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Solingen
Widerstand gegen Parkplatz-Pläne

Solingen: Widerstand gegen Parkplatz-Pläne
Karen Küll, Christine Dämgen und Rainer Knecht (v.l.) setzen sich für den Erhalt der Grünanlagen in der Siedlung Böckerhof des Spar- und Bauvereins Solingen ein. FOTO: Martin Kempner
Solingen. In der Siedlung Böckerhof wurden knapp 250 Unterschriften gegen den Plan gesammelt, in begrünten Innenhöfen Parkplätze anzulegen. Die Bewohner fühlen sich bei der Planung übergangen.  Von Uwe Vetter

Der Brief des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV) an die Bewohner der Siedlung Böckerhof kam unvermittelt - und sorgte bei vielen Bewohnern für Entsetzen. Denn für neue Pkw-Stellplätze sollen begrünte Innenhöfe aufgegeben werden. Welche und für wie viele Parkplätze, das steht noch nicht fest, zumal bis gestern für Anwohner der Siedlung Gelegenheit bestand, zunächst den Bedarf anzumelden.

Gegen das Vorgehen der Genossenschaft hat sich aber Widerstand formiert: "Wir wollen die Grünanlagen erhalten - so wie sie sind", sagen die Anwohner Karen Küll, Christine Dämgen und Rainer Knecht. Mit ihrer Forderung stehen sie nicht allein: Knapp 250 Unterschriften wurden bereits gegen die von der Genossenschaft geplanten Einschnitte in die Grünflächen gesammelt.

Mietkonditionen wurden gleich mitgeteilt

Kritik wird auch an der Vorgehensweise der größten Wohnungsbau-Genossenschaft des Rheinlandes geübt: "Wir hätten uns im Vorfeld eine Informationsversammlung gewünscht. Es findet aber keine Diskussion statt. Vielmehr wird der Bedarf nach Stellplätzen abgefragt, um Fakten zu schaffen", mutmaßt Rainer Knecht. Denn die Anwohner bekamen in dem Anschreiben auch mitgeteilt, wie sich die Mietkonditionen für die Stellplätze gestalten: Sie liegen bei 20 Euro im Monat für den einfachen Stellplatz und gehen hinauf bis zu 50 Euro für die Garage.

Marode Garagen in der Siedlung sollen abgerissen werden. FOTO: Kempner Martin

Vier mögliche Standorte für Autoabstellanlagen hat der SBV den Mietern in dem Schreiben aufgezeigt und angekündigt, dass ein bestehender maroder Garagenhof in der Siedlung voraussichtlich im Herbst 2018 zurückgebaut wird. Informiert wurde zudem darüber, dass Häuser und Wohnungen entlang der Wittekindstraße 22-32 und Argonner Weg 30-40 neu entwickelt werden sollen. Zum Teil stehen hier Wohnungen schon leer. Geplant sind Wohnangebote für Senioren, Wohnen in Gemeinschaft, eine Kindertagesstätte sowie ein Bewohnertreff. "Gegen die Wohnbebauung haben wir überhaupt nichts", betonen Küll, Dämgen und Knecht, "wohl aber sind wir gegen die Eingriffe in die gewachsene grüne Infrastruktur".

In der Tat bietet die SBV-Siedlung Böckerhof mit der luftigen Bebauung von Häusern unter anderem entlang der Drosselstraße, Wittekindstraße, Argonner Weg, Bozener Straße und Finkenstraße sehr großzügig gestaltete Grünflächen, die zum Verweilen einladen oder aber Kindern Platz zum Spielen bieten. Parkplätze in der Nähe der Wohnung würden sich finden lassen, wenn man bereit sei, einige Meter Fußweg in Kauf zu nehmen. "Die Wohnungen mögen nicht die beste Bausubstanz haben, aber wir wohnen gerne hier, weil die Wohnqualität sehr hoch ist", sagen Karen Küll, Christine Dämgen und Rainer Knecht mit Blick auf das schöne Umfeld.

Um mit dem Vorstand des Spar- und Bauvereins in einen Dialog über die geplanten Eingriffe in das grüne Wohnumfeld zu treten und noch Veränderungen an diesen Plänen zu erreichen, wurde ein kurzfristiger Gesprächstermin erbeten, bei dem auch die Unterschriften übergeben werden sollten. "Leider hat der Vorstand mitgeteilt, dass er zu einer frühzeitigen Anhörung der Bewohnerschaft nicht bereit ist und stattdessen die Angelegenheit zunächst nur intern und mit dem Aufsichtsrat diskutieren will", berichtet Christine Dämgen.

Wohl aber hat der Aufsichtsratsvorsitzende des SBV, Hans-Werner Bertl, auf ein Schreiben der Initiative reagiert, die sich für den Erhalt der Grünanlagen einsetzt. "Es ist noch gar nichts entscheiden", sagt Bertl und ergänzt: "Im Schreiben des Vorstands vom 16. Juni ist explizit von Prüfung und erster Untersuchung die Rede". Bertl sichert zu, dass vor möglichen Beschlüssen der Meinungsaustausch mit den Mitgliedern aus dem Siedlungsbereich steht. In einem "ergebnisoffenen Dialog" werde man eine Situation erreichen, "die den Charakter unserer Siedlung bewahrt und die den unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüchen der SBV-Mitglieder im Siedlungsbereich entsprechen kann". Der SBV-Aufsichtsratsvorsitzende geht davon aus, dass nach den Schulferien eine entsprechende Versammlung stattfinden wird.

Quelle: RP
 
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