischen Standards im Sparkassenverbund kann sich der Solinger noch gut erinnern. Obwohl das Geldinstitut im Laufe der vergangenen knapp fünf Jahrzehnte wie andere Branchen vielfältige Veränderungen erlebte.

1981 wurde beispielsweise der erste Geldautomat in der Geschäftsstelle Krahenhöhe installiert. Kurz davor, von 1975 bis 1980, wurde die Hauptstelle der Stadt-Sparkasse noch umgebaut und saniert. Jetzt ist geplant, sie abzureißen und gleich gegenüber mit Öffnung hin zum Neumarkt eine neue Hauptstelle aufzubauen.

Das wird aber noch einige Zeit dauern. Umbauten und Erweiterungen fielen mit in den Geschäftsbereich von Manfred Kartenberg im Vorstand. Controlling, Organisation, Technik wie Geldautomaten oder Bilanzen - das Aufgabenfeld war vielfältig und nie langweilig. "Es gab sogar mal Zeiten, in denen es zwölf Prozent Zinsen für Geldanlagen gegeben hat", sagt er mit einem Lächeln und mit Blick auf die seit 2016 anhaltende Null-Zins-Phase.

Mit zu seinen persönlichen Höhepunkten im Berufsleben zählt er die 175-Jahr-Feier der Stadt-Sparkasse und die Fertigstellung der Altenwohnungen an der Graf-Engelbert-Straße. Die Umstellung auf den Euro zum 1. Januar 2002 war natürlich ebenfalls ein einschneidendes Erlebnis im Berufsleben des Bankkaufmanns wie die Computerumstellung 1999/2000 wegen des Jahrtausendwechsels. Zwischen 1991 und 1993 war der fünffache Vater und sechsfache Opa auch zum Sondereinsatz in Solingens Partnerstadt Aue. "Die haben Hilfe gebraucht, wir haben das Rechnungswesen unterstützt und bei der D-Mark-Eröffnungsbilanz geholfen." Einschneidendes negatives Erlebnisse war für Kartenberg 2011 der Überfall mit vermuteter Geiselnahme in der Geschäftsstelle Weyer.

Bis zum Ende Dezember wird Manfred Kartenberg wie gewohnt jeden Morgen im Büro erscheinen und arbeiten. Sportlich fit hält sich der 64-Jährige auch beim morgendlichen Jogging mit dem Hund. Gleichwohl hat er vor, künftig verstärkt Squash zu spielen und ein Fitnessstudio zu besuchen.

Dennoch sagt Manfred Kartenberg ohne Umschweife: "Ich werde die Arbeit vermissen, aber ich freue mich auch auf den Zugewinn an Freizeit". Und mit Blick aufs heimische Haus, fällige Renovierungen sowie die vielen dort gelagerten Dinge, die sortiert und auf Vordermann gebracht werden müssen, ergänzt der dienstälteste Mitarbeiter der Stadt-Sparkasse Solingen: "Es gibt viel zu tun".

Quelle: RP
 
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