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Walder Theatertage
Walder bekennen sich zum Straßentheater

So bunt war das Straßentheater in Solingen 2017
So bunt war das Straßentheater in Solingen 2017 FOTO: Radtke, Guido
Solingen. Amüsant, skurril und spektakulär ging es am Wochenende im Herzen des Stadtteils zu. Tausende Besucher genossen die Darbietungen. Von Alexander Riedel und Guido Radtke

Wer hätte gedacht, was man alles mit Autoschläuchen anstellen kann ? Staunend und herzhaft lachend beobachteten die Gäste die schräge Vorstellung des Trios "Chapertons" auf der großen Hauptbühne unterhalb der evangelischen Kirche in Wald. Die Spanier lieferten sich ein pantomimisch dargestelltes Motorradrennen, spielten einander gegenseitig Streiche oder funktionierten ihre ungewöhnlichen Requisiten zu Dudelsäcken oder Kopfbedeckungen um.

Das Publikum quittierte den Einfallsreichtum mit warmem Applaus - genau wie diverse andere Darbietungen am Wochenende: Die 20. Auflage der Walder Theatertage erlebte mit dem Straßentheater rund um die Kirche ihren fulminanten Höhepunkt.

Wo die Straße zur Bühne wird

An sechs verschiedenen Orten bildeten sich immer wieder Menschentrauben, um Artistik, Musik oder Komik aus nächster Nähe zu erleben. "Wir haben das Programm dabei, lassen uns aber einfach treiben", erzählte Besucherin Doris Diefenbach, die mit Ehemann Jürgen zum ersten Mal das muntere Treiben an Kirchplatz Stresemann- und Friedrich-Ebert-Straße erlebte. Besonders beeindruckte sie die Show des "Bencha"-Theaters. "Die akrobatischen Einlagen zu Tango-Klängen waren einfach fantastisch", sagte Diefenbach, nachdem sich die Künstler der niederländischen Gruppe auf dem Platz neben der Kirche an roten Tüchern in luftige Höhen geschwungen und faszinierende Tanzfiguren erschaffen hatten.

Wenige Meter weiter, an der Ecke Walder Kirchplatz / Alte Straße, wurden die gebannten Zuschauer Zeugen der gleichermaßen komischen wie anrührenden Geschichte eines Schiffbruchs: Die erzählte das Duo vom katalanischen Ensemble "La industrial teatrera" im Stück "Castaways" - und auch das fast ohne Worte, mit Hilfe ihrer Mimik, einigen Holzkisten, Paletten und Flaschen, in denen sich so manch eine Nachricht anderer Gestrandeter verbarg. Eingerahmt von Laternen zogen die Darsteller auf einer rundlichen Fläche die Beobachter in ihren Bann - und machten sie zum Teil sogar selbst zu Akteuren.

Und auch viele andere Künstler trafen den Nerv des Publikums, von Clown "Nakupelle" über das Tanztheater "Duo Laos" und This Maag, der die Friedrich-Ebert-Straße in eine Skipiste verwandelte, bis hin zur niederländischen Band "De Wegwerkers": "Die haben gute, beschwingte Musik gemacht", sagte Zuhörer Axel Lorenz. "Die Walder Theatertage sind immer ein Highlight", betonte er - und begrüßte kurz darauf frühere Nachbarn. "Hier bin ich schon vielen Freunden und sogar einer Arbeitskollegin aus Langenfeld begegnet", berichtete Lorenz, lobte die ausgelassene Stimmung und die gelungene Organisation: "Gut gefällt mir auch, dass man auf einem Plakat alle Programmpunkte auf einen Blick sehen kann."

Neben schönen Erinnerungen nahm er wie viele andere Besucher auch ein Festivalbändchen mit dem Picasso-Zitat "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele" mit nach Hause. Die kleinen Souvenirs für den Unterarm verkauften Schüler der Friedrich-Albert-Lange-Schule (FALS) für jeweils fünf Euro an verschiedenen Ständen.

Die Einnahmen sollen dazu beitragen, die Straßentheatertage auch in Zukunft möglich zu machen. Denn weil es im kommenden Jahr keinen Zuschuss mehr vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) geben wird, steht die traditionsreiche Veranstaltung auf der Kippe. "Wir sind in Gesprächen mit der Stadt", sagte FALS-Schulleiter und Organisator Peter Wirtz. Zu den zahlreichen Unterstützern gehört neben dem Walder Werbering auch die Denkmalstiftung Walder Kirche.

Nichtsdestotrotz ist Peter Wirtz bei den weiteren Planungen seiner Zeit weit voraus. "Wir haben jetzt schon die Künstler für das Straßentheater im Jahr 2021 ausgewählt, weil in dieser Phase große Festivals stattfinden." Wenn man da nicht früh genug etwas festgezurrt habe, "fahren die Künstler dann lieber nach Paris, Avignon oder Irland als nach Solingen - auch wenn ich das nicht verstehen kann", sagt er und lacht.

Quelle: RP
 
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