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Solingen
Weihnachtsgeschenke für alle

Solingen: Weihnachtsgeschenke für alle
Weihnachten steht vor der Tür und alle Kinder hoffen, dass genau die richtigen Geschenke unterm Tannenbaum liegen. Bettina Meyer macht bei der Aktion Wunschzettel der Tafel mit, um die Wünsche ihrer drei Kinder Lara-Sophie, Maria und Alexander (v.l.) zu erfüllen. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die Geschwister Alexander, Lara-Sophie und Maria haben im Rahmen der in dieser Woche gestarteten "Aktion Wunschzettel" ihre Wünsche notiert. Von Verena Kensbock

Alexander wünscht sich zu Weihnachten eine Gitarre. Oder ein Klavier. Zwei Fußballtore wären auch okay. Am allerliebsten wäre ihm natürlich ein Hund - um genau zu sein ein Schäferhund. Aber er ist realistisch und weiß, dass er kein Haustier bekommen wird. Unrealistische Kinderwünsche gehören zu Weihnachten wie heiße Schokolade und Plätzchen, aber bei dem achtjährigen Alexander und seinen Schwestern Lara-Sophie und Maria ist es etwas anderes. Denn auch den Wunsch nach einer Gitarre kann seine Mutter Bettina nicht erfüllen.

Die 42-Jährige ist alleinerziehende Mutter der drei Kinder und geht regelmäßig zur Solinger Tafel, da sie ansonsten nicht genug Geld für das alltägliche Leben hat. Ein bis zwei Mal die Woche stockt sie dort den Kühlschrank mit Lebensmitteln oder die Kleiderschränke mit Kinderkleidung auf. Alexander hat auch seinen Schultornister von der Tafel bekommen. "Das Angebot der Tafel hilft mir sehr", sagt Bettina Meyer. "Das Geld, das ich bekomme, reicht nur selten. Wenn es knapp wird, muss ich zur Tafel gehen."

Dass es bei Bettina Meyer häufiger mal knapp wird am Ende des Monats, hat einen Grund: Ihre jüngste Tochter Maria hatte kurz nach der Geburt einen Schlaganfall. Die heute Fünfjährige hat noch immer eine Gehbehinderung, ist auch sonst immer etwas langsamer als ihre beiden Geschwister. Wegen ihrer Hirnschädigung muss Bettina Meyer regelmäßig mit Maria zur Untersuchung in eine Klinik in Siegen fahren. "Die Kosten für die Fahrten muss ich selbst bezahlen. Das ist eine zusätzliche Belastung."

Die gelernte Bäckereifachverkäuferin hat zuletzt in der ambulanten Altenpflege gearbeitet. Mit drei Kindern, von denen eins besonders pflegebedürftig ist, muss sie aber vorerst zu Hause bleiben. Im kommenden Jahr will sie sich einen neuen Job suchen, wenn Maria zur Schule geht. "Hoffentlich finde ich etwas für ein paar Stündchen am Tag. Mit dem zusätzlichen Geld wäre mir schon geholfen."

Am Anfang war es Bettina Meyer peinlich, ihre Lebensmittel nicht zu bezahlen. Heute ist sie froh, dass es diese Unterstützung für Familien gibt, die um jeden Cent ringen müssen. "Über die Chefin der Tafel, Brigitte Funk, bin ich auch auf die Wunschzettel-Aktion aufmerksam geworden." Die Familie macht nun schon zum zweiten Mal bei der Aktion mit.

Rund 700 Mädchen und Jungen dürfen auf einer Karte notieren, welches Geschenk im Wert von 20 Euro sie sich zu Weihnachten wünschen. Jeder großzügige Spender darf dann so viele Wünsche erfüllen, wie er mag. Maria hofft auf eine Puppe, ebenso wie die neunjährige Lara-Sophie. Ein Bauernhof von Playmobil würde ihr aber genauso gut gefallen.

Und natürlich hat auch Bettina Meyer einen Wunsch: Irgendwann will sie sich ein Auto kaufen, damit sie wieder mobil ist und Alexander zum Fußballtraining fahren kann. "Auch wenn die Kinder sich wohl mehr über einen Hund freuen würden," sagt sie und lacht. Aber Alexander, Lara-Sophie und Maria planen schon etwas anderes: Sie basteln bereits fleißig an Weihnachtsgeschenken für ihre Mama.

Quelle: RP
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