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Solingen
Wildschweine sind im Dunkeln eine Gefahr

Solingen: Wildschweine sind im Dunkeln eine Gefahr
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Solingen. Nicht stark bremsen oder auszuweichen versuchen, rät die Autobahnpolizei Hilden. Meist verlaufen Unfälle glimpflich. Von D. Schmidt-Elmendorff

Eine Rotte Wildschweine hat in der Nacht auf Sonntag bei dem Versuch, die Autobahn 3 im Bereich Langenfeld zu queren, einen Unfall mit mindestens sieben beteiligten Fahrzeugen ausgelöst. "Die beiden erwachsenen Tiere und etliche Frischlinge, kamen dabei zu Tode", sagt ein Mitarbeiter der Autobahnpolizeiwache Hilden. Die Jungtiere waren unter der Mittelleitplanke hergelaufen, so dass es in beiden Fahrtrichtungen zu Kollisionen kam.

Schon seit Jahren verzeichnen die Jäger und Landwirte in Langenfeld starke Wanderungsbewegungen aus dem Bergischen Land. Nicht immer gelingt es den Tieren, die Barriere Autobahn zu überwinden. In 2015 verzeichnete die Autobahnpolizei vier Unfälle mit Schwarzwild, auf der A 542 war es einer. Wem trotz geringer Reaktionszeit eine Vollbremsung gelingt, riskiert möglicherweise einen Auffahrunfall, warnt Gunter Herring von der Autobahnpolizei. Andererseits entwickelt ein ausgewachsenes Wildschwein schon bei einer Fahrtgeschwindigkeit von 60 km/h ein Aufprallgewicht von 2,5 Tonnen. Das gleicht einer Kollision mit einem Nashorn. "Dennoch stellen die Tiere wegen ihrer geringen Körperhöhe selten eine Gefahr für die Insassen dar, weil sie durch den Aufprall an der Frontmaske meist zur Seite geschoben werden", so Herring. Nur wenn der Fahrer auszuweichen versuche, dabei die Kontrolle über das Fahrzeug verliere und womöglich in einen Straßenbaum oder die Leitplanken rase, gehe das nicht ohne schwere Verletzungen ab.

Nach einer Kollision mit einem Wildtier sollte der Autofahrer rechts ranfahren, die Unfallstelle durch ein Warndreieck absichern und die Polizei rufen. "Wir holen den Tierkadaver dann von der Fahrbahn", so Herring. Aber selbst wenn das angefahrene Tier nur verletzt sei, sollte man als Unfallbeteiligter dem Versuch widerstehen, es anzufassen.

Grundsätzlich empfiehlt er, auf die "Vorsicht Wildwechsel"-Schilder zu achten, wenn man in der Dämmerung oder nachts unterwegs ist - und sich in einer solchen Gefahrenzone mit angepasster Geschwindigkeit fortzubewegen. "Mit solchen Hinweisschildern haben wir unserer Verkehrssicherungspflicht Genüge getan", erklärt Timo Stoppacher, Sprecher beim Landesbetrieb StraßenNRW. Wildschutzzäune würden nur in solchen Autobahnabschnitten errichtet, wo mehr als fünfmal im Jahr Wildwechsel beobachtet worden seien, etwa im Bereich der Ohligser Heide. "Ansonsten sind unsere Autobahnen in weiten Teilen von Lärmschutzzäunen eingefasst, die sind auch für das Wild unüberwindbar." Allerdings befinden diese sich hauptsächlich in Nähe menschlicher Siedlungen und nicht dort, wo sich Hase und Fuchs gute Nacht sagen.

"Die letzten drei Jahre haben den Wildschweinen top Lebensbedingungen beschert: milde Winter und eine reiche Eichel- und Bucheckernmast", sagt Stefan Krayer, Leiter des Hegerings Langenfeld. Es habe infolgedessen viele Schäden in dem Revier zwischen Richrath und Wiescheid gegeben. Dabei seien aber nur solche Schäden auf Flächen entschädigungspflichtig, die jagdlich genutzt werden können, davon sind Privatgärten und Golfplätze ausgenommen.

Das in NRW geltende Jagdgesetz mache es den Jägern schwer, die wachsende Population einzudämmen: Von Ende Januar bis August dürfen nur Frischlinge erlegt werden. Und obwohl Wildschweine nur nachts wandern und bejagt werden können, sind Nachtsichtgeräte verboten. Bleiben also nur die hellen, wolkenfreien Vollmondnächte innerhalb der Jagdsaison - das ist eine Handvoll im Jahr. Eine aussichtslose Mission also. "Um eine Sau zu schießen, muss man gut 72 Stunden ansitzen", so Krayer.

Quelle: RP
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