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Solingen
Vorbild Gouda für neuen Rathausanbau

Solingen: Vorbild Gouda für neuen Rathausanbau
Auf allen Ebenen sind Gesprächsecken und Konferenzräume für Gruppen vorhanden. FOTO: v. Meeteren (2) / Meijerink (Gem. Gouda)
Solingen. In der Partnerstadt arbeiten die Beamten bereits so, wie es viele ihrer Solinger Kollegen auch tun sollen, wenn der Neubau steht: mit Tele-Arbeit und in Co-Working-Spaces. Die Politik will die Pläne aber in ein City-Konzept einbetten. Von Martin Oberpriller

Das große Vorbild steht rund 250 Kilometer nordwestlich von Solingen, hat zehn Stockwerke, stammt aus dem Jahr 2012 und kostete insgesamt 50 Millionen Euro. Im neuen Rathaus der Partnerstadt Gouda in den Niederlanden arbeiten die Beamten bereits seit einiger Zeit so, wie dies zukünftig auch in der Klingenstadt der Fall sein soll - wenn erst der Rathausanbau an der Cronenberger Straße verwirklicht sein wird.

Das allerdings dürfte noch etwas dauern. Denn nachdem die Verwaltung zuletzt eine umfassende Beschlussvorlage erstellt hatte, wurde der Tagesordnungspunkt "Rathausanbau" in dieser Woche bei den Sitzungen von Hauptausschuss sowie Stadtrat zunächst einmal wieder aus dem Programm genommen. Denn bevor die Politik irgendetwas zu dem Acht-Millionen-Euro-Projekt entscheiden will, möchte sie erst noch etliche Fragen beantwortet wissen.

So besteht die CDU darauf, dass die Rathaus-Planungen, die Teil einer Zwei-Standort-Strategie für Mitte und Ohligs sind, in grundlegendere Überlegungen zur City einfließen. "Es sollte überprüft werden, inwieweit die Pläne der Stadt auch in den Clemens-Galerien unsetzbar sind", hieß es gestern aus der Partei. Zwar sei es durchaus denkbar, dass sich ein neuer Anbau am Rathaus am Ende besser als das großteils leere Center eigne. Trotzdem gehöre das Thema in den Planungsausschuss.

Das neue Rathaus in Gouda wurde 2012 gebaut und kostete 50 Millionen Euro. Die Verwaltungsmitarbeiter arbeiten auf zehn Etagen. FOTO: John van Meeteren

Zumal weitere Fragen offen sind. Obwohl nämlich offiziell im Neubau kein Ratssaal vorgesehen ist, existieren Pläne für einen 250-Quadratmeter-Raum mit in der Summe 190 Plätzen, der nach Informationen unserer Redaktion bei einer parlamentarischen Bestuhlung mit 60 Stühlen auch für Rats- und Ausschusssitzungen bereitstünde. Was bedeutet, dass die Gremien nicht länger umziehen müssten - weswegen der Vize-Fraktionschef der CDU, Daniel Flemm, bei der Ratssitzung am Donnerstag von der Verwaltung erfahren wollte, was das Sitzungsmanagement bislang eigentlich kostet.

Eine Antwort darauf sowie auf andere Fragen soll es nun bei einer Sitzung von Stadtspitze und Vertretern der Ratsfraktionen am 17. Februar geben - wobei die Zeit drängt. Denn erstens soll der Neubau bis 2021 stehen. Zweitens gilt es, bei der Finanzierung, die von der Bezirksregierung genehmigt wird, die augenblickliche Niedrigzins-Phase zu nutzen. Und drittens müssen Abläufe in der Verwaltung umgestellt werden.

Die Arbeitsplätze befinden sich in den offen gehaltenen Stockwerken. In der Mitte liegt zudem eine große Halle mit Pausenbereich. FOTO: Wendy Meijerink

Das geht aus einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) NRW hervor, die im Sommer 2017 fertig wurde und die der Politik als nichtöffentlicher Anhang zur Beschlussvorlage vorliegt. Darin gehen die GPA-Beamten davon aus, dass die zu Einsparungen bei Mietausgaben für aufzugebende Standorte wie etwa an der Gasstraße mit 681.000 Euro sogar noch ein bisschen höher ausfallen würden als von der Stadt berechnet.

Voraussetzung dafür ist allerdings, bis zum Bezug des Neubaus die Arbeitsorganisation umfassend umzustellen. So muss die Zahl der Tele-Arbeitsplätze erhöht werden. Und laut GPA ist es überdies unumgänglich, Co-Working-Spaces zu schaffen - also Arbeitsstrukturen, in denen viele städtische Beschäftigte keine eigenen Büros beziehungsweise Schreibtische mehr haben werden.

Wobei wiederum Gouda als Anschauungsbeispiel dienen kann. Denn von den 450 Rathaus-Mitarbeitern der 72.000-Einwohner-Gemeinde in der Provinz Süd-Holland verfügen nur noch der Bürgermeister und die Beigeordneten über für sie reservierte Räume. Der Rest arbeitet flexibel, trifft sich zu Besprechungen in buchbaren Konferenzzimmern und in Besprechungsecken - oder erledigt die anfallenden Aufgaben gleich von zuhause aus.

"Sechs bis sieben Prozent der Beschäftigten machen das vorwiegend, 80 Prozent ab und zu", sagte gestern ein Sprecher der Stadt Solingen, der parallel noch mit einer anderen Zahl aufwarten konnte. So gelang es Gouda nach dem Einzug ins neue Rathaus, insgesamt sieben Kilometer an Akten, die digitalisiert wurden, aus den Dienststuben zu verbannen. Was im Übrigen Platz auch für die Bürger schaffte. Unter dem Motto "Bfree2work" können Interessenten Arbeitsplätze auf Zeit in dem modernen Verwaltungssitz anmieten.

Quelle: RP
 
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