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Solingen
Von Posthörnern und Flötentönen

Solingen: Von Posthörnern und Flötentönen
Wie die einzelnen Instrumente klingen, erlebten Grundschulkinder gestern beim Wandelkonzert der Bergischen Symphoniker im Theater und Konzerthaus. Heute und am morgigen Mittwoch geht es weiter. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Beim Wandelkonzert schnupperten die Viertklässler aller Solinger Grundschulen echte Orchesterluft. Von Cyrill Stoletzky

Was braucht es, um bei der Violine einen Ton zu erzeugen? Was ist Kolophonium? Warum klingt das Fagott tiefer als die Piccoloflöte? Beim Wandelkonzert der Bergischen Symphoniker gingen Solingens Viertklässler auf Tuchfühlung mit den Orchestergruppen. Sie lernten viel - und hatten einen Riesenspaß. Denn die so genannte E-Musik ist cool und witzig. Und präsentierte sich auch jetzt wieder 90 Minuten lang als rundes Erlebnis zum Anfassen. Abseits von Youtube, MP3s und anderen digitalen Medien schnupperten fast 500 Kinder authentische Konzerthausluft. Dabei verteilten sich die Instrumentengruppen auf die wichtigsten Säle des Theaters. Während des Konzertes "wandelten" die Schüler im Klassenverband von einer Instrumentengruppe zu nächsten. Jede Gruppe stellte dabei - moderiert von den Lehrerinnen der Grundschulen - ihre Instrumente vor. Spielerisch und detailreich präsentierte Cornelia Scheel, Leiterin der Advents-Grundschule, Violine, Kontrabass, Cello und Bratsche, verpackte Wissenswertes in Spiele, führte mit Fragen an die Technik der Instrumente heran und ließ keine Minute Leerlauf aufkommen. Und als dann zehn Kinder bei Martin Haunhorsts Violine ein Flageolett erzeugen durften, war der Spaß perfekt. Die Hörproben waren kurz, klangreich und gut verdaulich. Auch die Holzbläser wussten ihr Publikum zu fesseln.

Ursula Steinmann-Eidam erklärte, wie Luft den Ton erzeugt: Während der Spaltklang den Flötenton entstehen lässt, sind bei Oboe, Klarinette und Fagott schwingende Rohrblätter dafür verantwortlich. Wertvolles Wissen, gewürzt mit Melodien und Klangbeispielen, vermittelte sie locker und unakademisch - und ein Kanon zeigte die Bläser im perfekten Zusammenspiel. Last not least gab Angela Burkhardt, Musiklehrerin der Grundschule Bünkenberg-Widdert, einen flott gestalteten Einblick in die Welt der Blechbläser - angefangen vom alten Posthorn über das Orchesterhorn bis zu den Trompeten, deren Ventiltechniken sie anschaulich erläuterte.

Man erfuhr auch, wie die Posaune ohne Ventile auskommt und was die Tuba zum tiefsten Orchesterinstrument überhaupt macht. Auch die Stippvisite beim Schlagwerk fehlte nicht, und eine dynamische Beatlesnummer nebst einem Ohrwurm von Lew Pollack sorgten für Sound pur. Als ultimatives Finale erlebten die kleinen Leute unter Leitung von Orchesterakademie-Stipendiatin Corinna Niemeyer Offenbachs Orpheus-Quvertüre - ein kompaktes Hörerlebnis, für das sich die Kinder mit Ovationen bedankten. Während der Zugabe durften einige - nach Anleitung der Dirigentin - selbst rauf aufs Maestro-Pult. Eine Riesengaudi, die auch die Orchesterleiterin genoss.

Für die in Zürich studierende Musikerin ist es wichtig, dass "Kinder die Ausdrucksmöglichkeiten von Musik live erleben können." "Und damit", ergänzt Cornelia Scheel, "die Motivation erhalten, ein Instrument zu erlernen." "Das Wandelkonzert", weiß Angela Burkhardt, "ist für viele Grundschulkinder die einzige Gelegenheit, alle Instrumente kennenzulernen. Eine tolle Einrichtung, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt."

Quelle: RP
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