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Serie Aus Den Stadtbezirken
Westkämper: Enteignung der Gräfin prüfen

Serie Aus Den Stadtbezirken: Westkämper: Enteignung der Gräfin prüfen
Schon seit rund zehn Jahren herrscht im Ohligser Zentrum am Marktplatz Stillstand. Bezirksbürgermeister Marc Westkämper sieht auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach in der Pflicht. FOTO: Kempner (Archiv)
Solingen. Weil anstatt des O-Quartiers weiter nur Ruinen stehen, fordert der Bezirksbürgermeister nun eine härtere Gangart gegenüber dem Investor. Von Martin Oberpriller

Rund zehn Jahre sind inzwischen vergangen, seitdem die Textilfirma Olbo im Zentrum von Ohligs ihre Produktion eingestellt hat. Und ungefähr genauso lange existieren Pläne, an der Stelle des ehemaligen Industriebetriebes ein modernes Einkaufszentrum zu errichten. Allerdings ist der neue Besitzer des Areals, die Immobilienentwicklungsgesellschaft Graf von Thun und Hohenstein Veit, bis zum heutigen Tag den Beweis schuldig geblieben, das Projekt wirklich stemmen zu können. Nach wie vor verschandeln die Ruinen der einstigen Fabrik das Erscheinungsbild des Stadtteils - weswegen der Bezirksbürgermeister von Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid, Marc Westkämer (CDU), mittlerweile eine entschieden härtere Gangart gegenüber dem Investor fordert.

"Die Stadt sollte ernsthaft prüfen, inwieweit eine Enteignung möglich ist", sagte der Christdemokrat jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion sowie mit Blick auf den Stillstand, der Ohligs ausgerechnet an seiner attraktivsten Stelle seit nunmehr einem Jahrzehnt lähmt. Zwar schränkte Westkämper, der gelernter Jurist ist, parallel ein, dass der Gesetzgeber bewusst hohe Hürden vor einen solchen Schritt gesetzt habe. Dennoch, so der Bezirksbürgermeister, sei nunmehr die Zeit gekommen, sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen, auf welche Weise die Geschäftsführerin des Investors, Dr. Jeannine Gräfin von Thun und Hohenstein Veit, endlich zum Handeln gezwungen werden könne.

Dabei ist CDU-Mann Westkämper auch bereit, sprichwörtlich über Bande zu spielen, um wieder Bewegung in die Angelegenheit zu bringen. Beispielsweise wäre es aus seiner Sicht nämlich durchaus möglich, an einer anderen Stelle im Stadtteil jenen Lebensmittel-Vollsortimenter anzusiedeln, der von den meisten Ohligsern schon über Jahre hinweg schmerzlich vermisst wird - und der eigentlich stets als einer der Ankermieter für das neue Shopping-Center O-Quartier vorgesehen war.

Der Hintergrund der Idee: Würde ein dergestaltes Geschäft nicht in der geplanten Mall, sondern etwa in den Räumen der alten Gaststätte "Kelders" an der Keldersstraße eröffnet werden, wäre das Vorhaben eines Einkaufszentrums am Markt wohl in Gänze obsolet. Was wiederum gleichbedeutend damit wäre, dass Gräfin von Thun und Hohenstein Veit mit ihrer Solinger Liegenschaft in gewisser Weise "kalt enteignet" würde, wie Marc Westkämper in diesem Zusammenhang unterstrich.

Indes stellt diese Option für den Bezirksbürgermeister lediglich einen letzten Ausweg dar. Lieber wäre es ihm, sollte es doch noch zu einem Baustart am O-Quartier kommen - wobei Christdemokrat Westkämper im neuen Jahr 2018 vor allem Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) verstärkt in der Plicht sieht.

"Der OB muss sich einfach mal ins Auto setzen, zum Sitz des Investors in Bayreuth fahren und dort ein klärendes Gespräch mit der Gräfin führen", mahnte der Bezirksbürgermeister, an die Adresse des Verwaltungschefs gerichtet, an. Die bisherigen Bemühungen der Stadt, das O-Quartier auf den Weg zu bringen, seien jedenfalls von keinem Erfolg gekrönt gewesen. Marc Westkämper: "Es hilft nichts, immer nur zu hoffen, dass es klappt. Dies hat uns keinen einzigen Schritt nach vorne geholfen."

Tatsächlich stehen die verantwortlichen Beamten im Rathaus seit dem zurückliegenden Sommer mit dem Investor vermehrt in Kontakt. Die Konsultationen zwischen Solingen und Bayreuth laufen momentan allerdings vornehmlich auf einer sogenannten Arbeitsebene, nachdem etliche Zeit zuvor sogar eine regelrechte "Funkstille" geherrscht hatte.

Diskussionsbedarf besteht dem Vernehmen nach immer noch über den Branchenmix im Center. Mit einer Reihe von Mietern, die Gräfin von Thun und Hohenstein Veit bereits im Jahr 2016 in Aussicht gestellt hatte, war die Stadt seinerzeit nicht zufrieden gewesen. Aus diesem Grund wurden schließlich die bis dato entwickelten Planungen über den Haufen geworfen und die Verkaufsfläche in der Mall wurde merklich reduziert.

Quelle: RP
 
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