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Solingen
Wipperkotten: Das beschädigte Wupper-Wehr macht Sorgen

Solingen. Der Förderverein Schleiferei Wipperkotten feierte sein Sommerfest. Nach der Ostfassade muss nun das Wehr restauriert werden. Von Benjamin Dresen

Über 400 Jahre Geschichte am Leben zu erhalten kostet Geld. Und das so stetig, wie das Wupperwasser über das Wehr am Wipperkotten fließt. Sobald ein Projekt zum Erhalt des erstmals 1602 erwähnten Schleifkottens abgeschlossen ist, steht die nächste Aufgabe an. Der Erlös aus den vier jährlichen Festen des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten trägt dazu bei, die Maßnahmen stemmen zu können - so auch das traditionelle Sommerfest gestern. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken fließen in den Erhalt der Schleiferei. Das gilt auch für die Gebühren, gegen die Herbert Loos und Ralf Jahn vor Ort die Messer und Scheren der Besucher schärften. Die Feste dienen nicht nur dazu, Geld in die Kasse zu spülen und den Kotten bekannter zu machen, wie Vereinsmitglied Reinhard Schrage sagte. Sie fördern auch die Gemeinschaft der rund 100 Vereinsmitglieder, die sich hier bei einer Aufgabe einbringen. "Das ist für mich eine ganz wichtige Sache", so Schrage.

Reinhard Schrage, der viel Zeit einbringt und auch Besucher durch den einzigen original erhaltenen Solinger Schleifkotten führt, zeigte die abgeschlossenen und zukünftigen Baustellen. Bauchschmerzen bereitet aber das nahegelegene Wehr, das das Wupperwasser in Flussbreite aufstaut und auf das Wasserrad leitet. "Die Krone ist beschädigt", sagte Reinhard Schrage, und dies denkmalgerecht zu restaurieren, dürfte eine Herausforderung werden. Es muss, genau wie es vor 400 Jahren dort aufgeschichtet wurde, auf Grauwackesteinen bestehen. Schrage nannte drei Gründe, warum das Wehr reparaturbedürftig ist. Erstens durch Baumstämme, die im Wasser schwimmen. Zweitens durch "Badegäste, die hier ihrem Freizeitvergnügen nachgehen" und Steine entfernen. Und drittens durch etliche Kanufahrer, die nicht die "Rutsche" am Leichlinger Ufer nutzen, sondern das Wehr einfach hinunterfahren. "Das ist sehr ärgerlich, dass dieses historische Wehr zerstört wird", betonte Schrage. Gerade rechtzeitig zum Sommerfest fertig geworden ist die Renovierung der Ostfassade des Gebäudes. "Die sieht aus wie geleckt", freute sich Schrage. In der Tat: Die Balken glänzen wie frisch gestrichen, und die Fächer sind über dem Mauerwerk neu verputzt. In den Eichenbalken tauschte eine Spezialfirma gezielt faule Stellen aus. Unter dem Giebel schützt eine Holzverschalung die Balken aus nicht so haltbarem Kiefernholz vor der Witterung. Das Gebäude ist zwar im Besitz der Stadt, aber der Verein kümmert sich in Erbpacht um den Erhalt. Die Bauarbeiten kosteten laut Reinhard Schrage über 20.000 Euro. "Für solche Zwecke haben wir Rücklagen gebildet, und dafür sind die Feste wichtig." Er sagt aber auch: "Der Verein konnte diese Summe nur unter Schwierigkeiten stemmen."

Weitere Termine sind das Herbstfest mit dem "Schleifen am nassen Stein" am 16. Oktober und der Weihnachtsbasar am 17. Dezember. Darüber hinaus ist der Kotten noch bis Oktober jeden ersten und dritten Sonntag im Monat geöffnet.

Quelle: RP
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