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Solingen
Von Dürer bis zum Bananenhasen

Solingen. Seit Albrechts Dürers Feldhasen haben sich viele Künstler mit diesem symbolträchtigen Tier beschäftigt. Von Sandra Grünwald

Angefangen hat alles im Jahr 1502 mit einem Feldhasen. Schon zu Lebzeiten Albrecht Dürers schaffte es das Aquarell, zu einer solchen Bekanntheit zu gelangen, dass es gleich einen neuen Bildtypus einführte. Besonders um 1600 widmeten sich Künstler wie Hans Hoffmann Dürers Feldhasenstudie. 13 solcher Nachahmungen sind noch heute bekannt. Albrecht Dürer hat seinen Hasen vermutlich als bloße Naturstudie verstanden und ihn deshalb ohne symbolische Bedeutung dargestellt. Obwohl der Hase schon bei den Kelten und Germanen mit der Mondgöttin in Verbindung stand und als Symbol für Wiedergeburt, Fruchtbarkeit und Sinneslust verehrt und gefeiert wurde.

"Der Hase ist ein Symbol für den Frühling", weiß auch Künstler Régis Noel. Die Christen übernahmen den Aspekt der Wiedergeburt und übertrugen ihn auf Christus, der zu Ostern aufersteht. So lässt Tizian in seinem Pariser Bild eine Madonna mit Jesuskind mit einem weißen Hasen spielen. Auch Joseph Beuys räumte dem Hasen als Sinnbild für die Wiedergeburt immer wieder Raum in seinen Werken ein, etwa in seiner 1965 umgesetzten Aktion "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt". Auch heute hat der Hase einen Stellenwert in der Kunst. Die Solinger Künstlerin Nadine Gabriel widmet dem Hasen gleich eine ganze Bilderserie. "Meine Großeltern sind in den 1950er Jahren nach Solingen gekommen und haben eigene Tiere mitgebracht", sagt Nadine Gabriel. So wuchs sie mit unterschiedlichen Tieren auf - und natürlich mit vielen Stallhasen. "Die wurden dann auch geschlachtet", erinnert sie sich. Diese Stallhasen haben sich in den Werken der Künstlerin materialisiert. "Sie sind ja auch ein Teil von mir."

Doch Nadine Gabriel hat ihnen in ihren Bildern ein schöneres Schicksal beschieden. "Sie sitzen auf fliegenden Untertassen und erkunden das Bergische Land", erklärt sie. Unzählige bekannte Solinger Wahrzeichen wurden so schon von den fliegenden Hasen erkundet. "Die Sengbachtalsperre, die Citykirche - vor den Zwillingswerken sind sie, an der Lutherkirche." Und natürlich auch im Südpark. "Wo sie eigentlich entstanden sind." Am bekanntesten jedoch ist das Bild, auf dem die Hasen auf ihren Untertassen unter der Müngstener Brücke schweben. Ein bisschen verrückt. Sogar in einem Bild, das von ihrem Urlaub in Kapstadt inspiriert wurde, finden sich Hasen und - wenn man genau hinschaut - das Turmhotel und das Karstadtgebäude.

Dirk Balke, der die Galerie Art-Eck in Gräfrath betreibt, kennt Dürers Hasen persönlich. "Ich habe in Wien gelebt und habe öfters die Albertina besucht, wo das Original aufbewahrt wird", sagt er. "Es ist das beste Aquarell, das es gibt." Balke holte auch den bekannten Bananensprayer Thomas Baumgärtel nach Solingen, der nicht nur einen Bananenhasen erschaffen hat, sondern in seinem Bild "Schlüsselwerke der Kunstgeschichte", den Dürerhasen höchstselbst zitiert. So findet der Hase auch heute noch seine Anerkennung bei den zeitgenössischen Künstlern.

Der Dürer Hase: Der "Feldhase" von Albrecht Dürer, ein gouachiertes Aquarell auf Papier, befindet sich in der Albertina in Wien. Allerdings wird im täglichen Museumsbetrieb nur eine Kopie gezeigt. Das empfindliche Original wird in Absprache mit dem Denkmalamt nur alle fünf Jahre zwei Mal ausgestellt.

Quelle: RP
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