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Serie 10 Jahre Regionale (5)
Von der kühnen Idee zur Erfolgsgeschichte

Serie 10 Jahre Regionale (5): Von der kühnen Idee zur Erfolgsgeschichte
Eine Trasse, viele Nutzer: Auf dem Fuß- und Radweg sind jedes Jahr bis zu 500.000 Menschen anzutreffen, fünf mal mehr als von den Planern anfangs erwartet. Die Korkenziehertrasse ist mittlerweile ein vielgenutzter Teil des Bergischen Panorama-Radweges, eingebunden in ein Netz von Radtrassen. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Das Regionale-Projekt Korkenziehertrasse eröffnete den Solingern bis dahin ungekannte Möglichkeiten. Bis zu 500.000 Menschen nutzen den Fuß- und Radweg jedes Jahr. Von Benjamin Dresen

Die Korkenziehertrasse verbindet Solingen - früher wie heute. Wo einst Dampfloks die Kurven von Mitte Richtung Gräfrath entlang schnauften, sind es jetzt Läufer, Radfahrer und Inlineskater. Wobei: Verausgaben muss sich auf der Trasse mit ihrer minimalen Steigung eigentlich keiner. Der Fuß- und Radweg, der zur Regionale 2006 auf der alten Bahnstrecke entstand, eröffnete den Solingern vielmehr ungekannte Möglichkeiten. Spazieren, Joggen, Radfahren - alles ohne Autoverkehr und die stets präsenten Steigungen. Landschaftsarchitekt Artur Pach von den Technischen Betrieben begleitete das Projekt von Anfang an. Er erinnert sich noch lebhaft an die Zeit nach der Eröffnung: "Man konnte den Menschen ansehen, dass sie zum Teil noch nie Fahrrad gefahren waren." Bis zu 500.000 Menschen nutzen die Trasse mittlerweile pro Jahr, die Planer waren einst von 100.000 ausgegangen.

Die 1890 eröffnete Korkenziehertrasse war als Bahnverbindung vom alten Hauptbahnhof ins nördliche Solingen entstanden. Doch die Nebenstrecke verlor bald an Bedeutung, 1942 verkehrte der letzte Personenzug und nach dem Krieg wurde der Güterverkehr abschnittsweise eingestellt. Die letzte Bahn fuhr 1995. Danach fiel die Strecke endgültig in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie die Stadt am Ende des Jahrtausends wach küsste.

"In einem bunten Team" städtischer Mitarbeiter entstand die Vision des Rad- und Fußgängerweges. 1999 erhielt das Städtedreieck von der Landesregierung den Zuschlag für die Regionale. "Das war die Möglichkeit, die phantastische Idee zu konkretisieren und belastbar zu machen", erinnert sich Artur Pach. Von der Fuhr Richtung Gräfrath gab es bereits einen Spazierweg, die übrige Trasse erwarb die Stadt für eine Million Euro von der Deutschen Bahn. Die Baukosten betrugen weitere 2,6 Millionen Euro. Die Stadt hatte nur einen Eigenanteil von zehn Prozent der Gesamtkosten zu leisten, der Rest waren Fördergelder der Regionale. Den Bau der Trasse führte die Stadtteilwerkstatt Fuhr der Ittertal gGmbH von 2003 bis 2007 in vier Abschnitten mit Unterstützung von Fachfirmen aus.

Auf 10,5 Kilometern Strecke gibt es rund 45 Zu- und Abgänge zur Trasse, ein Teil von ihnen ist barrierefrei. An den Zugängen vermitteln Infotafeln Wissenswertes zu den Orten; robuste Bänke aus Bahnschwellen laden zum Verweilen ein und an freien Streckenabschnitten säumen gelbleuchtende Goldrobinien den Weg. "Ein entscheidendes Ausstattungselement sind die Lampen", betont er. 2006 initiierte Kim Armbrüster einen jährlichen Benefizlauf, durch den bislang 91 Lampen zur Beleuchtung des Weges zusammenkamen. Spielplätze, wie der am früheren Nordbahnhof, kamen erst später hinzu. In Remscheid entstand zur Regionale zeitgleich die Trasse des Werkzeugs und in Wuppertal die Sambatrasse.

Mittlerweile ist die Korkenziehertrasse ein vielgenutzter Teil des Bergischen Panorama-Radweges und eingebunden in ein Netz von Radtrassen zwischen Rhein, Ruhr, Sieg und Sauerland. Im Süden schließt die Bergbahntrasse an, im Norden sind es die Nordbahntrasse und die Niederbergbahn. "Seit der Anbindung an beiden Seiten vor etwa zwei Jahren hat der Radverkehr nochmal massiv zugenommen", so Pach.

Zehn Jahre nach Fertigstellung sind an einigen Stellen Renovierungen an Belag, Zugängen oder wegen Schmierereien nötig. "Das hat die Trasse einfach verdient." Der letzte Rest des ursprünglichen Terraway-Belages aus Kies und Kunstharzkleber wird bald gegen Asphalt ausgetauscht. Damit die Trasse in Zukunft noch ansehnlicher wird, könnten 40 bis 50 Flächen künstlerisch gestaltet werden. "Es gibt viele unschöne wandartige Situationen", wie Artur Pach es ausdrückt.

Bislang verbindet die Trasse Höhscheid, Mitte, Wald und Gräfrath miteinander - und Ohligs ist außen vor. Um das zu ändern, gibt es bei der Stadt die Idee, den Wanderweg durch das Lochbachtal zu ertüchtigen und am Frankfurter Damm einen Anschluss an die Korkenziehertrasse herzustellen. "Daran tüfteln wir noch", sagt Artur Pach.

Auch ein Trassenzugang vom Gewerbegebiet Piepersberg steht als einer der nächsten Punkte auf der Agenda.

Quelle: RP
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