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Solingen
Wenn das Orchester beim Schulkonzert eine Geschichte erzählt

Solingen. Im Pina-Bausch-Saal des Solinger Theater und Konzerthauses ist es still, als der Orchesterleiter Peter Kuhn sich dem Publikum zuwendet und beginnt, über Variationen zu sprechen. Das Publikum auf den Rängen ist an diesem Vormittag besonders jung.

Es sind die fünf Klassen der Jahrgangsstufe 5 der Theodor-Heuss-Schule, die der Einladung des Solinger Kulturmanagements zu einem Schulkonzert der Bergischen Symphoniker gefolgt sind. Nun sind alle Blicke auf die Musiker gerichtet, die im Rampenlicht auf der Bühne bereit sind, den Schülern einen Einblick in die klassische Musik zu geben.

"Das hat eine ganz lange Tradition", sagt Lehrer Björn Höroldt, "schon seit vielen Jahren besuchen unsere fünften und sechsten Klassen die Schulkonzerte". Die Sechstklässler waren im November bereits im Theater. Nun sind die fünften Klassen an der Reihe. "Es geht darum, dass die Schüler diese Art von Kultur kennenlernen", betont Höroldt. Es ist etwas Besonderes, wenn man ins Theater geht. Atmosphäre und Stimmung sind feierlich, es gibt bestimmte Regeln. "Zum Beispiel, dass man erst am Ende klatscht", sagt Björn Höroldt.

Warum geht man mit den Schülern nicht in ein Hip Hop-Konzert? "Das kennen sie schon", betont der Lehrer, "sie sollen diese Musik kennenlernen". Und das funktioniert prima bei dem Stück "The Young Person's Guide to the Orchestra" von Benjamin Britton, das sich die Bergischen Symphoniker für diesen Anlass ausgesucht haben. "Übersetzt heißt das so viel wie: der kleine Orchesterführer für junge Leute", erklärt Peter Kuhn.

So wird zunächst das komplette Orchester eingesetzt, dann die Instrumentengruppen vorgestellt - dazu gehören die Holzbläser, die Blechbläser, die Streicher und das Schlagzeug -, bevor schließlich die einzelnen Instrumente wie "die wendige und geschmeidige Klarinette", die Violine oder die Piccoloflöte im Fokus stehen.

"Das ist eine tolle Ergänzung zu unserem Musikunterricht", sagt Björn Höroldt, liegt der Schwerpunkt des Musikunterrichts an der Theodor-Heuss-Realschule doch vor allem auf dem Selbstmachen. Doch nicht nur den Klang der einzelnen Instrumente können die Schüler hören. Anhand eines Stückes von Alexander Glasunow zeigen die Bergischen Symphoniker, was es mit den "Variationen" auf sich hat.

"Es ist wie bei einer Familie, jeder hat seine Eigenarten", erklärt der Orchesterchef Peter Kuhn. Und so erzählt das Orchester die Geschichte der jungen Dame Aglaia, die ein Festkleid anprobiert, "sich vorstellt, wie sie mit dem Fürsten übers Parkett schwebt", wie ihr kleiner Bruder, "mit seinem Holzpferd durch die Wohnung rast", sowie die leise, eher wehmütige Variation der Mutter, die ihrerseits in Erinnerungen schwelgt, bis hin zur munteren Schlittenfahrt.

Die Schüler der Jahrgangsstufe 5 der Theodor-HeussRealschule klatschen jedenfalls begeistert Beifall und nehmen sicherlich viele sehr interessante Eindrücke von dem Schulkonzert wieder mit nach Hause.

(sue)
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